SLYRS zeigte Masterclass und Tasting-Abend in Berlin

Am 11. Dezember präsentierte SLYRS im Provocateur Hotel Berlin einen Abend, der Fachwissen und sensorische Erfahrung verband. Brand Ambassador Kilian Jonscher führte in einer zweistündigen Masterclass durch Produktionsmethoden, Fassstrategien und Stilistik der Brennerei. Dabei erläuterte er, wie sich die charakteristischen Aromen entwickeln und welchen Einfluss die regionalen Rohstoffe hatten.

Im Anschluss stellte Barmanager Dominik Muslic eine Reihe von Drinks vor, die auf verschiedenen SLYRS-Abfüllungen basierten. Die dazu gereichten Speisen ermöglichten es, die Wechselwirkungen zwischen Whisky, Cocktailkomponenten und Küche unmittelbar nachzuvollziehen.

Der Veranstaltung begann  folgte der offene Teil mit Drinks und Food Pairing, der ohne feste Endzeit auslief. Der Abend bot Kennerinnen und Kennern ebenso wie Einsteigern einen konzentrierten Einblick in die Stilentwicklung der bayerischen Brennerei und in die Einsatzmöglichkeiten ihrer Whiskys an der Bar.

Sven Deutschmann war die Gute Seele des Abends und organisierte von klein bis Groß.

 

SLYRS: Wie eine bayerische Brennerei den deutschen Whisky neu definiert

Die SLYRS Distillery im oberbayerischen Schliersee gilt seit Jahren als Referenz für deutschen Single Malt. Gegründet 1999, hat sich das Unternehmen in einem Segment etabliert, das damals kaum mehr als eine Nische war. Heute gehört SLYRS zu den prägenden Stimmen einer noch jungen Whiskyproduktion in Deutschland. Der Ansatz kombiniert regionale Rohstoffe, handwerkliche Verfahren und eine ausgeprägte Experimentierfreude.

Regionale Verankerung und technisches Handwerk

Im Zentrum steht eine Produktion, die traditionelle Herstellungsprozesse mit moderner Qualitätskontrolle verbindet. Die Grundlage bildet Braugerste aus dem Münchner Umland. Sie wird zu Malz verarbeitet und nach Ankunft in der Brennerei systematisch geprüft. Freigabe erhält nur jene Charge, die exakt den chemischen und sensorischen Parametern entspricht. Erst dann wird geschrotet und eingemaischt.

Beim Maischen arbeitet die Destillerie mit einem zweistufigen Temperaturprofil von 62 und 72 Grad Celsius. In diesen Bereichen entfalten sich die Enzyme des Malzes und setzen die Stärke in Malzzucker um. Dieser Schritt entscheidet über die spätere Aromatik. Nach dem Abläutern wird die Würze gekühlt und für die Fermentation vorbereitet.

Die Gärung als Ursprung des Destillatcharakters

Die Fermentation, oft unterschätzt, bildet das sensorische Fundament. SLYRS verwendet eine eigene Whiskyhefe, deren Stoffwechselprodukte den späteren Charakter prägen. Die vergorene Würze erreicht einen Alkoholgehalt von rund acht Prozent. In dieser Phase entstehen neben Alkohol zahlreiche flüchtige Verbindungen, die sich später im Destillat wiederfinden und für den SLYRS-typischen Fruchtton verantwortlich sind.

Brennprozess und Fassausbau

Der zweifache Brennvorgang konzentriert diese Aromen. Anschließend wird der Rohbrand in Fässer aus amerikanischer Weißeiche gefüllt. Die Wahl neuer Fässer – im internationalen Kontext nicht selbstverständlich – führt zu einer intensiven Interaktion zwischen Destillat und Holz. Der SLYRS „Classic“ ist das bekannteste Ergebnis dieses Ansatzes: ein milder, malzbetonter Single Malt mit ausgeprägten Fruchtnoten.

Teamarbeit und Experimentierfreude

Die Entwicklung neuer Abfüllungen verantwortet ein Team um Destillateurmeister Hans Kemenater. Seine Arbeitsweise ist geprägt von technischer Präzision und der Bereitschaft, mit Rohstoffen und Fassarten zu experimentieren. In den vergangenen Jahren entstanden so limitierte Abfüllungen und Sonderreihen, die dem Haus internationale Aufmerksamkeit verschafft haben. Bei Wettbewerben wie den World Whiskies Awards oder der San Francisco Spirit Competition ist SLYRS inzwischen regelmäßig vertreten.

Eine Distillery zwischen Tradition und Eigensinn

SLYRS steht für einen Ansatz, der sich bewusst von schottischen Vorbildern löst, ohne das handwerkliche Fundament infrage zu stellen. Die Kombination aus regionalen Zutaten, kontrollierten Prozessen und der Entscheidung für neue Weißeichenfässer schafft einen Whisky, der nicht versucht, etwas zu imitieren, sondern eine eigenständige Sprache spricht. Dadurch ist die Brennerei zu einem der wichtigsten Beispiele dafür geworden, wie deutscher Whisky eine klare Identität entwickeln kann.

 

Wie SLYRS seinen Whisky formt: Ein Blick in die Produktion und die Reifekultur einer bayerischen Brennerei

Die Brennerei SLYRS hat in den vergangenen Jahren ein Profil entwickelt, das auf handwerklicher Genauigkeit und einem ausgeprägten Verständnis für Rohstoffe basiert. Der Produktionsprozess folgt dabei einer klaren Logik, die vom Maischvorgang über die Gärung bis zur Destillation reicht und schließlich im Fasslager ihren Abschluss findet. Die Destillerie setzt konsequent auf Abläufe, die den Charakter des Malzes und die Eigenheiten der Fässer betonen.

Destillation in kleinen Chargen

Nach der Fermentation wird die vergorene Würze zweifach destilliert. Der erste Durchlauf liefert einen Rau- oder Rohbrand mit etwa 30 Prozent Alkohol. Im zweiten Durchgang entsteht der Feinbrand, der auf rund 70 Prozent steigt. Das Verfahren orientiert sich am klassischen Prinzip der Pot-Still-Destillation. Entscheidend ist dabei die Arbeit an den Schnittpunkten: SLYRS trennt Vor- und Nachläufe großzügig ab, um ein möglichst klares, aromatisch definiertes Herzstück zu erhalten. Die Kupferkessel spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie binden unerwünschte Schwefelverbindungen und fördern jene Ester und Alkohole, die den späteren Stil prägen. Das Ergebnis ist ein weiches, malzbetontes Destillat, das als sensorische Basis für alle weiteren Schritte dient.

Reifung zwischen Tal und Berg

Bevor das Destillat ins Fass wandert, wird es mit Quellwasser aus den Alpen auf eine Fassstärke von 55 Prozent verdünnt. SLYRS verwendet überwiegend Barriques aus amerikanischer Weißeiche, stark ausgebrannt und mit einem Volumen von 225 Litern. Die kräftige Toastung sorgt für Vanille- und Karamellnoten, aber auch für eine würzige Holzbasis. Die Reifezeit variiert zwischen drei und sechs Jahren, abhängig von Fasscharakter und geplanter Abfüllung.

Einige Partien wechseln im Verlauf ihrer Reife in Fässer, die zuvor Sherry oder andere Süßweine enthielten. Die Zusammenarbeit mit Bodegas Tradición in Jerez hat beispielsweise Abfüllungen hervorgebracht, die deutlich vom Einfluss andalusischer Oloroso- oder Pedro-Ximénez-Fässer geprägt sind. Die Brennerei nutzt solche Finishes gezielt, um individuelle Aromaprofile zu akzentuieren.

Eine Besonderheit bildet die Mountain Edition. Ihre Fässer lagern auf 1501 Metern Höhe am Gipfel des Stumpfling. Die dortigen Temperaturschwankungen beschleunigen den Austausch zwischen Destillat und Holz und verändern den Stil deutlich. Das Höhenlager schafft damit ein eigenständiges Reifemilieu, das in dieser Form in Deutschland selten ist.

Die Abfüllungen im Überblick

SLYRS hat im Laufe der Zeit ein Portfolio entwickelt, das unterschiedliche Reifegrade, Fassarten und Alkoholstärken abbildet.

Classic Single Malt, 43 Prozent

Der Classic ist das Fundament des Hauses. Der Whisky zeigt ein klares Gold, duftet nach Aprikose, Orangenschale, Ingwer und Karamell und besitzt eine weiche, leicht süßliche Struktur. Am Gaumen finden sich Marzipan, Nussnoten und ein langer, würziger Nachklang. Der Classic repräsentiert das Grundprofil der Brennerei und ist zugleich ihr international meistprämierter Whisky.

Organic Single Malt, 43 Prozent

Für die Biovariante verwendet SLYRS zertifiziertes Bio-Gerstenmalz und setzt auch beim Fassmanagement auf streng kontrollierte Prozesse. Der Whisky zeigt ein helles Gold und ein Aroma aus Honig, Getreide, floralen Anklängen und Vanille. Im Geschmack wirkt er ausgewogen und leicht cremig, geprägt von Malz, Piment und milden Fruchtnoten. Der Ansatz verbindet handwerkliche Produktion mit einem klaren Nachhaltigkeitsanspruch.

Fifty One, 51 Prozent

Der Fifty One ist eine Cuvée aus mehrfach belegten Fässern, darunter Portwein-, Sherry- und Sauternesfässer. Er besitzt ein dunkleres Gold und eine Aromatik, die an Backpflaume, geröstete Maroni, Waldnoten und Schokolade erinnert. Geschmacklich wirkt er kräftig und kräuterbetont. Der hohe Alkoholgehalt trägt die Aromen deutlich. Dieser Whisky zeigt eine experimentellere Seite der Brennerei.

SLYRS Aged 12 Years, 43 Prozent

Die Zwölfjährige Abfüllung markiert eine gereifte, voll entwickelte Variante des SLYRS-Stils. Der Duft verbindet Vanille, Karamell und Honig mit Birnen, Aprikosen und leichten Würznoten. Am Gaumen treten Orangen und gesalzenes Karamell hervor, getragen von einer weichen Struktur und einem langen, vielschichtigen Nachhall. Der Whisky ist ein Beispiel für die zunehmende Geduld, mit der deutsche Brennereien inzwischen arbeiten.

Ein Hersteller, der seine Identität schärft

SLYRS hat innerhalb der deutschen Whiskylandschaft eine Position eingenommen, die zeigt, wie konsequente Produktion und regionale Ausrichtung zusammenwirken können. Die Brennerei nutzt traditionelle Verfahren, ohne sich von ihnen einengen zu lassen. Das gilt für die experimentellen Finishes ebenso wie für das Höhenlager oder den bewussten Einsatz neuer Weißeichenfässer. Die Distillery verfolgt damit eine Linie, die weder schottische Vorbilder imitiert noch modischen Trends folgt, sondern eine spezifische bayerische Interpretation des Single Malts entwickelt.

 

Von admin