Wer an diesem Sonntag das Manifesto Market am Potsdamer Platz betrat, spürte schnell, dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Berlin angekommen ist. Gemeinsam mit dem Vintage-Trikot-Spezialisten 44Trikots hatte sich die erste Etage der Markthalle in einen Treffpunkt für Sammler, Fußballnostalgiker und Fans verwandelt. Zwischen seltenen Vereins- und Nationaltrikots wurden Panini-Sticker getauscht, Fachgespräche über legendäre Turniere geführt und Erinnerungen an frühere Weltmeisterschaften ausgetauscht. Die Veranstaltung traf damit einen Nerv der Zeit. Panini-Sammelalben erleben derzeit eine bemerkenswerte Renaissance, und Berlin hat sich zu einem aktiven Zentrum der Tauschszene entwickelt. Auch Treffen von Sammlern fanden in den vergangenen Wochen mehrfach im Manifesto Market statt.

Der eigentliche Höhepunkt des Tages begann jedoch um 19 Uhr. Deutschland traf im ersten WM-Gruppenspiel auf Curaçao, während hunderte Besucher vor den Großbildschirmen im Innen- und Außenbereich Platz nahmen. Das Manifesto Market gehört in diesem Sommer zu den wichtigsten Public-Viewing-Standorten der Hauptstadt und überträgt zahlreiche Partien der Weltmeisterschaft. Als die deutsche Mannschaft schließlich einen deutlichen 7:1-Erfolg feierte, verwandelte sich die Markthalle in einen einzigen Jubelraum. Jeder Treffer wurde lautstark begleitet, Fahnen wurden geschwenkt, Biergläser erhoben und fremde Menschen lagen sich nach Toren in den Armen. Es war jener seltene Moment, in dem Sport, Emotion und Gemeinschaft eine besondere Atmosphäre erzeugen.

Mindestens ebenso interessant wie das Spielgeschehen war an diesem Abend jedoch die kulinarische Vielfalt, die den Charakter des Manifesto Market prägt. Anders als klassische Fanmeilen verbindet die Halle internationales Streetfood mit dem Erlebnis des gemeinsamen Fußballschauens. Besonders auffällig präsentierte sich Xolo mit mexikanischer Küche. Auf der Speisekarte stehen verschiedene Taco-Variationen mit Rindfleisch, Hähnchen, mariniertem Schweinefleisch nach Al-Pastor-Art oder vegetarischen Füllungen. Ergänzt wird das Angebot durch Nachos in unterschiedlichen Varianten. Die Küche orientiert sich an bekannten Elementen der mexikanischen Straßenküche und setzt auf kräftige Aromen, frische Kräuter und die Kombination aus Säure, Schärfe und Röstaromen.

Einen völlig anderen kulinarischen Akzent setzt Chen’s Beef Noodle House. Der Stand widmet sich der traditionellen Nudelküche der nordwestchinesischen Stadt Lanzhou. Herzstück sind handgezogene Nudeln, die unmittelbar vor der Zubereitung gefertigt werden. Besonders die Lanzhou-Rindfleischnudeln in klarer Brühe zeigen jene handwerkliche Präzision, für die dieses Gericht weltweit bekannt ist. Ergänzt wird das Angebot durch Dan-Dan-Nudeln aus Chengdu, Xinjiang-Nudelgerichte sowie verschiedene kleine Vorspeisen wie scharf eingelegte Kartoffelstreifen, Gurkensalat oder mit Chiliöl servierte Wan Tan. Die Küche steht exemplarisch für die zunehmende Präsenz regionaler chinesischer Spezialitäten in Europas Metropolen.

Nicht weniger gefragt war der koreanische Stand [mo:im], der klassische Elemente der modernen koreanischen Streetfood-Kultur präsentiert. Korean Fried Chicken mit verschiedenen Saucenvarianten, Bibimbap, Kimchi-Udon oder Tteokbokki gehören inzwischen längst zum internationalen Repertoire urbaner Streetfood-Szenen. Besonders das knusprig frittierte Hähnchen erfreute sich während des Spiels großer Beliebtheit. Die Kombination aus süß-scharfen Glasuren, fermentierten Komponenten wie Kimchi und herzhaften Reisgerichten passt erstaunlich gut zu einem langen Fußballabend.

So zeigte sich an diesem Sonntag, weshalb das Manifesto Market weit mehr ist als eine gewöhnliche Food Hall. Die Verbindung aus internationaler Gastronomie, urbaner Marktatmosphäre und Public Viewing schafft einen Ort, an dem Fußball nicht nur konsumiert, sondern gemeinsam erlebt wird. Der deutliche deutsche Auftaktsieg sorgte für die sportlichen Schlagzeilen. Die eigentliche Entdeckung des Abends war jedoch die kulinarische Weltreise zwischen Mexiko, China und Korea, die sich unter einem Dach am Potsdamer Platz erleben ließ.

Von admin