Brunch in der Arminius-Markthalle: Zwischen Piano, Marktküchen und Berliner Kiezkultur
In der Arminius-Markthalle in Berlin-Moabit beginnt der Sonnabend nicht mit der üblichen Abfolge aus Frühstücksbuffet, Kaffee und einem Stück Kuchen, sondern mit einem Rundgang durch eine historische Markthalle. Zwischen Backstein, filigraner Eisenkonstruktion und den Marktständen wird der Brunch zu einer Art kulinarischem Spaziergang. Dazu eine Piano Begleitung , welche dezent die Atmosphäre prägt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Bei unserem Besuch ist die Halle sehr gut gefüllt, die Resonanz der Gäste entsprechend groß. Gerade diese Verbindung aus Gastronomie, Architektur und öffentlichem Raum macht den Reiz des Konzepts aus.
Die Arminius-Markthalle gehört zu den historischen Berliner Markthallen. Sie wurde 1890 bis 1891 nach Plänen von Hermann Blankenstein errichtet und als Markthalle X eröffnet. Das denkmalgeschützte Gebäude sollte ursprünglich die Lebensmittelversorgung im dicht besiedelten Moabit verbessern. Die Berliner Denkmaldatenbank beschreibt eine dreischiffige Halle mit einer filigranen Konstruktion aus Guss- und Schmiedeeisen sowie 72 schlanken Säulen. Nach einer Revitalisierung im Jahr 2010 entwickelte sich der Ort zunehmend zu einer Verbindung aus Lebensmittelhandel, Gastronomie, Handwerk und Veranstaltungen. Die historische Bausubstanz ist dabei nicht bloß Kulisse, sondern wesentlicher Bestandteil der Atmosphäre.
Der Brunch folgt konsequent dieser besonderen räumlichen Situation. Statt eines einzigen zentralen Buffets verteilen sich die Speisen auf verschiedene gastronomische Stationen. Auf dem Rundgang finden sich unter anderem Frühstücksangebote aus dem Hofladen, Fischgerichte, BBQ, italienische Speisen, Salate, Käse und Desserts. Das Prinzip erinnert weniger an ein klassisches Hotelbuffet als an einen kleinen Markt, bei dem die Gäste zwischen unterschiedlichen Küchen wechseln und sich ihr Essen individuell zusammenstellen. Die offizielle Brunchbeschreibung bestätigt dieses Konzept und nennt eine große Auswahl an kalten und warmen Speisen sowie vegetarische und vegane Angebote. Der Brunch findet regulär samstags, sonntags und an ausgewählten Feiertagen von 10 bis 14 Uhr statt.
Schon beim ersten Blick auf die Auswahl wird deutlich, dass hier nicht allein das klassische Frühstück bedient werden soll. Im „Hofladen“ stehen etwa Omeletts mit unterschiedlichen Zutaten, Spiegeleier und gekochte Eier bereit. Hinzu kommen Nürnberger Würstchen, knuspriger Speck und ab 11.30 Uhr frisch zubereitete Käsespätzle. Brot und Gebäck werden durch Marmeladen, Honig, Nutella, Antipasti, Käse- und Wurstspezialitäten ergänzt. Auch ein veganer Käse- und Wurstteller gehört zum Angebot. An der Salatbar finden sich unter anderem Kartoffelsalat, Gurkensalat, Karottensalat, Blattsalat, Tomaten, Mais, Croûtons sowie verschiedene Dressings.
Die kulinarische Spannweite reicht anschließend deutlich über den Frühstücksbereich hinaus. Im Fischladen stehen Fish and Chips, Poke Bowl mit Sashimi-Lachs und eine warme Reisschüssel mit Lachs, Edamame, Zuckerschoten und Pilzen auf dem Programm. Auch eine vegane Poke Bowl ist vorgesehen. Die BBQ-Station setzt dagegen auf Pulled Pork, veganes Pulled Pork, geräucherte Chicken Wings und Süßkartoffelpommes. Aus der italienischen Küche kommen Rindfleischlasagne, Trüffelpasta mit Wildkräutersalat und Parmesan sowie Pasta Contadina. Beim Dessert folgen unter anderem Schwarzwälder Kirschtorte, Pflaumenstreusel, Brownies, Tiramisu, Mousse au Chocolat, Rote Grütze und Grießpudding. Das Angebot wechselt teilweise, weshalb der konkrete Aufbau des Brunchs nicht als statisches Menü verstanden werden sollte.

Eine eigene Kinderstation richtet sich an Familien. Dort stehen Cerealien, frisches Obst, Käsewürfel und süße Kleinigkeiten bereit. An der Getränkestation im „Wohnzimmer“ ergänzen Kaffee, Ronnefeldt-Tee, Säfte, Wasser und Infused Water das Angebot. Das „Wohnzimmer“ ist zugleich einer der Bereiche, in denen am Wochenende der Brunch stattfindet. Die Betreiber beschreiben ihn als Café- und Barbereich und weisen ausdrücklich auf den Wochenendbrunch mit Frühstücks- und Mittagsgerichten sowie selbst gebackenen Kuchen hin.
Preislich ist das Angebot in mehrere Kategorien gegliedert. Der Klassik-Brunch kostet derzeit 49,90 Euro pro Person. Für 59,90 Euro bietet der Klassik Brunch Plus zusätzlich unbegrenzt Kaffeespezialitäten, Softdrinks sowie Fassbier und eine Weinauswahl. Die Deluxe-Variante liegt bei 89,90 Euro und ist nur mit Vorreservierung erhältlich. Sie erweitert das Angebot um Jakobsmuscheln und Royal Fish & Chips, Kalbs-Wiener-Schnitzel, Eggs Benedict und French Toast. Hinzu kommen frisch gepresster Orangensaft und eine Flasche französischer Crémant für zwei Personen. Die aktuellen Preise und die Zusammenstellung der drei Varianten werden auch in der derzeitigen Speisekarte bestätigt.
Der eigentliche Wert des Brunchs liegt allerdings weniger in der überwältigen Zahl der Speisen als in der Art, wie sie präsentiert und konsumiert werden. Wer sich durch sämtliche Stationen probiert, erlebt die Markthalle als gastronomischen Parcours. Kleine Portionen und die Möglichkeit, mehrfach zu den einzelnen Ständen zurückzukehren, fördern das Probieren und verhindern zumindest konzeptionell die klassische Logik eines Buffets, bei dem möglichst viel auf einmal auf dem Teller landet. Zugleich bleibt die Qualität der einzelnen Küchen dafür entscheidend: Ein solches Konzept funktioniert nur dann überzeugend, wenn die verschiedenen Stationen nicht bloß unterschiedliche Speisen anbieten, sondern jeweils eine erkennbare kulinarische Handschrift besitzen.
Bei unserem Besuch trägt dazu vor allem die Atmosphäre bei. Der Pianospieler gibt dem Vormittag einen ruhigen musikalischen Rahmen, während sich unter dem historischen Dach Gespräche, Geschirrklappern und die Bewegung der Gäste mischen.
John, der Bankettchef, überzeugt durch seine professionelle Organisation, seine gastronomische Erfahrung und sein sicheres Gespür dafür, den Ablauf und die Qualität eines anspruchsvollen Brunchs souverän miteinander zu verbinden auch seine persönliche Note mit den Gästen begeistert.
Die Halle ist gut besucht, ohne dass der Brunch seinen informellen Charakter verliert. Gerade darin liegt eine interessante gastronomische Qualität: Der Ort versucht nicht, die Markthalle in ein klassisches Restaurant umzuwandeln. Stattdessen bleibt ihre ursprüngliche Idee, Menschen an einem gemeinsamen Ort zusammenzubringen, spürbar.
Die Arminius-Markthalle ist damit ein Beispiel dafür, wie historische Berliner Markthallen heute gastronomisch genutzt werden können, ohne ihren Charakter vollständig zu verlieren. Aus einem Gebäude, das einst vor allem der Lebensmittelversorgung diente, ist ein gemischter öffentlicher Ort mit Handel, Gastronomie, Kultur und Veranstaltungen geworden. Die Berliner Denkmalschutzbehörden führen die Halle weiterhin als Baudenkmal. Der Brunch nutzt diese besondere Ausgangslage konsequent: Man kommt nicht nur zum Essen, sondern bewegt sich durch einen historischen Berliner Raum, in dem unterschiedliche Küchen aufeinandertreffen. Dass dieses Konzept auf viel Zuspruch stößt und die Plätze beim Besuch gut belegt sind, ist dabei weniger überraschend als die Tatsache, dass die historische Markthalle ihre eigentliche Stärke bewahrt hat: Sie bleibt ein Ort des öffentlichen Lebens, nur dass heute statt der früheren Marktstände vor allem Gastronomie, Kaffee, Piano und gemeinsames Essen den Rhythmus bestimmen.
