Am morgigen vierjährigen Jahrestag des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine findet in Berlin ein für das deutsch-ukrainische Verhältnis signifikanter politischer Dialog statt: Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) veranstaltet zum vierten Mal das Café Kyiv, ein mehrtägiges Format aus Debatten, Kultur und Austausch, das sich unmittelbar aus dem anhaltenden Krieg und den europäischen sicherheitspolitischen Herausforderungen speist. In den vergangenen Jahren hat sich die Veranstaltung zu einem festen Bestandteil des Berliner Kalenders entwickelt, der weit über symbolische Solidaritätsbekundungen hinausgeht und konkrete thematische Schwerpunkte setzt.
Das Café Kyiv begann 2023 als temporäre Umbenennung des traditionsreichen „Café Moskau“ in Berlin und wurde als Plattform für Gespräche über Freiheit, Sicherheit und den Wiederaufbau der Ukraine etabliert. Seitdem kombiniert das Format politische Diskussionen, wissenschaftliche Analysen und kulturelle Beiträge. Ziel ist es, ukrainische Perspektiven in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig ein internationales Publikum für die Konsequenzen des Kriegs und mögliche Zukunftsszenarien zu sensibilisieren.
In diesem Jahr geht die Veranstaltung in eine erweiterte Phase: Neben dem traditionellen Haupttag im Colosseum Berlin findet erstmals die Café Kyiv Week statt, eine Serie von Veranstaltungen vom 22. Februar bis 1. März 2026 in ganz Berlin. Das Programm umfasst ein breites Spektrum: Neben Panels und Workshops zu sicherheitspolitischen Fragen stehen auch Filmvorführungen, Ausstellungen, kulturelle Beiträge und Gesprächsformate mit Expertinnen und Experten aus Deutschland, der Ukraine und internationalen Institutionen. Ein Beispiel dafür ist das Programm „The Names of Us: Stories of National Communities Affected by the War“, in dem die Erfahrungen ethnischer Minderheiten im Kontext der anhaltenden Zerstörung durch den Krieg thematisiert werden.
Die inhaltliche Ausrichtung des Café Kyiv reflektiert die anhaltende Debatte über Europas Sicherheitsarchitektur und die Frage, wie ein nachhaltiger Frieden aussehen kann. Diskussionen in den vergangenen Jahren haben wiederholt zentrale Themen wie die Rekonstruktion urbaner Räume, Medienrepräsentation der Ukraine und sicherheitspolitische Kooperationen aufgegriffen. Diese inhaltliche Breite macht die Veranstaltung zu einem Ort, an dem nicht nur Solidarität artikuliert, sondern auch konkrete politische und gesellschaftliche Fragen verhandelt werden.
Die Eröffnung der diesjährigen Ausgabe wurde von führenden politischen Akteuren begleitet. In seiner Rede unterstrich Bundeskanzler Friedrich Merz die ungebrochene Unterstützung Deutschlands für die Ukraine, nicht nur in finanzieller, sondern auch in militärischer und politischer Hinsicht. Er stellte diese Unterstützung in den Kontext der europäischen Friedensordnung und betonte das gemeinsame Interesse an einem gerechten und dauerhaften Frieden, der die Souveränität und Sicherheit der Ukraine garantiert. Gleichzeitig wird diese politische Position auch medial breit rezipiert und als Ausdruck der deutschen Außenpolitik im vierten Kriegsjahr interpretiert.
Das Café Kyiv zeigt, wie sich Solidarität institutionell und gesellschaftlich manifestieren kann: nicht als singuläre Demonstration, sondern als mehrschichtiger Dialog zwischen Politik, Zivilgesellschaft und Kulturakteuren. In einer Zeit, in der Fragen von Sicherheit, territorialer Integrität und demokratischen Werten im Mittelpunkt europäischer Politik stehen, bildet die Veranstaltung einen Ort, an dem diese Fragen nicht nur symbolisch, sondern in konkreter, thematisch fokussierter Form diskutiert werden.
Mit der Ausweitung auf eine ganze Woche signalisiert das Format zudem eine wachsende Bedeutung: Es geht um den langfristigen Erhalt des Diskurses über die Ukraine, über europäische Sicherheit und über das Verhältnis Deutschlands zu einem Nachbarland, das seit vier Jahren im Krieg steht. In Zeiten, in denen die politische Debatte in Deutschland und Europa über Unterstützung, Wiederaufbau und den künftigen Sicherheitsrahmen neu ausgerichtet wird, liefert das Café Kyiv wichtige Impulse und trägt dazu bei, öffentliches Bewusstsein und internationalen Austausch möglichst differenziert und faktenbasiert zu verankern.
