Berlin Conference 2025
„New Paths to Democracy – Cultural Participation as an Instrument of Democratic Resilience“
Am ersten Tag der diesjährigen Berlin Conference 2025 traf sich ein hochkarätiges internationales Publikum in der Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt, um über die zentrale Frage zu diskutieren: Welche Rolle spielt kulturelle Teilhabe für demokratische Widerstandskraft?
Eröffnung – Kultur als verbindendes Element
Der Tag begann mit einer musikalischen Eröffnung durch die Initiative Mit‑Mach‑Musik‑Brandenburg e.V., die den Ton für die gesamte Konferenz setzte: Kultur nicht als Randphänomen, sondern als gestaltende Kraft. Bereits dieser Einstieg verdeutlichte das programmatische Anliegen: Kultur soll Gemeinschaft stiften, Zugänge öffnen und als Plattform demokratischer Teilhabe fungieren.
Keynote von Dr. Olesya Khromeychuk: Autonomie, Resilienz und Identität im Konflikt und Frieden
In ihrer Eröffnungsrede mit dem Titel “Lessons from Ukraine’s Emergency Bag – On How Autonomy, Resilience, and Identity Shape our Readiness for War, and for Peace” legte Historikerin und Schriftstellerin Khromeychuk den Fokus auf die ukrainische Erfahrung als Lehrstück für demokratische Gesellschaften. Sie betonte, dass demokratische Resilienz nicht nur durch Institutionen gesichert wird, sondern durch Gemeinschaften, die ihre Identität, Autonomie und Widerstandskraft kultivieren:
„Autonomy, resilience and identity are not luxuries in wartime—they become the very fabric of how societies hold on to democracy and build peace.“
Damit setzte sie einen eindringlichen Impuls für das gesamte Programm: Kultur, Erinnerung und Gemeinschaft sind keine netten Zusatzfunktionen, sondern Kernbestandteile dessen, was Gesellschaften befähigt, demokratische Werte in Krisen zu verteidigen.
Panel-Diskussion: Europäische Perspektiven – Kultur, Diplomatie, Städtegesellschaft
Im Anschluss folgte ein Panel mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Diplomatie, Kulturpolitik und Stadtentwicklung:
- Jan Tombiński (Botschafter Polens)
- Aureliu Ciocoi (Botschafter Moldaus)
- Léonor Guy (EU-Vertreterin, Französische Botschaft)
- Paweł Potoroczyn (Direktor „European Capital of Culture Lublin 2029“)
- Menekse Wenzler (stellvertretende Direktorin, Deutsches Technikmuseum Berlin)
- Peter Kettner (Leiter Strategie & Planung Kultur-, Stadt- und Sportdiplomatie, Auswärtiges Amt)
Moderiert wurde das Gespräch von Susann Worschech (Europa-Universität Viadrina).
Zentrale Diskussionspunkte
- Der Beitrag von Städten und Regionen zur demokratischen Teilhabe: Städte wurden als „Laboratorien demokratischer Kultur“ identifiziert – Orte, an denen Kulturpolitik, Stadtentwicklung und Bürgerschaft zusammenkommen.
- Die Bedeutung kultureller Diplomatie: Wenzler und Kettner hoben hervor, dass Museen und Kulturinstitutionen keine neutrale Bühne sind, sondern aktive Akteure im europäischen Dialog.
- Integration von Kulturpolitik in außen- und sicherheitspolitische Strategien: Tombiński und Ciocoi machten deutlich, dass im osteuropäischen Kontext kulturelle Identität eng mit demokratischem Freiheitsverständnis verknüpft ist.
- Herausforderungen und Chancen der EU-Kulturpolitik: Guy verwies darauf, dass „kulturelle Teilhabe kein Nice-to-have ist, sondern Teil der demokratischen Infrastruktur“.
Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt: „Wenn wir glauben, Kunst zählt für Demokratie, dann beginnt alles dort, wo Kultur lokal greift, Gemeinschaft mobilisiert, Teilhabe ermöglicht.“
Reflexion & Ausblick
Der erste Konferenztag war bewusst nicht mit endlosen Vorträgen überfrachtet, sondern setzte auf Austausch, Interaktion und Reflexion. Es ging darum, wie Kultur – Festivals, Museen, Stadtfeste, partizipative Projekte – nicht nur als Hintergrundrauschen funktionieren, sondern aktiv demokratische Prozesse mitgestalten können. Laut Organisatorinnen und Organisatoren: „Wir wollen … erkunden, wie wir die Kraft der Kunst und Kultur nutzen können, um eine Soul for Europe zu schaffen und neue Wege zur Demokratie zu öffnen.“
Bedeutung im größeren Kontext
Die Berlin Conference versteht sich als Diskursplattform, die Kunst, Kultur, Politik und Zivilgesellschaft zusammenführt. Bereits in früheren Ausgaben wurde betont, dass „the EU today requires not only political reforms, but also closer interaction with civil society, because enlargement policy is above all a cultural process.“ Für 2025 bedeutet das: In Zeiten von Pandemie-Erfahrung, geopolitischer Spannung und innergesellschaftlicher Polarisierung wird Kultur zur Adresse für Resilienz – demokratisch, partizipativ, europäisch.
Die Wahl des Veranstaltungsortes – die Französische Friedrichstadtkirche am historischen Gendarmenmarkt – unterstreicht symbolisch den Anspruch: Ein Ort der Begegnung, der Reflexion und zugleich der demokratischen Gemeinschaft.
Blick auf den zweiten Tag
Am zweiten Tag der Konferenz wird das Thema der kulturellen Teilhabe vertieft: In Workshops und weiterführenden Panels werden Strategien entwickelt, wie Städte, Regionen und EU-Institutionen Kultur als Motor demokratischer Beteiligung operationalisieren können. Die Ergebnisse des ersten Tages dienen als Basis für konkrete Handlungsempfehlungen.
Schlussbetrachtung
Der erste Tag der Berlin Conference 2025 hat eindrucksvoll aufgezeigt: Demokratie ist nicht nur auf Verfassung, Parteien oder Institutionen angewiesen – sie gedeiht dort, wo Kultur- und Zivilgesellschaft aktiv sind, wo Teilhabe möglich ist und Vielfalt gelebt wird. Kultur wird dabei nicht als Bonus verstanden, sondern als Zentrum demokratischen Lebens.
Während sich der Dialog in Berlin weiter entfaltet, bleibt klar: „Neue Wege zur Demokratie“ lassen sich nicht auf globaler Ebene allein beschließen – sie müssen vor Ort wirken, kulturell verankert und gemeinschaftlich getragen werden.
