Pat Bowden und der schmale Grat zwischen Triumph und Sturz

Der Saisonauftakt der NIGHT of the JUMPs in der Berliner Uber Arena zeigte, wie schmal im Freestyle Motocross die Linie zwischen sportlicher Kontrolle und kalkuliertem Risiko verläuft. 87,33 Punkte entschieden am Ende über den Sieg. Ein Vorsprung von 0,33 Zählern trennte den Australier Pat Bowden vom Spanier Marc Pinyol. Selten lässt sich die Dramaturgie dieser Serie präziser in Zahlen fassen.

Acht Fahrer waren in zwei Qualifikationsgruppen angetreten, jeweils vier pro Heat. Das Reglement verlangte in 90 Sekunden acht Tricks. Bewertet werden Ausführung, Schwierigkeitsgrad, Kombination und Gesamteindruck. In der ersten Gruppe setzte zunächst der Pole Mikołaj Tempka mit Tsunami Flip und Seatgrab Indy Flip Akzente. Matej Češák konterte mit No Hand Frontflip und Lazyboy Flip. Doch Bowden übertraf beide mit einer technisch anspruchsvollen Abfolge aus Frontflip Superman, Christair Flip und Rock Solid Flip. Seine 87,33 Punkte aus der Qualifikation waren ein frühes Signal. Davide Rossi rettete sich trotz eines Sturzes beim 1 Hand Nac Frontflip ins Finale.

In der zweiten Gruppe dominierte zunächst der erfahrene Tscheche Libor Podmol, Weltmeister von 2010, mit Signature Tricks wie Supercan Flip und Cliffhanger Flip. Marc Pinyol überzeugte mit komplexen Frontflip Variationen über die Next Gen Rampe, erhielt jedoch nur 80 Punkte. Lokalmatador Luc Ackermann riskierte viel. Nach starkem Beginn mit Tsunami Flip und Hoygrab überrotierte er beim Suicide Frontflip und stürzte. Er fuhr weiter, zeigte einen Double Backflip, doch der Fehler kostete ihn das Finale. Es war ein Moment, der die Unbarmherzigkeit dieses Sports verdeutlichte. Ein einziger Kontrollverlust entscheidet.

Im Finale steigerte sich das Niveau nochmals. Rossi eröffnete mit einer ausgewogenen Mischung aus Backflips und Frontflips, musste jedoch im Double Up abbrechen und landete im Airbag. Pinyol präsentierte einen nahezu fehlerfreien Lauf mit Indy Frontflip, Tsunami Frontflip und California Roll und setzte sich mit 87,00 Punkten auf den Hotseat. Podmol blieb mit 85,67 Punkten dicht dahinter.

Dann kam Bowden. Er begann mit einem Double Backflip, fügte Suicide Backflip, No Hand Frontflip und Rowedova Flip an. Beim Double Backflip 1 Hand stürzte er. In vielen Wettbewerben wäre das das Ende aller Siegträume gewesen. Doch Bowden stand auf, setzte seinen Run fort und zeigte noch einen Tsunami Backflip. Die Jury wertete den Lauf trotz Sturz vollständig. 87,33 Punkte. Der hauchdünne Vorsprung sicherte ihm den Tagessieg und die Führung in der Gesamtwertung der World Tour Championship.

Abseits des Hauptwettbewerbs unterstrichen die Nebenformate die Breite der Szene. Im Best Whip Contest gewann der US Amerikaner Wyatt Fontenot vor Bowden. Im MTB Best Trick setzte der Deutsche Tom Pfeiffer mit einem Triple Backflip ein technisches Ausrufezeichen. Auf dem Scooter gelang Petr Částka ein Double Frontflip. Selbst auf dem Eurotramp wurden vierfache Saltos gezeigt. Die Veranstaltung demonstrierte damit, wie stark sich die Disziplinen gegenseitig beeinflussen und wie hoch das akrobatische Niveau inzwischen ist.

Nach dem ersten Stopp der Tour führt Bowden mit 20 Punkten vor Pinyol und Podmol. Die Saison ist jung, doch Berlin hat bereits angedeutet, dass 2026 eine enge Entscheidung bringen könnte. Die nächste Station in München wird zeigen, ob Bowden seine Risikobereitschaft weiter in Punkte ummünzen kann oder ob die Konkurrenz die knappe Berliner Entscheidung korrigiert. In einer Serie, in der 0,33 Punkte genügen, um Geschichte zu schreiben, bleibt jede Landung vorläufig.

Von admin