OPUS KLASSIK 2026: Martha Argerichs Lebenswerk, André Schuens Triumph und Lang Langs Bestseller
Berlin feiert die Stars der Klassik: Bei der OPUS-KLASSIK-Gala am 11. Oktober im Konzerthaus Berlin stehen herausragende Musikerpersönlichkeiten, preisgekrönte Aufnahmen und innovative Konzertformate im Mittelpunkt. Pianistin Martha Argerich wird für ihr Lebenswerk geehrt. Anna Lucia Richter und André Schuen erhalten die Auszeichnungen als Sängerin und Sänger des Jahres. Lang Lang gewinnt mit Piano Book 2 erneut den Bestsellerpreis. Durch die Gala führt Désirée Nosbusch, das ZDF zeigt die Aufzeichnung am selben Abend um 22.15 Uhr.
Mit Martha Argerich rückt eine Pianistin ins Zentrum, deren Karriere die internationale Klassikszene seit Jahrzehnten prägt. Die 1941 in Buenos Aires geborene Musikerin begann bereits als Kind mit dem Klavierspiel und zog 1955 mit ihrer Familie nach Europa. 1965 gewann sie den Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau. Dieser Erfolg markierte den Beginn ihrer Weltkarriere. Argerich ist für ihre technische Souveränität, ihre unmittelbare Ausdruckskraft und ihre außergewöhnliche musikalische Intensität bekannt. Neben ihren Solokonzerten widmet sie sich intensiv der Kammermusik und der Förderung junger Talente. Von 2002 bis 2016 war sie Gastgeberin des „Progetto Martha Argerich“ in Lugano. Seit 2018 wird in Zusammenarbeit mit den Hamburger Symphonikern das Martha Argerich Festival veranstaltet. Die Auszeichnung für ihr Lebenswerk würdigt damit nicht nur eine große Interpretin, sondern auch eine Musikerin, die den Austausch zwischen Generationen zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Arbeit gemacht hat.
Anna Lucia Richter und André Schuen: Auszeichnungen für zwei markante Gesangsstimmen
Anna Lucia Richter wird als Sängerin des Jahres für Gustav Mahler – Songs of Fate ausgezeichnet. Die Sopranistin hat sich vor allem im Liedgesang und im Konzertrepertoire einen Namen gemacht. Mahler verlangt von einer Interpretin nicht nur stimmliche Kontrolle, sondern auch die Fähigkeit, existenzielle Themen wie Vergänglichkeit, Schicksal und menschliche Verletzlichkeit musikalisch zu gestalten. Die Auszeichnung rückt Richters Auseinandersetzung mit diesem anspruchsvollen Repertoire in den Mittelpunkt.
André Schuen erhält den Preis als Sänger des Jahres für sein Album Mozart. Der Bariton zählt zu den profilierten Lied- und Opernsängern seiner Generation. Sein Repertoire reicht von Mozart über die deutsche Romantik bis zur Liedkunst. Gerade Mozart verlangt eine klare Textgestaltung, stilistische Präzision und ein Gespür für die Balance zwischen Eleganz und emotionaler Tiefe. Mit der Auszeichnung wird Schuens Beschäftigung mit einem zentralen Komponisten der Klassik gewürdigt.
Auch Katharina Konradi gehört zu den ausgezeichneten Sängerinnen. Für ihre Aufnahme Franz Liszt: Un Cycle Imaginaire erhält sie den Preis in der Kategorie „Solistische Einspielung Gesang des Jahres“. Die Sopranistin verbindet darin ihre Stimme mit dem anspruchsvollen Liedrepertoire Franz Liszts. Christian Gerhaher wird ebenfalls in dieser Kategorie ausgezeichnet, und zwar für seine Aufnahme der Brahms-Lieder. Damit würdigt der OPUS KLASSIK zwei unterschiedliche Zugänge zur Kunst des Liedgesangs, die beide eine genaue Auseinandersetzung mit Sprache, musikalischer Linie und Ausdruck verlangen.
Yunchan Lim, Christian Tetzlaff und Sarah Willis: Instrumentalisten im Fokus
Als Instrumentalist des Jahres wird der Pianist Yunchan Lim für seine Interpretation von Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen geehrt. Das Werk gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Klavierliteratur. Es verlangt nicht nur technische Sicherheit, sondern auch strukturelles Denken, Konzentration und die Fähigkeit, die Vielfalt der Variationen zu einer überzeugenden musikalischen Einheit zusammenzuführen. Lims Aufnahme stellt sich damit einer Herausforderung, an der sich Pianisten seit Generationen messen lassen.
Christian Tetzlaff wird ebenfalls in der Instrumentalistenkategorie ausgezeichnet. Seine Aufnahme mit Violinkonzerten von Edward Elgar und Thomas Adès verbindet romantisches Repertoire mit zeitgenössischer Musik. Tetzlaff gehört seit vielen Jahren zu den international renommierten Geigern und ist für seine intensive Auseinandersetzung mit Partituren bekannt. Der Preis würdigt die Verbindung von interpretatorischer Eigenständigkeit und stilistischer Bandbreite.
Auch Sarah Willis erhält eine Auszeichnung als Instrumentalistin des Jahres, für Cuban Christmas. Die Hornistin der Berliner Philharmoniker hat sich über die klassische Konzertwelt hinaus einen Namen gemacht. Als erste Frau in die Blechbläsergruppe des Orchesters aufgenommen, verbindet sie ihre Arbeit im Spitzenorchester mit Projekten, die unterschiedliche musikalische Kulturen zusammenführen. Mit ihrer kubanischen Band The Sarahbanda bringt sie lateinamerikanische Rhythmen und klassische Instrumentalkunst zusammen. Bei der Gala wird sie diese musikalische Verbindung auch auf der Bühne präsentieren.
Lang Lang, Jonas Kaufmann und Alice Sara Ott: Klassik zwischen Tradition und neuen Hörgewohnheiten
Lang Lang gewinnt den OPUS KLASSIK in der Kategorie „Bestseller des Jahres“ mit Piano Book 2. Der Pianist erhält die Auszeichnung bereits zum zweiten Mal in Folge. Das Album kombiniert klassische Werke mit zeitgenössischen Kompositionen, Filmmusik sowie Musik aus Anime und Videospielen. Damit spricht Lang Lang ein Publikum an, das nicht ausschließlich über das traditionelle Konzertrepertoire zur klassischen Musik findet. Der Bestsellerpreis wird auf Grundlage der offiziellen Verkaufszahlen der GfK Entertainment vergeben.
Jonas Kaufmann wird gemeinsam mit dem Pianisten Helmut Deutsch für Doppelgänger in der Kategorie „Audiovisuelle Musikproduktion des Jahres“ ausgezeichnet. Kaufmann zählt seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den international gefragten Tenören. Seine Bühnenpräsenz und sein breites Repertoire haben ihn zu einer der bekanntesten Stimmen der Opernwelt gemacht. Mit Doppelgänger steht die Verbindung von Gesang, Liedtradition und audiovisueller Inszenierung im Mittelpunkt.
Die Pianistin Alice Sara Ott wird für Jóhann Jóhannsson: Piano Works in der Kategorie Neue Klassik/Neoklassik geehrt. Sie widmet sich damit dem Werk des isländischen Komponisten Jóhann Jóhannsson, dessen Musik klassische Instrumentierung mit minimalistischen und filmischen Klangwelten verbindet. Ott steht für eine Generation von Pianisten, die neben dem traditionellen Repertoire auch zeitgenössische Kompositionen und neue Präsentationsformen in den Konzertbetrieb einbringen.
Die Violinistin Esther Abrami wird für ihr Album Women in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ ausgezeichnet. Das Projekt rückt Komponistinnen und ihre Werke in den Mittelpunkt und erweitert damit den Blick auf die Musikgeschichte. Shani Diluka erhält den Preis für den Videoclip des Jahres für Renaissance. Beide Auszeichnungen zeigen, wie Künstlerinnen klassische Musikgeschichte neu erzählen und zusätzliche Zugänge zu ihrem Publikum schaffen.
Nachwuchs und Ensembles: Die nächste Generation steht bereit
Der OPUS KLASSIK zeichnet in der Kategorie Nachwuchskünstler des Jahres mehrere Musiker aus. Dazu gehören Marcel Brunner für Remembrance, Alexander Malofeev für Forgotten Melodies, Shira Patchornik für Bella Furia und Simon Tetzlaff für eine Aufnahme mit Werken von Kodály, Sibelius und Ysaÿe. Die unterschiedlichen Programme zeigen, wie breit das musikalische Spektrum der jungen Generation ist: vom historischen Repertoire über die romantische Tradition bis zu virtuosen Werken für Violine und Cello.
Das Quatuor Ébène und das Belcea Quartet werden als Ensemble des Jahres für ihre Aufnahme von Mendelssohns und Enescus Oktetten ausgezeichnet. Die Zusammenarbeit zweier renommierter Streichquartette eröffnet einen besonderen Zugang zur Kammermusik. Bei Oktetten kommt es darauf an, den Klang eines größeren Ensembles mit der Transparenz und Beweglichkeit kammermusikalischen Zusammenspiels zu verbinden.
In der Kategorie „Live-Performance des Jahres Ensemble/Orchester“ werden die Pianisten Lucas und Arthur Jussen gemeinsam mit den Percussionisten Alexej Gerassimez und Emil Kuyumcuyan ausgezeichnet. Ihr Programm „Klavier-Duo trifft Percussion-Duo“ stellt unterschiedliche Klangwelten nebeneinander und zeigt, wie sich die Grenzen zwischen klassischer Klaviertradition und zeitgenössischer Rhythmik verschieben lassen.
Das Wu Wei Trio erhält den Preis für die Kammermusikeinspielung des Jahres für Pur ti miro. Mit Sheng, Bratsche und Kontrabass begegnen sich unterschiedliche Instrumentaltraditionen. Das Ensemble steht für einen musikalischen Dialog, der Klangfarben und kulturelle Perspektiven miteinander verbindet.
Oper, Orchester und vergessene Komponistinnen
In der Kategorie Operneinspielung des Jahres gewinnt Dido & Aeneas von Henry Purcell mit Joyce DiDonato, Michael Spyres, dem Dirigenten Maxim Emelyanychev und dem Ensemble Il Pomo d’Oro. Purcells Oper gehört zu den bedeutenden Werken des englischen Barock. Die Geschichte von Dido und Aeneas verbindet politische Pflichten, Liebe und Verlust. Die Auszeichnung unterstreicht die Bedeutung historisch informierter Aufführungspraxis und einer differenzierten musikalischen Gestaltung.
Die Dirigentin Elena Schwarz und das WDR Sinfonieorchester Köln werden für die Weltersteinspielung der ersten und zweiten Sinfonie von Elsa Barraine ausgezeichnet. Die französische Komponistin, die 1910 geboren wurde und 1999 starb, gehört zu jenen Komponistinnen, deren Werke im Konzertleben lange weniger präsent waren als die ihrer männlichen Zeitgenossen. Die Aufnahme eröffnet einen Zugang zu einem sinfonischen Werk, das nun stärker in den Blick der Öffentlichkeit rückt.
Die Auszeichnung für die sinfonische Einspielung des Jahres geht an Mirga Gražinytė-Tyla, das Lithuanian National Symphony Orchestra und das Orchestre Philharmonique de Radio France für Back to Nature: Čiurlionis & Gražinis. Andris Nelsons wird als Dirigent des Jahres für Felix Mendelssohn: Symphonies & Oratorios ausgezeichnet. Der Komponistenpreis geht an Dieter Ammann für glut – music for orchestra. Die drei Preise zeigen die Vielfalt des Orchesterrepertoires, das von neu entdeckten Werken bis zur Auseinandersetzung mit zentralen Komponisten des 19. Jahrhunderts reicht.
Auch die Chormusik erhält eine eigene Würdigung. Voces8 wird für Paul Smith: Revolutions als Chorwerkeinspielung des Jahres ausgezeichnet. Das Ensemble ist international für seine stilistische Bandbreite bekannt und verbindet klassische Vokalmusik mit zeitgenössischen Kompositionen.
Neue Konzertformen und Verantwortung für die Zukunft
Die Kategorie „Innovatives Konzert des Jahres“ würdigt zwei unterschiedliche Projekte. Die Cellistin Anastasia Kobekina und die Choreografin Sasha Waltz werden für BACH CELLO DANCE ausgezeichnet. Das Projekt verbindet Bachs Cellomusik mit zeitgenössischem Tanz und stellt die Beziehung zwischen Bewegung, Körper und musikalischer Struktur in den Mittelpunkt. Das Konzerthaus Dortmund erhält den Preis für SLOW, ein Konzertformat, das sich mit veränderten Hörgewohnheiten und der Erfahrung von Zeit in der Musik beschäftigt.
Die Duisburger Philharmoniker werden für Marxloh Music Circus in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen live“ geehrt. Das Projekt steht für die Öffnung des Konzertbetriebs gegenüber unterschiedlichen sozialen und kulturellen Lebenswelten. Esther Abrami erhält mit Women auch in der Albumkategorie „Klassik ohne Grenzen“ eine Auszeichnung, während das Gitarrenduo Café del Mundo für seine GuitaRevolution Symphonic Tour den Preis für die Tournee des Jahres gewinnt.
Mit dem Recycling Concerto wird Gregor A. Mayrhofer für einen Ansatz ausgezeichnet, der musikalische Innovation mit dem Thema Nachhaltigkeit verbindet. Das Werk nutzt wiederverwertete Materialien als Instrumente und macht damit die Frage nach Ressourcenverbrauch und Wiederverwendung zum Bestandteil des Konzerterlebnisses. Der Preis für Nachwuchsförderung geht an das Freiburger Barockorchester und das Ensemble Recherche für HEAR! We move, ein Projekt im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.
Eine besondere Auszeichnung erhält außerdem Florian Aschenbrenner als Musiklehrer des Jahres. Die Kategorie erinnert daran, dass musikalische Exzellenz nicht allein auf der Bühne entsteht. Musikpädagogik, frühe Förderung und die Vermittlung von musikalischen Fähigkeiten bilden die Grundlage dafür, dass neue Generationen Zugang zur Musik finden.
Der OPUS KLASSIK 2026 zeigt damit eine Klassikszene, die sowohl ihre großen Interpretinnen und Interpreten würdigt als auch neue Wege sucht. Martha Argerich steht für eine außergewöhnliche künstlerische Lebensleistung, Lang Lang für die Reichweite klassischer Musik im internationalen Markt und junge Preisträger wie Alexander Malofeev, Shira Patchornik und Simon Tetzlaff für die nächste Generation. Zwischen Oper, Kammermusik, Nachhaltigkeit und neuen Konzertformaten wird deutlich, dass die Zukunft der Klassik nicht allein von der Bewahrung ihres Repertoires abhängt, sondern auch davon, wie überzeugend sie neue Hörerinnen und Hörer erreicht.
Die Gala findet am 11. Oktober 2026 im Konzerthaus Berlin statt. Désirée Nosbusch moderiert den Abend, das Konzerthausorchester Berlin spielt unter der Leitung von Anna Rakitina. Das ZDF überträgt die Veranstaltung um 22.15 Uhr. Die vollständige Liste aller Preisträger ist auf der offiziellen Website des OPUS KLASSIK abrufbar.
