Der diesjährige Götz‑George‑Preis wurde an die Schauspielerin Judy Winter (geb. 1944) verliehen, womit ihre über sechzigjährige Laufbahn im Film, Fernsehen und Theater gewürdigt wurde. Die Auszeichnung, gestiftet durch die Götz‑George‑Stiftung, ist mit 10.000 Euro dotiert und richtet sich insbesondere an Künstlerinnen und Künstler, deren Lebenswerk nachhaltig zur deutschsprachigen Schauspielkunst beigetragen hat.
In der offiziellen Begründung der Jury heißt es, Judy Winter habe mit „unverwechselbarer Stimme, eindringlicher Präsenz und Ausdruckskraft“ die deutsche Theater- und Filmlandschaft geprägt. Ihr Weg begann Anfang der 1960er Jahre, führte über Fernseh- und Filmrollen bis zu bedeutenden Bühnenarbeiten. Unter anderem wirkte sie mit in der Fernsehreihe „Familie Bundschuh“ und im satirischen Format „Club Las Piranjas“. Zudem ist sie als Synchronsprecherin bekannt – so lieh sie u. a. Schauspielgrößen wie Jane Fonda, Shirley MacLaine und Vanessa Redgrave ihre Stimme.
Ein herausragender Moment in ihrer Karriere war ihre langjährige Darstellung der historischen Leinwandikone Marlene Dietrich im Theaterstück „Marlene“, die in der Laudatio als „Theatergeschichte“ bezeichnet wurde. In ihrer Dankesrede nutzte Winter die Gelegenheit, auf strukturelle Defizite der Branche hinzuweisen – insbesondere bemängelte sie die geringe Sichtbarkeit älterer Schauspielerinnen im Fernsehen. Mit dem Satz „Alte Damen sind ausgestorben“ verdeutlichte sie, dass sie in Zukunft eine stärkere Rollenvielfalt über Alter und Geschlecht hinweg fordert.
Die Vergabe des Preises erfolgt in einem Kontext, in dem die Stiftung explizit die Wertschätzung für langjähriges künstlerisches Engagement und Haltung betont. Laut den Statuten ist der Götz-George-Preis „vornehmlich älteren Schauspielerinnen und Schauspielern“ gewidmet, die sich durch ihr Lebenswerk ausgezeichnet haben. Mit Judy Winter schließt sich an, dass nicht allein mediale Präsenz, sondern auch künstlerische Tiefe, Beständigkeit und Wirkung über Jahrzehnte hinweg prämiert werden.
Für die deutsche Schauspiellandschaft stellt diese Auszeichnung nicht nur eine individuelle Ehrung dar, sondern fungiert zugleich als kulturpolitisches Signal: Es geht um Erinnerung an ein künstlerisches Schaffen, das nicht im kurzfristigen Boulevard-Hype aufgeht, sondern durch Inhalt, Haltung und Substanz geprägt ist. Insofern kann die Preisentscheidung auch als Impuls verstanden werden, ältere Generationen von Schauspielerinnen und Schauspielern sichtbarer zu machen und strukturelle Rahmenbedingungen neu zu durchdenken – sei es im Hinblick auf Drehbücher, Rollenangebote oder Produktionstrukturen.
Mit Blick auf kommende Jahre ist zu beobachten, ob der Preis seine Funktion als Generationendialog und Erinnerungskultur weiter ausgestalten kann – insbesondere vor dem Hintergrund einer zunehmend fragmentierten Medienlandschaft und der Diskussion um Diversität und Alter in der Schauspielbranche.

