Am 28. Januar 2026 hat der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, im Roten Rathaus zu einem Abendessen eingeladen, um den 70. Geburtstag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu würdigen. Anlass war zugleich die Rolle Steinmeiers als Ehrenbürger Berlins, einer Auszeichnung, die ihm 2021 für sein langjähriges Engagement für die Demokratie und den demokratischen Streit verliehen wurde.
Steinmeier, seit 2017 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, ist 2021 zum Ehrenbürger der Hauptstadt ernannt worden. Diese Würde gilt als höchste Auszeichnung, die das Land Berlin vergibt; sie ehrt Persönlichkeiten, die in besonderer Weise in ihrem Wirken zur Stadt und ihrer demokratischen Kultur beigetragen haben. Unter den bisherigen Ehrenbürgern finden sich historische Persönlichkeiten wie Alexander von Humboldt, Max Liebermann und Willy Brandt.
Die Einladung zum Abendessen folgt in Berlin einer Konvention: Der Regierende Bürgermeister lädt Ehrenbürger zu runden Geburtstagen zu einem offiziellen Dinner ein. Wegner verwies darauf, dass Steinmeier mit seinem Wirken – insbesondere durch seinen Einsatz für Demokratie, Freiheit und gesellschaftlichen Austausch – nicht nur auf Bundesebene, sondern auch für Berlin eine besondere Bedeutung habe. Zu den Gästen zählten neben politischen Zeitgenossen auch Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft.
In seiner Ansprache beim Abendessen am 28. Januar reflektierte Steinmeier über das Verhältnis zur Stadt, seine persönliche Biografie und die Bedeutung demokratischer Kultur. Er schilderte Berlin nicht nur als politische Bühne, sondern als lebendigen sozialen Raum, in dem Demokratie nicht nur repräsentiert, sondern täglich praktiziert werde. Dieses Verständnis betonte er als zentral für die Stadt und als Grund, warum er Berlin zur Heimat gemacht habe. In Anspielung auf die vielfältigen historischen Erfahrungen der Stadt – von den Barrikadenkämpfen von 1848 über die Blockade Berlins 1948/49 bis zum Mauerfall 1989 – unterstrich er, dass Demokratie nicht eine Kulisse sei, sondern ein fortwährender Prozess des Aushandelns und Ringens.
Steinmeiers Wortwahl reflektiert eine Grundüberzeugung seiner Amtszeit: Demokratie ist keine starre Errungenschaft, sondern ein lebendiges Gefüge, das kontinuierliche Pflege und öffentlichen Streit braucht. In den vergangenen Jahren hat er dieses Thema wiederholt betont und vor den Gefahren von Polarisierung, Populismus und Erosion demokratischer Werte gewarnt; dies musste er zuletzt auch in anderen Reden in der Hauptstadt und im Amtssitz Bellevue akzentuieren.
Die Ehrung und das Abendessen fassen zusammen, wie eng die Biografie Steinmeiers mit Berlin verwoben ist: Der Ort seiner politischen Sozialisation, Stationen seiner politischen Karriere und Mittelpunkt seines heutigen Wirkens sind zugleich Ausdruck einer Stadt, die sich als Mosaik demokratischer Praxen begreift. Die Veranstaltung im Roten Rathaus war mehr als ein gesellschaftlicher Akt des Feierns. Sie setzte ein Zeichen dafür, wie politische Identität, persönliche Erinnerung und städtische Gemeinschaft in der deutschen Hauptstadt untrennbar miteinander verwoben bleiben.
