Am 18. Dezember 2025 versammelten sich im Bundesministerium der Finanzen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und der jüdischen Gemeinschaft zu einer Feier des jüdischen Lichterfests Chanukka. In einer Zeit, in der öffentliche Sichtbarkeit jüdischen Lebens in Deutschland nicht als Selbstverständlichkeit gilt, war die Veranstaltung ein sichtbares Bekenntnis zur Vielfalt und zur Bedeutung religiöser Traditionen im gesellschaftlichen Miteinander. Unter den Gästen war Staatssekretär Dr. Rolf Bösinger; Rabbiner Yehuda Teichtal, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, führte durch den zentralen Akt des Abends: das Entzünden der Chanukka-Kerzen am traditionellen Leuchter.
Chanukka, auch bekannt als das Lichterfest, hat seinen Ursprung im historischen Aufstand der Makkabäer im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels. Der Legende zufolge reichte ein Ölkrug, der nur für einen Tag bestimmt war, acht Tage lang, was als Wunder gedeutet wird und symbolisch für Zuversicht und Durchhaltevermögen steht. Entsprechend werden während der acht Festtage jeweils weitere Kerzen auf der Chanukkia entzündet, begleitet von Segenssprüchen und familiären Ritualen. Öffentliches Feiern, etwa am Brandenburger Tor, gehört heute zur urbanen Tradition in Berlin und sendet ein sichtbares Zeichen im Stadtbild.
Die musikalische Begleitung durch einen Klarinettisten verlieh dem Akt eine kontemplative Note. Im Anschluss lud das Ministerium zu einem Imbiss mit traditionellen Speisen und Getränken ein, um Gespräche über jüdische Kultur und ihre Bedeutung für das pluralistische Deutschland zu fördern. Veranstaltungen wie diese stehen in einem gesellschaftlichen Kontext, in dem jüdisches Leben wieder sichtbarer wird, aber gleichzeitig vor Herausforderungen steht. Öffentliche Chanukka-Feiern sind in vielen deutschen Städten etablierte Ereignisse, die oft prominente Unterstützer aus Politik und Zivilgesellschaft anziehen, weil sie als Zeichen für demokratische Vielfalt und gegen Antisemitismus gelten.
Das Fest selbst wird in jüdischen Familien meist im häuslichen Rahmen begangen, mit dem täglichen Anzünden der Lichter bei Einbruch der Dunkelheit, traditionellen Liedern und dem Spiel mit dem Dreidel. Obwohl es nicht zu den höchsten jüdischen Feiertagen zählt, hat Chanukka im öffentlichen Bewusstsein in Deutschland eine besondere Bedeutung erlangt: Es markiert nicht nur ein historisches Ereignis, sondern steht zugleich für die Präsenz und das Selbstverständnis jüdischer Gemeinden im heutigen Land.
Die Feier im Bundesfinanzministerium folgte damit einer wachsenden Praxis staatlicher und gesellschaftlicher Anerkennung jüdischer Traditionen. Vor dem Hintergrund historischer Verantwortung und aktueller Debatten über Antisemitismus signalisierte der Abend mehr als eine festliche Zeremonie: Er war ein Ausdruck der Verpflichtung, religiöse und kulturelle Vielfalt in der Bundesrepublik sichtbar zu halten.
