Mit einem Festakt im Tipi am Kanzleramt hat die Gebäudereiniger-Innung Berlin ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Handwerk, Politik und Wirtschaft würdigten dabei die Entwicklung eines Gewerks, das lange im Hintergrund arbeitete, heute aber zu den größten und beschäftigungsstärksten Bereichen des Berliner Handwerks zählt. Die Jubiläumsveranstaltung stand unter dem Zeichen von Tradition, Wandel und der Frage, wie sich das Gebäudereiniger-Handwerk in Zeiten von Digitalisierung, Fachkräftemangel und steigenden Qualitätsanforderungen behaupten kann. Die Feier markierte zugleich den Höhepunkt des offiziellen Jubiläumsjahres der Innung, deren Geschichte bis in die 1920er Jahre zurückreicht. Die heutige Gebäudereiniger-Innung Berlin vertritt rund 120 Mitgliedsbetriebe und engagiert sich insbesondere in der Aus- und Weiterbildung sowie der Interessenvertretung des Gewerks.

Obermeister Olaf Bande erinnerte in seiner Begrüßung an die wechselvolle Geschichte der Branche. Die Innung habe wirtschaftliche Krisen, den Wiederaufbau nach dem Krieg, die Teilung Berlins und die Wiedervereinigung erlebt und dabei stets ihre Anpassungsfähigkeit bewiesen. Aus einfachen Reinigungsarbeiten seien hochspezialisierte Dienstleistungen geworden. Heute prägten Digitalisierung, Robotik, Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz zunehmend den Arbeitsalltag. Trotz aller technischen Entwicklungen bleibe jedoch der Mensch der entscheidende Faktor. Bande hob die Verantwortung der Unternehmerinnen und Unternehmer hervor, die Ausbildungsplätze schaffen, Beschäftigung sichern und jungen Menschen berufliche Perspektiven eröffnen. Besonders während der Corona-Pandemie sei sichtbar geworden, wie unverzichtbar professionelle Reinigung für Gesundheitsschutz und öffentliche Infrastruktur ist. Sauberkeit sei keine Selbstverständlichkeit, sondern ein wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Daseinsvorsorge.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner würdigte die Gebäudereiniger als unverzichtbaren Teil der Berliner Wirtschaft. Er betonte, dass das Handwerk oftmals zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhalte, obwohl es Arbeitsplätze schaffe, Ausbildungsleistungen erbringe und wesentlich zur wirtschaftlichen Stabilität der Hauptstadt beitrage. Wegner stellte das Handwerk auf eine Stufe mit den häufig im Fokus stehenden Start-up-Unternehmen. Innovation und Zukunftsfähigkeit seien keineswegs nur in der Digitalwirtschaft zu finden. Gerade die Gebäudereinigung zeige, wie traditionelle Gewerke technologische Entwicklungen erfolgreich integrieren könnten. Als Beispiel nannte er die Deutschen Meisterschaften des Gebäudereiniger-Handwerks, die 2024 im Roten Rathaus stattfanden und eindrucksvoll verdeutlicht hätten, wie hoch die fachlichen Anforderungen inzwischen seien.

Zugleich nutzte der Regierungschef die Gelegenheit, um auf die Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen hinzuweisen. Aus Sicht vieler Betriebe sei weniger Bürokratie eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Wegner verwies auf die jüngst beschlossene Berliner Verwaltungsreform, die schnellere Verfahren und klarere Zuständigkeiten schaffen solle. Eine leistungsfähige Verwaltung sei nicht nur für Bürgerinnen und Bürger wichtig, sondern auch für Unternehmen, die auf Genehmigungen, Planbarkeit und effiziente Behörden angewiesen seien.

Für die Handwerkskammer Berlin gratulierte Hauptgeschäftsführer Jürgen Wittke der Innung zum Jubiläum. Er machte deutlich, welche wirtschaftliche Bedeutung die Gebäudereinigung innerhalb des Berliner Handwerks besitzt. Mit rund 40.000 Beschäftigten stelle das Gewerk etwa ein Fünftel aller Arbeitsplätze im Berliner Handwerk. Damit übertreffe die Branche zahlreiche andere, in der Öffentlichkeit wesentlich präsenter wahrgenommene Gewerke. Wittke forderte die Gebäudereiniger auf, ihre Leistungen selbstbewusster zu vertreten. Die Branche müsse ihre Größe, ihre Beschäftigungswirkung und ihre wirtschaftliche Bedeutung stärker sichtbar machen. Gerade in einer Zeit, in der über Fachkräftesicherung, Integration und berufliche Bildung diskutiert werde, könne die Gebäudereinigung auf erhebliche Erfolge verweisen.

Auch die stellvertretende Bundesinnungsmeisterin Tanja Čujić unterstrich die Bedeutung des Gewerks für Wirtschaft und Gesellschaft. Die Gebäudereinigung sei längst ein moderner Dienstleistungsbereich mit hohen Qualitätsstandards, tariflicher Absicherung und anspruchsvollen Ausbildungswegen. Bundesweit gelten für die Branche verbindliche Mindestlöhne, die tarifvertraglich geregelt und allgemeinverbindlich festgesetzt werden. Seit Anfang 2026 beträgt der Branchenmindestlohn in der Innen- und Unterhaltsreinigung 15 Euro pro Stunde, in der Glas- und Fassadenreinigung 18,40 Euro.

Die Jubiläumsfeier machte deutlich, wie sehr sich das Berufsbild in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Gebäudereinigung umfasst heute weit mehr als klassische Unterhaltsreinigung. Spezialisierte Verfahren, moderne Maschinen, digitale Steuerungssysteme und steigende Anforderungen an Hygiene, Nachhaltigkeit und Werterhalt prägen die Arbeit. Gleichzeitig bleibt die Branche personalintensiv und ist auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen. Ausbildung, Weiterbildung und Nachwuchsgewinnung zählen daher zu den zentralen Zukunftsaufgaben.

Nach einem Jahrhundert Geschichte blickt die Gebäudereiniger-Innung Berlin mit Selbstbewusstsein auf ihre Entwicklung. Die Rednerinnen und Redner des Abends waren sich einig, dass die Herausforderungen der kommenden Jahre groß bleiben werden. Fachkräftemangel, Digitalisierung und wirtschaftlicher Wandel verlangen Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft. Das Jubiläum zeigte jedoch auch, dass die Branche über genau jene Eigenschaften verfügt, die sie bereits durch die vergangenen hundert Jahre getragen haben: Verlässlichkeit, Unternehmergeist und die Bereitschaft, Verantwortung für Gesellschaft und Wirtschaft zu übernehmen.

Von admin