Fack Ju Göhte auf der Musicalbühne: Wenn Zeki Müller plötzlich singt
Berlin hat wieder Nachsitzen. Und diesmal wird nicht nur gelacht, sondern auch gesungen. „FACK JU GÖHTE – DAS MUSICAL“ ist zurück und bringt die bekannte Geschichte um Zeki Müller, Lisi Schnabelstedt, Chantal, Danger und die Chaosklasse 10b auf die Bühne des BlueMax Theaters am Potsdamer Platz.
Wer den Kinofilm kennt, weiß ziemlich genau, worauf er sich einlässt: freche Sprüche, schräge Figuren, eine gehörige Portion Chaos und ein Lehrer, der eigentlich gar keiner sein will. Doch gerade darin liegt der Reiz der Musicalfassung. Sie versucht nicht, den Film einfach eins zu eins nachzuspielen, sondern nimmt sich die Freiheit, bekannte Szenen neu zu interpretieren und mit eigenen Ideen zu ergänzen.
Und das funktioniert erstaunlich gut.
Besonders die Bühne bleibt dabei im Gedächtnis. Die Kulisse ist nicht bloß Hintergrund für die Handlung, sondern wird immer wieder kreativ genutzt und verändert. Aus bekannten Schauplätzen entstehen neue Spielsituationen, Übergänge werden Teil der Inszenierung und die Wiederverwendung einzelner Elemente wirkt nicht wie eine Sparmaßnahme, sondern wie ein bewusstes Gestaltungsmittel. Die Bühne bekommt dadurch eine eigene Dynamik und unterstützt das Tempo der Geschichte.
Auch die Unterschiede zum Film machen den Abend interessant. Natürlich bleiben die zentralen Figuren und die Handlung vertraut. Doch das Musical erlaubt sich zusätzliche humorvolle Momente, neue Pointen und Situationen, die man aus dem Kino so nicht kennt. Gerade für Zuschauer, die den Film mehrfach gesehen haben, entsteht dadurch nicht das Gefühl, lediglich eine bekannte Geschichte noch einmal serviert zu bekommen.
Im Mittelpunkt steht erneut Zeki Müller. Silvio Römer übernimmt die Rolle des unkonventionellen Aushilfslehrers, Hannah Leser spielt Lisi Schnabelstedt. Nini Stadlmann ist als Frau Gerster zu sehen, Max Hellmich übernimmt Danger und Katharina Schmitz verkörpert Chantal. Sie bringen die bekannten Charaktere auf die Musicalbühne, ohne sie lediglich zu kopieren.
Dazu kommt der Pop-Soundtrack von Simon Triebel und Nico Rebscher. Die Songs geben der Geschichte einen eigenen Rhythmus und sorgen dafür, dass aus der bekannten Komödie tatsächlich ein Musical wird. Gesungen wird dabei ebenso selbstverständlich wie gesprochen und gespielt. Die Mischung aus Dialogen, Choreografien und Musik hält das Tempo hoch und passt zum überdrehten Charakter der Geschichte.
Gerade die Kombination aus Bekanntem und Neuem macht den Abend aus. Man erkennt die Geschichte wieder, weiß ungefähr, wohin sie führt, wird aber immer wieder von kleinen Änderungen und zusätzlichen Gags überrascht. Das Musical nimmt den Film ernst, ohne sich sklavisch an ihn zu halten.
Für mich war genau das einer der stärksten Punkte der Aufführung. Die kreative Auslegung gegenüber dem Film hat funktioniert, die zusätzlichen humorvollen Momente haben der Geschichte gutgetan und vor allem die Bühne hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Man merkt, dass hier nicht einfach ein erfolgreicher Kinofilm mit ein paar Liedern versehen wurde. Die Geschichte wurde für das Theater neu gedacht.
„FACK JU GÖHTE – DAS MUSICAL“ wurde mit dem Deutschen Musical Theater Preis als „Bestes Musical“ ausgezeichnet und ist nun erneut auf Tour durch Deutschland und Österreich. In Berlin wurde die Spielzeit aufgrund der Nachfrage verlängert. Noch bis zum 31. Oktober 2026 ist die Produktion im BlueMax Theater am Potsdamer Platz zu sehen.
Und vielleicht ist das eines der schönsten Komplimente, die man einer Musicaladaption machen kann: Nach dem Abend bekommt man tatsächlich Lust, den Film noch einmal zu schauen. Nicht, weil die Bühnenfassung ihn ersetzt hätte, sondern weil man die bekannte Geschichte danach mit einem etwas anderen Blick betrachtet.
Zeki Müller darf also wieder nachsitzen. Und das Publikum darf mitlachen.
