30 Jahre Ludwig-Erhard-Preis: Auszeichnung für Unternehmen mit langfristigem Anspruch
Berlin. Im Berliner Meistersaal wurde am Freitagabend zum 30. Mal der Ludwig-Erhard-Preis verliehen. Die Auszeichnung, die seit 1997 von der Initiative Ludwig-Erhard-Preis vergeben wird, zählt zu den renommiertesten deutschen Preisen für ganzheitliche Unternehmensführung und organisatorische Excellence. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne Produkte oder wirtschaftliche Kennzahlen, sondern die Fähigkeit von Unternehmen und Institutionen, Qualität, Führung, Innovationskraft und nachhaltige Entwicklung dauerhaft miteinander zu verbinden.
Zwölf Organisationen wurden in diesem Jahr ausgezeichnet. Gold erhielten das BMW Group Werk Leipzig in der Kategorie der großen Organisationen, die Lock GmbH im Mittelstand sowie die Hornhautbank Aachen der Uniklinik RWTH Aachen in der Kategorie der kleinen Organisationen. Weitere Preise gingen unter anderem an AGCO Fendt in Asbach-Bäumenheim, die BASS GmbH, die Energietechnik Essen GmbH, die Schabmüller Automobiltechnik GmbH, das Schaeffler-Werk Gunzenhausen sowie an die Gemeinhardt Service GmbH, die Möller Manlift GmbH & Co. KG, die Robert E. Huber GmbH und WSS AKTIV BERATEN.
Das Jubiläum bot zugleich Anlass für eine Standortbestimmung. In seiner Eröffnungsrede erinnerte Thomas Kraus, Vorsitzender der Initiative Ludwig-Erhard-Preis, daran, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit der ersten Preisverleihung grundlegend verändert hätten. Globalisierung, Euro-Einführung, Finanzkrise, Digitalisierung, Pandemie sowie geopolitische Konflikte hätten Unternehmen immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Der Ludwig-Erhard-Preis habe diese Entwicklungen begleitet und den Begriff unternehmerischer Excellence kontinuierlich weiterentwickelt. Heute umfasse er neben wirtschaftlichem Erfolg auch Resilienz, nachhaltige Führung, gesellschaftliche Verantwortung und die Fähigkeit, Wandel aktiv zu gestalten.
Besonders deutlich wurde während der Veranstaltung der Bezug zur Sozialen Marktwirtschaft, deren Prinzipien auf den ersten Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard zurückgehen. Dr. Joachim Seeler, stellvertretender Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, widersprach in seiner Ansprache der verbreiteten Erklärung, Deutschlands wirtschaftliche Wachstumsschwäche lasse sich ausschließlich mit internationalen Krisen begründen. Zwar seien geopolitische Spannungen, Handelskonflikte oder Störungen globaler Lieferketten reale Belastungen. Sie erklärten jedoch nicht allein die strukturellen Probleme des Standorts Deutschland.
Seeler verwies darauf, dass der wirtschaftliche Aufstieg der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg auf mehreren grundlegenden Wettbewerbsvorteilen beruhte. Neben einer leistungsfähigen Infrastruktur nannte er ein leistungsfähiges Bildungs- und Forschungssystem sowie einen vergleichsweise effizienten, wenig bürokratischen Staat. Gerade diese Stärken hätten in den vergangenen Jahren erheblich an Substanz verloren. Investitionen in Verkehrswege, Schulen, Hochschulen und öffentliche Verwaltung seien deshalb keine Nebenschauplätze, sondern Voraussetzungen für neues wirtschaftliches Wachstum.
Die ausgezeichneten Unternehmen zeigten nach Auffassung der Jury, dass Wettbewerbsfähigkeit vor allem aus konsequenter Führung und einer langfristigen Organisationsentwicklung entstehe. Entscheidend seien nicht einzelne Strategiepapiere oder Leitbilder, sondern deren konsequente Umsetzung und die Bereitschaft, Ergebnisse kontinuierlich zu messen und Verbesserungen daraus abzuleiten. Excellence sei kein einmal erreichter Zustand, sondern ein dauerhafter Entwicklungsprozess.
Auch Roland Koch, Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, stellte den historischen Bogen in den Mittelpunkt. Drei Jahrzehnte Ludwig-Erhard-Preis stünden für drei Jahrzehnte gelebter Sozialer Marktwirtschaft. Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und gesellschaftliche Verantwortung seien keine Gegensätze, sondern ergänzten einander. Ähnlich argumentierte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, die den Preisträgern bescheinigte, den Anspruch von „Excellence made in Germany“ mit konkreten Leistungen zu erfüllen.
Die Initiative Ludwig-Erhard-Preis verfolgt das Ziel, den Excellence-Gedanken in Deutschland zu stärken. Grundlage des Wettbewerbs ist das international anerkannte EFQM-Modell, das Organisationen anhand ihrer Führungskultur, Strategie, Mitarbeitendenorientierung, Innovationsfähigkeit und erzielten Ergebnisse bewertet. Anders als klassische Wirtschaftspreise würdigt der Ludwig-Erhard-Preis damit nicht kurzfristige Erfolge, sondern die nachhaltige Leistungsfähigkeit ganzer Organisationen.
Nach drei Jahrzehnten zeigt der Wettbewerb zugleich, wie sehr sich die Anforderungen an Unternehmen verändert haben. Digitalisierung, Fachkräftemangel, Klimaschutz, geopolitische Unsicherheiten und zunehmender internationaler Wettbewerb verlangen heute mehr denn je belastbare Strukturen und verantwortungsvolle Führung. Die diesjährigen Preisträger stehen beispielhaft für Organisationen, die diese Herausforderungen nicht allein als Risiko verstehen, sondern als Ausgangspunkt für kontinuierliche Weiterentwicklung. Gerade darin liegt der Anspruch des Ludwig-Erhard-Preises bis heute.