Direkter nach Süden: Die Dresdner Bahn nimmt den Betrieb auf

„Feierliche Inbetriebnahme der Dresdner Bahn“ mit einer Sonderfahrt von Berlin Südkreuz zum Flughafen BER

Nach Jahren des Wartens öffnet die Dresdner Bahn wieder. Nun, pünktlich zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember, rollen die ersten Züge über die neuen Fernbahngleise zwischen Südkreuz und Blankenfelde. Die Veränderungen klingen unspektakulär: zwei Gleise, Oberleitungen, neue Stellwerkstechnik. Doch die Wirkung ist spürbar. Erstmals seit Jahrzehnten führt wieder eine direkte Linie Richtung Süden, ohne Umwege, ohne Notlösungen.

Die auffälligste Neuerung betrifft den Flughafen. Die Fahrt vom Hauptbahnhof zum BER schrumpft auf etwa 23 Minuten. Bislang brauchten die Züge 39 Minuten. Die Hauptstadt erhält damit jene schnelle Anbindung, die eigentlich schon mit dem Flughafen selbst hätte kommen sollen. Auch Fernzüge nach Dresden und weiter nach Prag gewinnen Zeit, rund zehn Minuten. Im dichten Berliner Bahnknoten ist das viel.

Zur Eröffnung fuhr ein Sonderzug vom Südkreuz zum Flughafen. Die Stimmung an Bord war weniger feierlich als erleichtert. Der Verkehrsminister Patrick Schnieder sprach von einer Geschichte, die „ein gutes Ende“ gefunden habe. Zugleich erinnerte er daran, wie mühsam Planen und Bauen in Deutschland noch immer sei. Wer ihm zuhörte, hörte zwischen den Zeilen eine Mahnung: Ohne schnellere Verfahren wird sich die Verkehrspolitik kaum erneuern lassen.

Der Chef der DB-Infrastruktursparte, Philipp Nagl, sah das Projekt vor allem als Beispiel dafür, wie neue Strecken die Stabilität eines ganzen Netzes verbessern können. Der Südkreuz-Korridor gehört zu den belastetsten Bereichen der Hauptstadt. Zusätzliche Gleise verschaffen Luft und entlasten auch die Anhalter Bahn, deren Modernisierung zeitgleich fertig wurde.

Für die Berliner Landespolitik stand der Flughafenexpress im Mittelpunkt. Die Verkehrssenatorin Ute Bonde sprach von einem „Weckruf aus dem Dornröschenschlaf“. Gemeint war die jahrelange Interimslösung über Ostkreuz und Gesundbrunnen, die im Alltag eher als Geduldsprobe wahrgenommen wurde. Mit ihr fallen nun Umwege weg, und im Osten der Stadt entstehen neue Direktverbindungen. Die Linien RB24 und RB32 fahren künftig zweimal pro Stunde direkt zum BER. Gerade für die Pendlerbezirke Lichtenberg, Hohenschönhausen und Schöneweide ist das ein Gewinn.

Brandenburg blickt weiter über die Region hinaus. Minister Detlef Tabbert betonte die Bedeutung der Strecke für die Gütertrassen nach Südosteuropa. Für viele Orte entlang der Achse Lübbenau, Ruhland, Elsterwerda ist Berlin damit ein Stück näher gerückt. Auch Sachsen bewertet das Projekt als überfällig. Regina Kraushaar, Staatsministerin für Infrastruktur, sah in der Fertigstellung einen Baustein in einer größeren Erzählung: dem Versuch, den Bahnverkehr zwischen Deutschland und Tschechien zu beschleunigen. Die geplante Neubaustrecke Dresden–Prag mit Tunnel durchs Erzgebirge schwebte unausgesprochen über vielen Redebeiträgen.

Herzstück der Wiederinbetriebnahme sind zwei neue Fernbahngleise zwischen Südkreuz und Blankenfelde. Die Strecke, die seit Ende der 1990er Jahre nur eingeschränkt nutzbar war, wurde auf rund 16 Kilometern neu gebaut, elektrifiziert und auf die Geschwindigkeit heutiger Fernzüge ausgelegt. Im Berliner Stadtgebiet dürfen Züge künftig bis zu 160 km/h fahren, ab der Landesgrenze Richtung Brandenburg 200 km/h.

Zwischen all dem Politischen steht eine nüchterne Bilanz: 16 Kilometer neue Fernbahngleise, neun beseitigte Bahnübergänge, neue Stellwerkstechnik, 1,1 Milliarden Euro Kosten. Das alles für eine Strecke, die seit 1875 existiert, aber im modernen Netz über Jahrzehnte hinweg eine Lücke hinterließ. Nun ist diese Lücke geschlossen. Man spürt fast den Wunsch der Beteiligten, dieses Kapitel abzuschließen und nach vorn zu schauen.

Denn so selten ist es nicht, dass große Infrastrukturvorhaben in Deutschland ihre eigene Zeitrechnung entwickeln. Die Dresdner Bahn zeigt, wie viel Geduld nötig ist – und wie groß die Erleichterung ausfällt, wenn ein Projekt am Ende doch wieder Züge fahren lässt.

 

Von admin