Zwischen Prominenz, Politik und bewegenden persönlichen Geschichten stand beim 21. Felix Burda Award in Berlin vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wie kann Prävention im deutschen Gesundheitssystem den Stellenwert erhalten, den ihre gesellschaftliche Bedeutung rechtfertigt? Im AXICA am Brandenburger Tor zeichnete die Felix Burda Stiftung am Sonntag Projekte und Persönlichkeiten aus, die sich um die Darmkrebsprävention verdient gemacht haben. Die Veranstaltung hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einer der wichtigsten Plattformen für Präventionsmedizin in Deutschland entwickelt. Seit der Gründung der Stiftung im Jahr 2001 wurden nach Angaben der Organisatoren rund 170 Preisträgerinnen und Preisträger geehrt. Der Preis gilt heute als die sichtbarste Auszeichnung für Engagement im Bereich der Darmkrebsvorsorge.
Eröffnet wurde die Gala von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Durch den Abend führte die Journalistin und Fernsehmoderatorin Susan Link. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Vertreter aus Medizin, Wissenschaft, Politik, Kultur und Medien. Die Laudationes hielten unter anderem Barbara Wussow, Hans Sigl und Marion Kiechle. Auch die Bundestagsabgeordneten Simone Borchardt, Serdar Yüksel und Johannes Wagner beteiligten sich an einer Diskussion über die Zukunft der Prävention.
Die Debatte spiegelte eine Entwicklung wider, die Gesundheitsexperten seit Jahren beobachten. Während die medizinischen Möglichkeiten der Früherkennung stetig wachsen, bleibt die Inanspruchnahme von Vorsorgeangeboten vielerorts hinter den Erwartungen zurück. Darmkrebs zählt weiterhin zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Gleichzeitig gilt die Erkrankung als eine Krebsart, bei der durch konsequente Vorsorge und Früherkennung zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle verhindert werden können. Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit der Felix Burda Stiftung an.
Die diesjährigen Preisträger verdeutlichen, wie unterschiedlich erfolgreiche Präventionsarbeit aussehen kann. In der Kategorie „Engagement“ wurde die Wiener Initiative „Darm checken – Leben retten“ ausgezeichnet. Die Kampagne setzt auf prominente Unterstützer, verständliche Kommunikation und eine hohe öffentliche Sichtbarkeit, um Menschen für Vorsorgeuntersuchungen zu gewinnen. In der Kategorie „Medizin & Wissenschaft“ ehrte die Jury ein interdisziplinäres Team um den Bonner Gastroenterologen Robert Hüneburg. Die Forscher arbeiten an verbesserten Verfahren zur Identifikation des Lynch-Syndroms, einer erblichen Veranlagung für Darmkrebs. Eine frühzeitige Erkennung kann Betroffenen und ihren Familien entscheidende Vorteile bei Prävention und Behandlung verschaffen.
Für den emotionalsten Moment des Abends sorgte die Verleihung des Ehrenfelix an die Münchner Designerin Ronja Fleckenstein. Die heute 27-Jährige erhielt im Alter von 26 Jahren die Diagnose Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Seitdem nutzt sie ihre persönliche Geschichte, um insbesondere junge Menschen über Risiken, Früherkennung und Vorsorge aufzuklären. Den Preis nahm sie jedoch nicht nur als Auszeichnung entgegen, sondern auch als politische Bühne. In ihrer Rede richtete sie einen eindringlichen Appell an Gesundheitsministerin Warken und unterstützte die Forderung nach einem „Recht auf Vergessenwerden“ für Krebsüberlebende. Fleckenstein verwies darauf, dass Millionen Menschen in Deutschland mit oder nach einer Krebserkrankung leben und viele von ihnen trotz medizinischer Heilung weiterhin Benachteiligungen erfahren, etwa bei Versicherungen, Krediten oder Adoptionsverfahren. Ihre Forderung, geheilt müsse auch rechtlich geheilt bedeuten, wurde im Saal mit langanhaltendem Applaus aufgenommen.
Eine weitere Auszeichnung erhielt der CSU-Politiker Klaus Holetschek. Mit dem Milestone Award würdigte die Stiftung seinen langjährigen Einsatz für Prävention in der Gesundheitspolitik. Besonders hervorgehoben wurde seine Initiative als bayerischer Gesundheitsminister, das Ressort um den Begriff Prävention zu erweitern und damit deren politische Bedeutung sichtbar zu machen.
Der Abend machte deutlich, dass Prävention weit mehr ist als ein medizinisches Fachthema. Sie berührt Fragen der Gesundheitskompetenz, der sozialen Gerechtigkeit, der politischen Prioritätensetzung und der öffentlichen Kommunikation. Forschung allein reicht nicht aus, wenn ihre Erkenntnisse die Menschen nicht erreichen. Gleichzeitig können Kampagnen nur dann nachhaltig wirken, wenn sie auf wissenschaftlicher Evidenz beruhen. Der Felix Burda Award zeigt deshalb Jahr für Jahr, wie eng Medizin, Politik und gesellschaftliches Engagement miteinander verbunden sind. In Zeiten steigender Gesundheitsausgaben und einer alternden Bevölkerung gewinnt diese Erkenntnis zusätzlich an Bedeutung. Die Botschaft des Abends war entsprechend eindeutig: Prävention ist kein optionaler Bestandteil moderner Gesundheitspolitik, sondern eine ihrer zentralen Voraussetzungen.