SachsenAnhalt Abend 2026 in der James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel.

Sachsen-Anhalt in Berlin: Zwischen Aufbruch und Erinnerung.

Beim traditionellen Sachsen-Anhalt-Abend in der James-Simon-Galerie trifft sich die Republik – und ein junges Bundesland präsentiert sich mit neuem Gesicht.

Am Mittwochabend, dem 15. April 2026, versammelte sich in der James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel, was Rang und Namen hat in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des mitteldeutschen Bundeslandes: Bundeskanzler Friedrich Merz nahm auf Einladung des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, am traditionellen Sachsen-Anhalt-Abend unter dem Motto #moderndenken in Berlin teil.

Es war ein Abend, der mehr war als eine Repräsentationsveranstaltung – er stand symbolisch für den Beginn einer neuen politischen Ära in Magdeburg.

Die James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel, Dreh- und Angelpunkt des zum Weltkulturerbe zählenden Berliner Museumsensembles, bot einen würdigen Rahmen. Mit der Benennung des Gebäudes nach James Simon ehren die Staatlichen Museen zu Berlin ihren bedeutendsten Mäzen der Geschichte ein Ort also, der Geschichte mit Gegenwart verbindet. Genau das sollte auch der Abend leisten.

Den emotionalen Mittelpunkt bildete die Verabschiedung von Dr. Reiner Haseloff. Mit seinem Rücktritt zum 27. Januar 2026 endete nicht nur eine Amtszeit, sondern auch fast zwei Jahrzehnte Bundeszugehörigkeit: Haseloff hatte dem Bundesrat zunächst als Wirtschaftsminister, dann seit 2011 als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt angehört. Merz würdigte ihn in seinem Grußwort, wünschte seinem Nachfolger Schulze einen erfolgreichen Start eine Formel, die in ihrer Knappheit die Schwere des Übergangs kaum verbergen konnte.

Sven Schulze, der jüngste amtierende Ministerpräsident Deutschlands, steht vor einer doppelten Aufgabe: Er muss das Erbe eines langjährigen Landesvaters verwalten und gleichzeitig ein eigenes Profil entwickeln. Mit 58 Ja-Stimmen – zwei mehr als seine Koalition im Landtag hat – wurde er am 28. Januar 2026 zum Ministerpräsidenten gewählt Schulze bezeichnet sich selbst als „Landeskind, wie es eigentlich mehr nicht geht“, verbindet Berufserfahrung als Ingenieur mit Jahren in der Europapolitik.

In Berlin präsentierte er nun erstmals auf einer solchen Bühne sein Verständnis von Sachsen-Anhalt: innovativ, zukunftsorientiert, selbstbewusst.

Zum Programm gehörte auch ein sportlicher Akzent: Thorsten Margis, der hallesche Bobanschieber, gab Einblicke in das Sportland Sachsen-Anhalt. Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo hatte Margis mit seinem fünften Olympiasieg eine außergewöhnliche Karriere vergoldet ein Rekord, der den Abend mit einem Hauch nationaler Sportgeschichte verband. Wenige Wochen nach Olympia hatte Margis seine Karriere beendet und ein neues Leben begonnen, mit einem Vollzeitjob bei einem Hallenser Unternehmen der Ultraschallmesstechnik.  Sein Auftritt in der James-Simon-Galerie war damit einer der letzten als öffentliche Sportfigur.

Die Kampagne #moderndenken, unter deren Zeichen der Abend stand, ist das Marketingprogramm des Landes und zugleich politisches Leitmotiv. Sachsen-Anhalt versteht sich dabei als Vorreiter bei erneuerbaren Energien und als Modellregion für grünen Wasserstoff.  Ob diese Selbstverortung im politischen Berlin Gehör findet, ist eine andere Frage. Die Präsenz des Bundeskanzlers spricht jedoch dafür, dass das Bundesland zumindest auf Aufmerksamkeit hoffen darf.

Dass der Abend auch kulturell aufgeladen war – mit Celloklängen, einer Führung zur Nofretete-Büste und der Ausstellung zu Göbekli Tepe –, unterstreicht eine Ambition, die über bloße Wirtschaftslobby hinausgeht. Sachsen-Anhalt will nicht nur als Industriestandort wahrgenommen werden, sondern als ein Ort, der Geschichte schreibt und Zukunft denkt. Ob der neue Ministerpräsident das einzulösen vermag, wird sich nicht bei Abendveranstaltungen entscheiden, sondern in den kommenden Jahren im politischen Alltag Magdeburgs.

Von admin