Berlin auf dem Weg zu den Olympischen Spielen – unter diesem Leitmotiv diskutierten Politik, Wirtschaft und Sport beim VBKI-Forum „CEOs for Berlin“ über Chancen, Herausforderungen und Perspektiven einer möglichen Bewerbung der Hauptstadt um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2040 beziehungsweise 2044. Das Konzept trägt den Titel „Berlin+“ und sieht eine gemeinsame Austragung mit den Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein vor. Ziel ist es, die Spiele als Motor für nachhaltige Stadtentwicklung, wirtschaftliche Dynamik und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu positionieren.
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner betonte bei der Veranstaltung die historische Chance für Berlin, die Spiele als Stadt der Vielfalt und Offenheit auszurichten. Gleichwohl räumte er ein, dass ein realistischer Termin eher in den 2040er Jahren liege. Sportsenatorin Iris Spranger stellte das Konzept Berlin+ vor, das nach Angaben des Senats auf bereits bestehenden Infrastrukturen aufbaut. Rund 90 Prozent der benötigten Sportstätten seien vorhanden oder könnten temporär errichtet werden. Das geplante Olympische Dorf soll im Umfeld des Messegeländes entstehen und nach den Spielen in Wohnraum umgewandelt werden – ein Ansatz, der den Anspruch auf Nachhaltigkeit und soziale Wirkung unterstreicht.
Kaweh Niroomand, Olympia-Beauftragter des Senats und Präsidiumsmitglied des VBKI, erläuterte den Bewerbungsprozess, der in enger Abstimmung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund erfolgt. Eine endgültige Entscheidung, welche deutsche Stadt offiziell ins Rennen geht, wird für Herbst 2026 erwartet. Neben Berlin haben auch andere Regionen – darunter München, Hamburg und Rhein-Ruhr – ihr Interesse bekundet. Niroomand betonte, dass Berlin nicht allein auf Symbolik, sondern auf Machbarkeit und Akzeptanz setze. Die Stadt verfüge über eine ausgeprägte Kompetenz in der Durchführung internationaler Großveranstaltungen und eine vielfältige Sportinfrastruktur.
Das Konzept Berlin+ versteht sich als Beitrag zu einer modernen Olympiade, die ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung miteinander verbindet. Dazu gehört ein klares Bekenntnis zur Bürgerbeteiligung: Ohne die Zustimmung der Berlinerinnen und Berliner soll es keine Bewerbung geben. Die öffentliche Meinung bleibt jedoch gespalten. Während Teile der Wirtschaft und Sportverbände die Bewerbung als Impuls für Investitionen und internationale Sichtbarkeit begrüßen, äußern Kritiker Zweifel an der Finanzierbarkeit und den langfristigen Kosten für Stadt und Land. Auch innerhalb der Berliner Politik gibt es Stimmen, die vor überzogenen Erwartungen warnen und eine stärkere Priorisierung bestehender Infrastrukturprojekte fordern.
Die wirtschaftlichen Chancen einer möglichen Austragung gelten dennoch als beträchtlich. Großveranstaltungen dieser Art wirken erfahrungsgemäß als Katalysator für Stadtentwicklung, Tourismus und Beschäftigung. Vertreter der Berliner Wirtschaft signalisierten beim Forum Unterstützung und forderten zugleich eine transparente Kosten-Nutzen-Analyse. Gerade die Verbindung von Wirtschaftskraft, Wissenschaft und internationaler Attraktivität wird als zentrale Stärke Berlins gesehen.
Das Berliner Olympiakonzept zielt auf mehr als zwei Wochen Spitzensport. Es will ein gesamtgesellschaftliches Projekt schaffen, das Innovation, Inklusion und Nachhaltigkeit miteinander verknüpft. Damit knüpft Berlin an frühere Initiativen an, die den Sport als Teil einer umfassenden Stadtstrategie verstehen. Ob die Vision Wirklichkeit wird, hängt jedoch von klaren politischen Entscheidungen, einer überzeugenden Kommunikation und einer breiten gesellschaftlichen Unterstützung ab. Noch ist offen, ob Berlin tatsächlich Austragungsort der Spiele wird – doch die Debatte zeigt bereits, dass die Stadt ihren Platz auf der internationalen Bühne selbstbewusst neu definiert.
Foto: Nordy hochstein
