Am 22. Dezember 2025 lädt der Berliner Entertainer Frank Zander zum 31. Mal bedürftige und wohnungslose Menschen zu einer Weihnachtsfeier im Estrel Hotel in Neukölln ein, einer der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland. Erwartet werden rund 2 500 Gäste, die über etwa 80 Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe Zugangsbändchen erhalten haben. Die Tradition begann 1995 mit einem Essen für einige hundert Menschen und wuchs in drei Jahrzehnten zu dem zentralen vorweihnachtlichen Ereignis für Menschen am Rande der Gesellschaft heran.
Das Angebot richtet sich über das Essen hinaus an zentrale Bedürfnisse obdachloser Menschen. In Foyers und auf Ständen werden Sachspenden wie Schlafsäcke, warme Kleidung, Hygieneartikel und Tierfutter verteilt. Eine Gruppe von Friseurinnen und Friseuren bietet kostenlose Haarschnitte an. Ergänzend sind Organisatoren aus dem Gesundheits- und Sozialbereich vertreten, um niedrigschwellige Zugänge zu Beratung und Versorgung zu schaffen.
Wenn sich am frühen Nachmittag die Türen des Estrel Convention Centers öffnen, ist es nicht das Protokoll, das den Ton angibt, sondern eine seltene Durchmischung der Berliner Öffentlichkeit. Neben Menschen, die sonst kaum sichtbar sind, stehen Politikerinnen und Politiker, Showgrößen und Sportidole Schulter an Schulter. Kai Wegner, Berlins Regierender Bürgermeister, reicht Tabletts weiter, Franziska Giffey wechselt ein paar Worte mit Gästen an den Tischen, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke lässt sich Zeit für Gespräche. Gregor Gysi wird erkannt, angesprochen, fotografiert. Dieter Hallervorden, seit Jahrzehnten Teil des kulturellen Gedächtnisses der Republik, hört aufmerksam zu, während Olympiasieger Ronald Rauhe und Bahnrad-Weltmeister Robert Förstemann Autogrammwünsche erfüllen. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus Musik und Unterhaltung prägen das Bild: Nicole, Nino de Angelo, Claudia Jung, Julian F. M. Stöckel, Marco Huck oder Artur Abraham bewegen sich ohne Absperrung durch den Saal. Die Nähe ist kein inszenierter Effekt, sie ist Teil des Konzepts. Für ein paar Stunden verschwimmen die üblichen Hierarchien, wenn Prominenz serviert, zuhört und Platz nimmt zwischen Menschen, deren Alltag von Unsicherheit geprägt ist. Auf der Bühne wechseln sich bekannte Stimmen und Namen ab, doch im Saal entsteht die eigentliche Dynamik. Ein Handschlag hier, ein gemeinsames Lachen dort, kurze Gespräche, die nicht für Kameras gedacht sind. Boulevard im klassischen Sinne wäre der Blick auf Ranglisten der Bekanntheit. An diesem Nachmittag aber liegt der Reiz darin, dass sich öffentliche Figuren nicht präsentieren, sondern verfügbar machen. Die Gästeliste liest sich wie ein Querschnitt durch Politik, Sport, Medien und Unterhaltung, ihre Wirkung entfaltet sie erst im Zusammenspiel mit denen, für die diese Feier gedacht ist. Genau darin liegt die besondere Öffentlichkeit dieses Tages: nicht im Glanz der Namen, sondern in ihrer Bereitschaft, für einige Stunden Teil einer anderen Realität zu sein.
