Seit einem Jahrzehnt versucht German Films, das deutsche Kino im Ausland strategisch sichtbarer zu machen. Was zunächst wie eine klassische Standortinitiative klingt, hat sich zu einem festen Instrument der internationalen Vernetzung entwickelt: die Kampagne „Face to Face with German Films“. 2026 geht sie in ihre elfte Ausgabe. Sieben Filmschaffende aus unterschiedlichen Gewerken werden während der Berlinale einem internationalen Fachpublikum vorgestellt, flankiert von Gesprächen, Marktterminen und gezielter Kontaktpflege.
Im Zentrum steht in diesem Jahr das „Face to Face“-Panel am Montag, 16. Februar 2026, im Ritz-Carlton am Potsdamer Platz. Dort werden die ausgewählten Talente persönlich vorgestellt und diskutieren vor internationalen Produzenten, Weltvertrieben, Festivalprogrammierern und Pressevertretern über Arbeitsweisen, Stoffe und Perspektiven. Anders als klassische PR-Formate setzt die Veranstaltung auf inhaltliche Auseinandersetzung. Es geht nicht um Selbstvermarktung, sondern um künstlerische Positionierung und strategische Anschlussfähigkeit im globalen Markt.
Die Initiative folgt einer klaren kulturpolitischen Logik. Während einzelne deutsche Produktionen regelmäßig internationale Aufmerksamkeit erzielen, bleibt strukturelle Sichtbarkeit für viele Nachwuchskräfte fragmentarisch. Das Panel fungiert daher als Scharnier zwischen nationaler Ausbildungslandschaft und internationaler Industrie. Frühere Jahrgänge zeigen, dass diese Strategie trägt. Namen wie Sandra Hüller, Christian Friedel, Burhan Qurbani oder Valeska Grisebach waren Teil der Kampagne, bevor sie weltweit größere Resonanz erfuhren.
Die Auswahl 2026 spiegelt eine Branche im Übergang. Mit Joscha Bongard rückt ein Regisseur in den Fokus, dessen Werdegang von digitaler Produktionskultur und klassischer Filmhochschule gleichermaßen geprägt ist. Sein Spielfilmdebüt „Babystar“ lief in Toronto und verweist auf eine Generation, die Stoffentwicklung, Plattformökonomie und Festivalstrategien selbstverständlich zusammendenkt.
Der Schauspieler Enzo Brumm steht für eine transnationale Biografie zwischen Mode, Theater und Film. Nach seiner Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar verlagerte er den Schwerpunkt auf internationale Filmprojekte und Serienformate. Bayan Layla wiederum verbindet Theatererfahrung mit einer klaren filmischen Präsenz. Ihr Durchbruch mit „Elaha“ machte sie zu einer der auffälligsten jungen Stimmen im deutschen Gegenwartskino.
Auf der Regieseite stehen Anna Roller und Isa Willinger für unterschiedliche ästhetische Ansätze. Roller arbeitet erzählerisch verdichtet und formal präzise, Willinger dokumentarisch forschend an den Schnittstellen von Technologie, Ökologie und Gesellschaft. Beide eint die internationale Festivalerfahrung.
Mit Kamerafrau Lotta Kilian und Maskenbildnerin Lydia Geißler würdigt die Kampagne zudem zwei Gewerke, die für die visuelle Identität eines Films zentral sind. Kilian verbindet psychologische Bildführung mit gesellschaftlicher Sensibilität, Geißler begreift Maske als narratives Instrument und nicht bloß als handwerkliche Ergänzung.
Das Panel im Ritz-Carlton markiert damit keinen festlichen Schlusspunkt, sondern einen Auftakt. Hier werden Netzwerke geknüpft, Interview vorbereitet und erste Gespräche über zukünftige Projekte geführt. In einer Branche, die zunehmend international organisiert ist, entscheidet oft der frühe persönliche Kontakt über spätere Kooperationen. „Face to Face“ schafft diesen Moment der Verdichtung. Ob daraus langfristige Partnerschaften entstehen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Die strukturellen Voraussetzungen sind jedenfalls sorgfältig gelegt.
