Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin feiert in diesen Tagen ihr 60-jähriges Bestehen. Am Donnerstagabend, 17. September 2026, eröffnete Berlins Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey den Festakt zum Jubiläum mit einem Grußwort. Anschließend kamen Vertreter der Direktion, Studierende und Alumni zu einem Empfang zusammen. Von 19 Uhr an gab die Akademie bei einer Open-House-Preview erste Einblicke in aktuelle studentische Arbeiten, bevor ab 20 Uhr die Jubiläumsfeier begann. Der eigentliche Geburtstag verweist auf einen historischen Moment der Berliner Filmgeschichte: Am 17. September 1966 eröffnete der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt die DFFB als erste westdeutsche Filmhochschule. Künstlerischer Direktor war der Dokumentarfilmer Erwin Leiser. Zum ersten Jahrgang gehörten unter anderem Wolfgang Petersen, Helke Sander, Harun Farocki, Hartmut Bitomsky und Holger Meins. Seither hat sich die DFFB mehrfach verändert, ihre besondere Stellung in der deutschen Filmausbildung aber bewahrt. Heute gehört sie dem Land Berlin und wird institutionell vom Land gefördert. Ausgebildet wird in Drehbuch, Bildgestaltung und Kamera, Regie, Produktion sowie Montage Bild und Ton. Einen Bachelor- oder Masterabschluss gibt es nicht, die Ausbildung schließt mit einem Zertifikat ab. Zum Jubiläum richtet die Akademie den Blick deshalb nicht allein zurück. Am Freitag, 18. September, öffnet sie ihre neuen Räume in Moabit von 12 bis 20 Uhr für die Öffentlichkeit und zeigt rund 100 Filmarbeiten sowie vier Hörspiele aus den vergangenen drei Jahren. Das Programm umfasst mehr als 20 Stunden Material und reicht von einer 55 Sekunden kurzen Kameraübung bis zu einem 49-minütigen Individualfilm. Die Arbeiten stammen aus unterschiedlichen Studienphasen, darunter Grundkurs-, Seminar- und Werkstattfilme sowie kurze Abschlussarbeiten. Ergänzt wird die Auswahl durch drei Filme aus dem Gründungsjahrzehnt. Mehr als 80 Regieführende sind vertreten, die Filme werden in 14 Sprachen gesprochen, 26 Arbeiten sind mehrsprachig und 22 kommen ohne Dialog aus. Auch die analoge Filmproduktion bleibt sichtbar: 15 Arbeiten wurden auf 16 Millimeter gedreht, hinzu kommen zwei vollständige Kameraseminare auf 16 und 35 Millimeter. Damit wird zugleich ein Kern der DFFB-Ausbildung sichtbar: Film wird hier nicht nur als fertiges Produkt betrachtet, sondern als handwerklicher und künstlerischer Prozess. Die Akademie beschreibt ihre Lehre selbst als Verbindung von Handwerk und Innovation und betont die internationale Zusammensetzung von Studierenden und Lehrenden. Besonders aufschlussreich ist ein Seminar, das sechs Jahrzehnte Berliner Geschichte miteinander verbindet. Unter dem Titel „Dokumentarisch Arbeiten – Wahl zum Abgeordnetenhaus (1967–2026)“ greifen Studierende eine Versuchsanordnung aus dem Gründungsjahr der DFFB wieder auf. Damals entstanden unter anderem Thomas Hartwigs „Der Kandidat“ und Harun Farockis „Der Wahlhelfer“. 2026 richtet sich der Blick erneut auf die Berliner Abgeordnetenhauswahl, diesmal aus mehreren Perspektiven und mit Themen wie Migration, Arbeit, Stadtentwicklung und gesellschaftlichen Konflikten. Dass sich die Akademie dabei ausdrücklich auch mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzt, ist mehr als eine Jubiläumsübung. Die frühen Jahre der DFFB waren eng mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen West-Berlins verbunden. Bereits die ersten Filme machten die Stadt selbst zum Gegenstand, während die zunehmende Politisierung der Studierenden nach dem 2. Juni 1967 einen tiefen Einschnitt bedeutete. Das Jubiläumsprogramm setzt dieser historischen Perspektive eine Gegenwart gegenüber, in der sich die Bedingungen des Filmemachens erneut verändern. Streaming, digitale Produktionsweisen und neue Formen seriellen Erzählens gehören ebenso zum Umfeld der Ausbildung wie die weiterhin praktizierte Arbeit mit analogem Material. Beim Open House wird deshalb auch über die Entstehung einer ZDF-Serie gesprochen: Katrin Merkel, Studienleiterin des postgradualen Programms SERIAL EYES, diskutiert mit der DFFB-Alumna Luisa Hardenberg über die Entwicklung von „PUSH“, dessen zweite Staffel im Mai 2026 Premiere hatte. Um 12 Uhr stellen die Studierenden Ali Motamedi Dehbarez und Soheil Aghazadeh zudem eine datengestützte Untersuchung über zwanzig Jahre DFFB-Filmproduktion und deren Zirkulation vor. Am Nachmittag folgt mit Arbeiten aus der Bolex-Werkstatt von Ute Aurand ein bewusst analoger Gegenpol: acht 16-Millimeter-Rollen werden stumm und analog projiziert. Die DFFB bringt damit zum 60. Geburtstag zwei Seiten ihrer Geschichte zusammen. Sie erinnert an eine Filmschule, die in den politischen und ästhetischen Aufbrüchen der sechziger Jahre entstand, und zeigt zugleich eine Ausbildung, die sich mit veränderten technischen, gesellschaftlichen und erzählerischen Bedingungen auseinandersetzt. Rund 1000 Filmschaffende haben nach Angaben der Akademie seit 1966 an der DFFB studiert. Zu ihren Absolventen zählen neben den frühen Jahrgängen unter anderem Christian Petzold, Wolfgang Becker, Angela Schanelec, Detlev Buck und Raoul Peck. Sechzig Jahre DFFB sind damit weniger eine abgeschlossene Erfolgsgeschichte als ein Archiv unterschiedlicher filmischer Haltungen. Das Jubiläum zeigt, was von einer Institution bleibt, wenn sich ihre technischen Mittel, ihre Stadt und ihr Publikum verändern: die Auseinandersetzung darüber, wie man Wirklichkeit beobachtet, welche Geschichten erzählt werden und mit welchen Bildern eine Gesellschaft sich selbst betrachtet.
