Die_Kulturen_der Welt_auf_neuartige Weise zu präsentieren ist das Ziel, das sich das Berliner Humboldt-Forum für seine Eröffnung gesteckt hat. Wie seine Namensgeber, Wilhelm und Alexander von Humboldt, soll der Ort für ein respektvolles und gleichberechtigtes Miteinander stehen. In ihrem Film „Die Indianer kommen“ zeigt Carola Wedel wie sich das Forum den Traditionen der Indigenen Völker annähern und sie präsentieren möchte.

 
Zwei Masken und ein vom aussterben bedrohter Volksstamm in Kolumbien zeigen, wie schwierig es ist sich an die Kultur der indigenen Völker anzunähern. Zur Eröffnung des Berliner Humboldt-Forums, die für 2019 geplant ist, sollen die Ausstellungsstücke des Ethnologischen Museums in Berlin-Dahlem in die Stadt-Mitte überführt werden. Für dieses Vorhaben suchen Ethnologen und Museumsmitarbeiter nach neuen Wegen, um die Lebensweise der indigenen Völker anschaulich zu präsentieren und ihr insgesamt mehr Raum und Gehör zu verschaffen als bisher.

Im Jahr 2013 reiste eine kleine Delegation der Kogi-Indianer nach Berlin ins Ethnologische Museum, um zwei Masken zu begutachten, die vor über 100 Jahren an den deutschen Ethnologen Konrad Theodor Preuss übergegangen waren und heute im Besitz des Museums sind. Die beiden Masken sind über 600 Jahre alt und gehörten damals zu dem Besitz der Kogi. Die für uns seltsam anmutenden Objekte verkörpern für die Kogi mächtige Autoritäten und spielen noch immer eine wichtige Rolle in den traditionellen Zeremonien des Kolumbianischen Volksstammes. Deshalb möchten die Kogi ihre Masken am liebsten wieder mit nach Hause nehmen, aber so einfach ist das natürlich nicht.

Der Dokumentarfilm „Die Indianer kommen“ zeigt den herausfordernden Annäherungsprozess von Seiten des naturnahen Volksstammes und der Berliner Ethnologen und Museumsleute. In dem Film bekommt die Regisseurin Carola Wedel die seltene Gelegenheit, den einzigen noch existierenden Indianerstamm zu filmen, der seine Kultur und Lebensweise trotz der Bedrohung durch Besiedlung und Drogenkartelle vollständig über die Jahrhunderte erhalten hat. Die Bilder zeigen, was das Leben eines indigenen Volksstammes ausmacht und vor welchen Herausforderungen die Ausstellungsmacher in Berlin stehen. Wie lassen sich die fremden Vorstellungswerte vermitteln? Wie geht man mit den Ritualobjekten um, die eigentlich nicht für fremde Blicke bestimmt sind und wie reagiert man auf die Rückforderung der Objekte?

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz findet, dass mit diesen Anforderungen neue Formate des Dialogs gefunden werden müssen. „Die Masken werden zum Medium der Zusammenarbeit, um die indigenen Kulturen nach Berlin zu bringen“, erklärt Parzinger. Die Idee dahinter ist, die Kogi dazu zu ermuntern ihre Rituale nach Berlin zu verlagern und dem Museumsbesucher so auf praktischem Weg ihre Kultur zu vermitteln. Die Kosten sollen bei dieser Idee keine Rolle spielen, schließlich sei es von Anfang an klar gewesen, dass der Anspruch des Humboldt-Forums nicht aus der Portokassen zu erfüllen sein werde, so Parzinger. Problematisch kann es also nur bei der Überzeugungsarbeit werden, denn warum sollten sich die Kogi dafür begeistern können, ihre Zeremonien erstens in einem fremden Land und zweitens unter der Beobachtung der Öffentlichkeit durchzuführen, wenn allein schon die Masken ursprünglich nicht für das fremde Auge bestimmt waren und der Volksstamm Fremden gegenüber sehr scheu ist?

 
Dass sich die beiden gegensätzlichen Parteien schlussendlich aber doch noch annähern können, zeigt Carola Wedels Film sehr deutlich. Zu sehen ist die Dokumentation heute am 7. Dezember um 22.25 Uhr auf 3Sat und am 13. Dezember nochmal um 0.20 Uhr auf ZDF. 
 
(Claudia Denecke)

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