IFA Opening Night im ICC: Die Technologiemesse kehrt an einen historischen Ort zurück
Berlin hat die IFA 2026 am Donnerstagabend an einem Ort eröffnet, der selbst für eine Messe der Unterhaltungselektronik ungewöhnlich ist: im Internationalen Congress Centrum, kurz ICC. Mehr als ein Jahrzehnt war das markante Gebäude am Messedamm weitgehend aus dem öffentlichen Leben der Stadt verschwunden. Nun wurde es für die Opening Night der IFA wieder genutzt. Rund 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur waren zu dem Galaabend eingeladen.
Die Wahl des ICC war dabei mehr als eine Frage des Veranstaltungsortes. Das Gebäude gehört zu den prägnantesten Zeugnissen der West-Berliner Nachkriegsarchitektur. 1979 eröffnet, verfügt der denkmalgeschützte Komplex über rund 80 Räume und Säle mit einer Gesamtkapazität von bis zu 20.000 Menschen. Allein der größte Saal bietet Platz für rund 5.000 Besucher. Für die IFA, deren Geschichte eng mit der technologischen Entwicklung Berlins verbunden ist, entstand damit eine Verbindung zwischen Messegeschichte und Architekturgeschichte.
Eröffnet wurde die IFA von Franziska Giffey, Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Zu den politischen Gästen gehörten außerdem Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Jörg Stroedter, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, sowie Kirstin Bauch, Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf. Auch Vertreter wichtiger Unternehmen und Branchenverbände waren anwesend, darunter BSH, Euronics, Miele, BVT, ZVEI und NIQ. Die politische Präsenz unterstrich zugleich die wirtschaftliche Bedeutung der Messe für Berlin und die internationale Sichtbarkeit des Standorts.
Die eigentliche IFA beginnt am Freitag, dem 4. September. Bis zum 8. September werden auf dem Berliner Messegelände neue Produkte und Technologien aus den Bereichen Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte, digitale Anwendungen und vernetzte Systeme präsentiert. Die Veranstalter erwarten eine Größenordnung von rund 2.000 Ausstellern. Auf der aktuellen Ausstellerliste finden sich unter anderem Samsung, LG, Xiaomi, Miele, Siemens, Panasonic, TCL, Hisense und Volkswagen.
Damit verschiebt sich auch der Schwerpunkt der Messe. Die IFA ist längst nicht mehr allein eine Veranstaltung für Fernseher, Smartphones oder klassische Haushaltsgeräte. Künstliche Intelligenz, Robotik, vernetzte Haushalte und digitale Ökosysteme gehören inzwischen zu den zentralen Themen. Erste Berichte zur diesjährigen Messe zeigen entsprechend, wie stark Hersteller versuchen, KI nicht mehr nur als eigenständige Funktion, sondern als Bestandteil alltäglicher Geräte und Dienste zu etablieren.
Bemerkenswert ist dabei die zeitliche Konstellation: Während die IFA am Freitag ihre Messetore öffnet, feiert Berlin am selben Tag den 100. Geburtstag des Funkturms. Der Turm wurde am 3. September 1926 im Rahmen der damaligen Deutschen Funkausstellung eröffnet, aus der später die IFA hervorging. Damit treffen in diesem Jahr zwei unterschiedliche Symbole der Berliner Technikgeschichte unmittelbar aufeinander.
Nach dem Galaabend im ICC verlagerte sich das Geschehen in den IFA-Sommergarten. Dort wurde mit einem Konzert von BUNT. der Übergang von der offiziellen Eröffnung zur Festivalatmosphäre vollzogen. Die musikalische Gestaltung des Dinners übernahmen die Grandbrothers. Der Abend zeigte damit zugleich, wie sehr die heutige IFA versucht, Messe, Technologie, Kultur und öffentliche Inszenierung miteinander zu verbinden.
Am Freitag folgt der politische und fachliche Teil der Eröffnung. Franziska Giffey wird gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger über das Messegelände gehen und sich über aktuelle Entwicklungen der Branche informieren. Erst danach beginnt für die breite Öffentlichkeit die eigentliche Begegnung mit den Produkten, die in den kommenden Jahren den Alltag prägen sollen. Die IFA 2026 setzt damit nicht nur auf neue Technik, sondern auch auf einen historischen Rahmen: Ein wieder geöffnetes ICC, ein hundertjähriger Funkturm und eine Messe, die selbst auf eine mehr als hundertjährige Vorgeschichte der Berliner Funkausstellungen zurückblickt.
