Vor dem sommerlichen Panorama des Tipi am Kanzleramt wurde das traditionelle Sommerfest des Hotel und Gastronomieverbandes Berlin (DEHOGA Berlin), der Berlin Tourismus- und Kongress GmbH sowie des visitBerlin Partnerhotels e.V. in diesem Jahr zu mehr als einem Netzwerkabend. Im Mittelpunkt stand ein ausführliches Bühneninterview mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, das deutlich machte, welche Erwartungen Politik und Tourismuswirtschaft an die Zukunft der Hauptstadt richten. Das Sommerfest gehört inzwischen zu den wichtigsten Treffen der Berliner Tourismusbranche und bringt Vertreter aus Politik, Hotellerie, Gastronomie und Wirtschaft an einen Tisch.
Bereits in seiner Begrüßung betonten der neue Präsident Jörn Peter Brinkmann, dass der kontinuierliche Dialog zwischen Politik und Branche konkrete Ergebnisse hervorgebracht habe. Genannt wurden insbesondere das neue Berliner Gaststättengesetz, Verbesserungen für die Außengastronomie sowie die Rückkehr des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie. Zugleich wurde deutlich gemacht, dass die Branche ihre Rolle nicht allein als Interessenvertreter versteht. Vielmehr wolle sie Berlin aktiv als internationale Tourismusdestination stärken und gemeinsam mit der Politik an den Voraussetzungen für weiteres Wachstum arbeiten.
Im Gespräch mit den Herrn Brinkmann zeichnete Kai Wegner das Bild einer Stadt, die selbstbewusster auftreten müsse. Berlin verfüge über außergewöhnliche Stärken, sagte er. Dazu gehörten die internationale Kulturszene, die weltweit bekannte Clublandschaft, Museen, Theater, eine vielfältige Gastronomie und eine leistungsfähige Hotellerie. Diese Qualitäten würden international häufig stärker wahrgenommen als innerhalb der Stadt selbst. Gerade deshalb müsse Berlin seine Stärken offensiver vertreten und optimistischer in die Zukunft blicken.
Als einen der wichtigsten Erfolge seiner bisherigen Amtszeit bezeichnete Wegner die Modernisierung der Verwaltung. Lange Wartezeiten auf Bürgeramtstermine seien inzwischen deutlich reduziert worden. Eine leistungsfähigere Verwaltung sei nicht nur für die Berliner Bevölkerung wichtig, sondern auch ein entscheidender Standortfaktor für Unternehmen und Investoren. Verwaltungsmodernisierung sei deshalb kein Selbstzweck, sondern Grundlage wirtschaftlicher Entwicklung.
Einen breiten Raum nahm die Zukunft des Tourismus ein. Wegner unterstrich, dass Berlin im internationalen Wettbewerb um Gäste, Kongresse und Investitionen seine Erreichbarkeit verbessern müsse. Mehr internationale Flugverbindungen seien ebenso notwendig wie die Ansiedlung weiterer bedeutender Messen und Kongresse. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, große internationale Ereignisse als Impulsgeber für die Stadtentwicklung zu nutzen. Sowohl eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele als auch eine mögliche Weltausstellung Expo könnten Infrastruktur, Wirtschaft und internationale Sichtbarkeit Berlins nachhaltig stärken. Entsprechende Planungen zwischen Berlin und Brandenburg würden bereits vorbereitet.
Ein weiteres Schwerpunktthema war das neue Berliner Gaststättengesetz. Wegner verwies darauf, dass mit dem Gesetz insbesondere für die Außengastronomie neue Möglichkeiten geschaffen werden. Künftig sollen in ausgewiesenen Ausgehvierteln längere Öffnungszeiten gelten. Der Senat will die entsprechenden Gebiete in den kommenden Monaten festlegen. Aus Sicht des Gastgewerbes ist dies ein wichtiger Schritt, um Berlin als internationale Metropole attraktiver zu machen und den Bedürfnissen einer lebendigen Stadtkultur besser gerecht zu werden.
Dabei blieb der Abend nicht bei politischen Forderungen stehen. Mehrfach wurde hervorgehoben, dass auch die Tourismuswirtschaft selbst Verantwortung für das Image der Hauptstadt trage. Jeder Unternehmer, jedes Hotel und jedes Restaurant seien Botschafter Berlins. Nur wenn Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft gemeinsam handelten, könne Berlin seine internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter ausbauen.
Das Bühneninterview machte damit deutlich, dass die Zukunft des Berliner Tourismus weit über klassische Besucherzahlen hinausreicht. Themen wie Verwaltungsmodernisierung, internationale Verkehrsanbindung, attraktive Rahmenbedingungen für Gastronomie und Hotellerie sowie Großprojekte wie Olympia oder eine Expo werden zunehmend als Bestandteile einer langfristigen Standortstrategie verstanden. Das Sommerfest zeigte zugleich, dass der Austausch zwischen Politik und Branche ein zentrales Instrument bleibt, um diese Ziele gemeinsam zu verfolgen.