Berlin kann auch Wintermärchen. Während draußen die Spree kalt glitzert, wird es drinnen heiß: Auf dem Holzmarkt-Gelände feierte das Medienboard Berlin-Brandenburg seine große Berlinale-Nacht – und gefühlt halb Filmdeutschland kam. Schauspieler, Regisseurinnen, Produzenten, Brancheninsider. Wer Rang und Namen hat, ließ sich blicken.

Grund zum Anstoßen gab es genug. Gleich fünf vom Medienboard geförderte Filme laufen im Wettbewerb der Internationale Filmfestspiele Berlin. Insgesamt sind 15 Produktionen mit MBB-Stempel im offiziellen Programm vertreten. In der Branche spricht man da schon von einer kleinen Machtdemonstration. Berlin und Brandenburg können Kino.

Mitten im Trubel: Jannis Niewöhner, einst Shootingstar der Berlinale, heute ein routinierter Festivalgast. Er plauderte über frühe Triumphe und spätere Durststrecken. Das Geschäft sei nicht immer glamourös, aber genau deshalb liebe er es. Auch Lars Eidinger schaute vorbei – demonstrativ dankbar. Ohne Förderung, so ließ er durchblicken, gäbe es viele der Filme, in denen er spielt, schlicht nicht.

Große Aufmerksamkeit zog Ulrike Ottinger auf sich. Ihre „Blutgräfin“ mit Isabelle Huppert sorgt schon vor der Premiere für Gesprächsstoff. Kunstanspruch trifft Starpower – eine Mischung, die auf der Berlinale traditionell funktioniert.

Für einen der emotionalsten Momente des Abends sorgte Simon Verhoeven. Acht Jahre habe er einst um die Finanzierung eines Films gekämpft, erzählte er. Jetzt läuft sein aktuelles Werk erfolgreich im Kino. Der Druck sei abgefallen, die Freude echt. Man sah es ihm an.

Doch es wurde nicht nur gelacht. Schauspieler Edin Hasanović reagierte spürbar verärgert auf Aussagen von Jurypräsident Wim Wenders, der politische Zurückhaltung angemahnt hatte. Gerade jetzt müsse Kunst Haltung zeigen, fand Hasanović. Ein Satz, der zwischen Glühwein und Espresso-Martini hängen blieb.

Später füllten sich die Teller mit Kaiserschmarrn und Käsespätzle, die Gläser mit Drinks. Die Gespräche wurden lauter, die Umarmungen herzlicher. MBB-Geschäftsführerin Sarah Duve-Schmid sprach von der Berlinale als „fünfter Jahreszeit“ Berlins. An diesem Abend klang das nicht wie eine Floskel.

Flankiert wird die Veranstaltung von Partnern aus Wirtschaft und Technologie. Zu den Unterstützern zählten in diesem Jahr die Spielbank Berlin sowie der Audiotechnikhersteller beyerdynamic. Dass ein traditionsreiches Unternehmen und Berlin vördere ebenso wie ein international tätiger Kopfhörer- und Mikrofonproduzent auftritt, verweist auf die wirtschaftliche Breite des Ökosystems, das Filmproduktion heute umgibt. Film ist längst nicht mehr nur Kulturereignis, sondern Wertschöpfungskette, die von Finanzierung über Technik bis Distribution reicht.

Denn hier ging es nicht nur ums Feiern. Es ging um Erfolg und Zweifel, um Marktchancen und Moral, um Dankbarkeit und Debatte. Die Medienboard-Party am Holzmarkt zeigte, was die Berlinale ausmacht: ein bisschen Glamour, viel Gespräch – und immer auch ein Hauch große Weltpolitik mitten in Berlin.

Von admin