Leonhard Robert Müller, der die deutsche Uhrenmarke ASKANIA über zwei Jahrzehnte hinweg geprägt hat, ist am 23. Dezember 2025 im Alter von 79 Jahren gestorben. Müller war eine der zentralen Figuren bei der Wiederbelebung einer traditionsreichen Marke, die eng mit der Industriegeschichte Berlins verknüpft ist und auf die 1871 von Carl Bamberg gegründeten „Bambergwerke“ zurückgeht.

Müller stammte aus Pforzheim, der historischen deutschen Gold‑ und Uhrenstadt. Nach Stationen in der Schweizer Uhrenindustrie und dem Handel mit Uhrenprodukten fand er Anfang der 2000er‑Jahre sein unternehmerisches Projekt: die Wiederbelebung der fast in Vergessenheit geratenen Marke ASKANIA. Von einem Buch über Militäruhren und Pilotenuhren angeregt, sicherte er 2004 die Namensrechte und gründete die ASKANIA AG in Berlin mit dem Ziel, mechanische Uhren in traditioneller Handwerkskunst herzustellen.

Für Müller waren Uhren primär präzise Zeitmesser und technische Geräte, keine modischen Accessoires. Er prägte den Anspruch, mechanische Uhrmacherkunst mit hoher handwerklicher Fertigung zu verbinden und Fachkräfte auszubilden, um diese Tradition fortzuführen. Unter seiner Führung wurde in Berlin in den historischen Hackeschen Höfen eine wiederbelebte Uhrenmanufaktur etabliert, die mechanische Armbanduhren in limitierter Auflage produzierte. Modelle wie die „Quadriga“, benannt nach dem Brandenburger Tor, zeigten die Verbindung zur Hauptstadt und zur Uhrmacherkunst gleichermaßen.

Müllers Unternehmertum war nicht nur auf Produkt und Technik ausgerichtet, sondern auch auf soziale Bindungen innerhalb seines Hauses: Er pflegte enge Beziehungen zu Mitarbeitern, die er oft als „Askanier“ bezeichnete, und verstand nachhaltigen Erfolg als Ergebnis kollektiver Anstrengung. Zugleich verknüpfte er die Marke bewusst mit kulturellen Impulsen: Der ASKANIA Award, den er 2008 ins Leben rief, sollte an die historische Bedeutung des Unternehmens in der Filmtechnik anknüpfen und herausragende Leistungen in der deutschen Filmbranche würdigen.

Die Jahre vor seinem Tod waren von wirtschaftlichen Herausforderungen überschattet. Ein gescheitertes Einzelhandelsprojekt im Umfeld des neuen Hauptstadtflughafens BER führte zu erheblichen finanziellen Belastungen; 2024 mündeten diese in ein Insolvenzverfahren. Die operative Fortführung der Marke gelang später durch ehemalige Mitarbeiter in der neu gegründeten Carl Bamberg GmbH, doch Müller schied aus dem aktiven Geschäft aus.

Leonhard Robert Müller hinterlässt ein unternehmerisches Werk, das die Geschichte einer alten Marke mit der Handwerkskunst der Gegenwart verband. Seine Vision einer „Made in Berlin“-Uhr, die Herkunft, Präzision und handwerkliche Integrität in einem vereint, bleibt ein prägender Beitrag zur jüngeren Geschichte der deutschen Uhrmacherei.

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