Kino International: Berlins Filmikone kehrt auf die große Leinwand zurück 🎬
Mit einem Festakt und viel politischer Prominenz ist am 3. März eines der symbolträchtigsten Filmhäuser Berlins in den Spielbetrieb zurückgekehrt. Das Kino International an der Karl-Marx-Allee, ein Bauwerk der DDR-Moderne und jahrzehntelang Premierenkino des ostdeutschen Films, wurde nach fast zweijähriger Sanierung wiedereröffnet. Die Zeremonie versammelte Vertreter aus Politik, Filmwirtschaft und Kulturinstitutionen und machte deutlich, dass die Wiederinbetriebnahme dieses Hauses mehr ist als die Rückkehr eines Kinos. Sie ist auch eine Erinnerung an die Rolle, die Filmtheater in der Geschichte der Stadt gespielt haben.
Das Gebäude, 1963 eröffnet, entstand im zweiten Bauabschnitt der damaligen Stalinallee, der späteren Karl-Marx-Allee. Entworfen von den Architekten Josef Kaiser und Heinz Aust, galt es seinerzeit als modernstes Kino Ost-Berlins und diente als zentrale Premierenstätte der staatlichen Filmgesellschaft DEFA. Mit rund 550 Plätzen, einem großzügigen Foyer und einer markanten Glasfront war das Haus Teil eines städtebaulichen Ensembles, das die sozialistische Hauptstadt architektonisch repräsentieren sollte. Reliefs an den fensterlosen Seitenfassaden, die Szenen aus Arbeit und Alltag zeigen, verweisen bis heute auf die kulturpolitische Symbolik dieser Epoche.
Auch nach dem politischen Umbruch von 1989 blieb das Kino International ein zentraler Ort der Filmkultur. Seit den frühen 1990er-Jahren gehört es zur Yorck-Kinogruppe und ist regelmäßig Spielstätte der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Damit wandelte sich das Haus von einem repräsentativen Premierenkino der DDR zu einer Bühne für internationales Autorenkino und Festivalpremieren. Filmemacher und Schauspieler aus aller Welt präsentierten hier ihre Werke, während das Gebäude zugleich als seltenes Beispiel der DDR-Nachkriegsmoderne erhalten blieb.
Die jüngste Sanierung, die von 2024 bis Anfang 2026 dauerte, zielte darauf, diesen historischen Charakter zu bewahren und das Haus technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Ein Großteil der technischen Anlagen wurde erneuert, Projektions- und Tonanlagen modernisiert, Dach und Gebäudetechnik instand gesetzt. Zugleich restaurierten Restauratoren zentrale Gestaltungselemente wie Holzverkleidungen, textile Wandbespannungen oder den ikonischen Premierenvorhang, dessen Millionen Pailletten in aufwendiger Handarbeit überarbeitet wurden. Insgesamt beliefen sich die Kosten der Arbeiten auf rund 15 Millionen Euro, die durch Eigenmittel und öffentliche Förderprogramme getragen wurden.
Die Wiedereröffnung wurde von politischen Würdigungen begleitet. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bezeichnete das Kino als Teil der kulturellen Identität der Stadt und als Zeugnis deutscher Teilungsgeschichte. Auch Vertreter des Bundes und des Landes Berlin verwiesen darauf, dass Kulturorte dieser Art über ihre Funktion als Vorführstätte hinaus wirken. Sie sind Treffpunkte, öffentliche Räume, Orte gemeinsamer Erfahrung in einer Zeit, in der Film zunehmend über digitale Plattformen konsumiert wird.
Ein symbolischer Höhepunkt des Abends war die Auszeichnung des Hauses als „Treasure of European Film Culture“ durch die Europäische Filmakademie. Diese Ehrung wird nur wenigen historischen Orten verliehen, die für die Entwicklung des europäischen Kinos eine besondere Bedeutung besitzen. Mit der Aufnahme in diese Reihe wird das Kino International neben berühmten Filmstätten Europas als kulturelles Gedächtnis des Kinos gewürdigt.
Dass der Ort weiterhin eine starke Anziehungskraft besitzt, zeigte sich bereits vor der offiziellen Feier. Beim Tag der offenen Tür Ende Februar strömten zahlreiche Berlinerinnen und Berliner durch das Gebäude, viele offenbar neugierig auf die Verbindung aus restaurierter Architektur und neuer Technik. Kurz darauf begannen die ersten regulären Vorstellungen, mehrere davon sofort ausverkauft.
Damit kehrt das Kino International in eine Rolle zurück, die es über Jahrzehnte geprägt hat. Es ist nicht nur ein Ort, an dem Filme gezeigt werden. Es ist ein öffentlicher Raum, in dem sich Architektur, Stadtgeschichte und Filmkultur überlagern. In einer Zeit, in der sich das Kino zunehmend gegen die Dominanz digitaler Plattformen behaupten muss, erhält dieses Haus an der Karl-Marx-Allee eine zusätzliche Bedeutung. Seine Wiedereröffnung erinnert daran, dass das gemeinsame Erleben von Film in einem Saal auch weiterhin einen festen Platz im kulturellen Leben der Stadt haben kann.
