IFA 2026: Berlins Technologiemesse wächst und macht KI zum Alltag
Die IFA 2026 ist am Dienstagabend in Berlin mit einer deutlich höheren Besucherzahl als im Vorjahr zu Ende gegangen. Nach Angaben der Veranstalter kamen an den fünf Messetagen rund 240.000 Menschen aus 155 Ländern auf das Messegelände. Mehr als 2.000 Aussteller präsentierten dort Produkte und Konzepte aus den Bereichen Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte und sogenannte Future Tech. Damit übertraf die Messe ihre eigenen Erwartungen und zugleich die vorläufigen Prognosen von rund 220.000 Besuchern. Noch während der Messe hatten Medien von etwa 1.900 Ausstellern berichtet.
Auffällig war weniger ein einzelnes Produkt als die zunehmende Verlagerung künstlicher Intelligenz aus den Entwicklungsabteilungen in den Alltag. KI war auf der IFA nicht mehr nur Thema von Computern und Smartphones. Sie steckte in Küchengeräten, Waschmaschinen, Staubsaugern, Gartengeräten und Unterhaltungselektronik. Die Entwicklung folgt dabei einem einfachen Prinzip: Technik soll möglichst wenig Aufmerksamkeit verlangen. Eine Spülmaschine erkennt den Inhalt und wählt ein geeignetes Programm, Waschmaschinen passen Waschmittelmenge und Programm an und vernetzte Systeme versuchen, Energie- und Wasserverbrauch zu optimieren. Die IFA zeigte damit eine Form von Digitalisierung, die weniger spektakulär ist als ein humanoider Roboter, für Verbraucher aber möglicherweise nachhaltiger wirkt.
Besonders sichtbar war der Fortschritt bei der Robotik. Auf dem Messegelände waren autonome Rasenmäher, Haushaltsroboter und humanoide Systeme zu sehen. Einige Geräte können inzwischen ihre Umgebung detaillierter erfassen, Hindernisse unterscheiden und ihre Arbeitsweise anpassen. Bei MOVA wurde etwa eine Technologie gezeigt, die Roboterstaubsaugern über eine mit Sensoren ausgestattete Oberfläche eine Art Tastsinn geben soll. Solche Entwicklungen stehen für einen grundlegenden Wandel: Roboter sollen nicht mehr ausschließlich vorprogrammierte Abläufe ausführen, sondern ihre Umgebung wahrnehmen und auf sie reagieren.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass zwischen technischer Demonstration und marktreifer Anwendung weiterhin ein erheblicher Unterschied besteht. Die IFA ist schließlich keine Zukunftsforschungsmesse, sondern vor allem eine Handels- und Produktmesse. Entscheidend ist deshalb, ob eine technische Neuerung einen konkreten Nutzen bietet, zuverlässig funktioniert und zu einem Preis angeboten werden kann, den Verbraucher akzeptieren. Gerade bei KI stellt sich zudem die Frage, welche Aufgaben tatsächlich intelligenter werden und welche lediglich mit einem neuen Etikett versehen sind.
Für die Industrie bleibt die Messe deshalb vor allem ein Ort des Geschäfts. Der Retail Leaders Summit brachte mehr als 100 hochrangige Entscheider aus Handel und Industrie zusammen. Diskutiert wurden unter anderem künstliche Intelligenz im Einkauf, Omnichannel-Strategien, Logistik und Fulfillment. Die Veranstalter versuchen damit, die IFA stärker als internationale Handelsplattform zu positionieren.
Auch die internationale Bedeutung der Messe zeigt sich in den Zahlen. Besucher aus 155 Ländern und mehr als 2.000 Aussteller machen Berlin für einige Tage zu einem globalen Treffpunkt der Konsumelektronik. Gleichzeitig verändert sich das Publikum. Neben Fachhändlern und Journalisten richtet sich die IFA zunehmend an Creator und ein jüngeres Publikum. Nach Angaben der Veranstalter kamen mehr als 1.500 Influencer, Streamer und Content Creator nach Berlin, 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Die klassische Produktpräsentation wird damit um eine zweite Ebene ergänzt: Technologie wird nicht nur erklärt und verkauft, sondern unmittelbar zum Gegenstand von Bildern, Videos, Podcasts und sozialen Medien.
Auch das Bühnenprogramm ist entsprechend gewachsen. Während der Media Days und der Messetage fanden 47 Pressekonferenzen statt, an denen mehr als 5.200 Journalisten, Blogger und Content Creator teilnahmen. Mehr als 150 Keynotes und Panels mit über 350 Sprechern ergänzten die Ausstellung. Die Themen reichten von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung bis zu Handel, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Folgen neuer Technologien.
Dass die IFA zugleich eine politische Bühne sein will, wurde beim traditionellen Eröffnungsrundgang sichtbar. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger, die parlamentarische Staatssekretärin Silke Launert, Berlins Finanzsenator Stefan Evers und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey informierten sich über die Neuheiten der Aussteller. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Frage, welche Bedeutung die Verbindung von Hardware, Software und künstlicher Intelligenz für den Industriestandort Deutschland besitzt.
Die Messe setzt dabei bewusst auf die Verbindung von Technologie und Unterhaltung. Neue Bereiche wie Outdoor & Gardening, die IFA Playbox und die „Robots on the Runway“ sollten die Messe stärker als Erlebnisort etablieren. Mit den IFA Podcast Days kamen zudem bekannte Podcast-Formate auf die Bühnen. Im Sommergarten sorgten Konzerte für Festivalatmosphäre. Die IFA versucht damit, eine Entwicklung aufzugreifen, die für viele große Fachmessen inzwischen entscheidend ist: Eine reine Ansammlung von Produktständen reicht nicht mehr aus, um ein breites Publikum anzuziehen.
Auch die Zahl der Innovationen lässt sich an den IFA Innovation Awards ablesen. Für die zweite Ausgabe des Wettbewerbs gingen nach Angaben der Veranstalter mehr als 530 Bewerbungen ein. Zu den ausgezeichneten Produkten gehörten unter anderem Entwicklungen von Anker, Insta360 und LG Electronics. Gleichzeitig nutzten zahlreiche internationale Unternehmen die Messe für Produktneuheiten.
Die Bilanz der IFA 2026 ist damit vor allem ein Indikator für eine Branche, in der die Grenzen zwischen Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräten, Software und künstlicher Intelligenz zunehmend verschwimmen. Der Fernseher wird zum vernetzten Medienzentrum, der Staubsauger zum autonomen Roboter, die Waschmaschine zum datenverarbeitenden Haushaltsgerät und der Garten zum Teil des Smart Home. Vieles davon wirkt inzwischen weniger futuristisch als noch vor wenigen Jahren.
Gerade darin liegt die vielleicht wichtigste Beobachtung dieser IFA. Die technische Zukunft kommt nicht unbedingt in Gestalt spektakulärer Maschinen. Sie steckt zunehmend in den Geräten, die bereits heute in Wohnungen und Häusern stehen. Die Berliner Messe hat 2026 gezeigt, wie schnell künstliche Intelligenz und Robotik diesen Alltag erreichen. Ob daraus tatsächlich ein dauerhafter Wandel entsteht, entscheidet sich allerdings nicht auf der Messe, sondern erst danach: in den Haushalten, im Handel und letztlich bei der Frage, ob Menschen bereit sind, ihre Geräte nicht nur zu benutzen, sondern ihnen zunehmend Entscheidungen zu überlassen.
