Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin zeigte sich in diesem Jahr ein wiederkehrendes Muster der globalen Reisebranche: Viele Destinationen werben nicht mehr allein mit Landschaften oder Infrastruktur, sondern mit Erfahrungen, die kulturelle Tiefe, Natur und Begegnung versprechen. Der malaysische Bundesstaat Sarawak nutzte die ITB Berlin 2026, um genau dieses Narrativ zu stärken. Im Mittelpunkt seines Messeauftritts standen zwei Projekte, die den Anspruch einer solchen Erlebnisdestination unterstreichen sollen: neue Flusskreuzfahrten auf dem Rajang River sowie der Niah-Nationalpark, der seit 2024 zum UNESCO-Welterbe gehört.

Sarawak liegt im Norden der Insel Borneo und ist flächenmäßig der größte Bundesstaat Malaysias. Seine touristische Entwicklung folgt seit einigen Jahren einer klaren Strategie: Natur- und Kulturerlebnisse sollen stärker in den internationalen Markt getragen werden. Die Präsentation auf der ITB Berlin war Teil dieser langfristigen Positionierung. Während der Messetage trafen Vertreter des Sarawak Tourism Board internationale Reiseveranstalter, Medien und Branchenakteure zu Fachgesprächen, Präsentationen und Netzwerkveranstaltungen. Ziel war es, Partnerschaften mit europäischen Reiseanbietern auszubauen und neue Angebote für den Fernreisemarkt zu etablieren.

Ein zentrales Element dieser Strategie sind die neuen Flussreisen auf dem Rajang River, dem längsten Fluss Malaysias. Mehrtägige Kreuzfahrten führen von der Stadt Sibu aus tief ins Innere Borneos. Die Route folgt historischen Handelswegen entlang von Flussdörfern, Märkten und Regenwaldlandschaften. Flüsse sind in dieser Region bis heute zentrale Verkehrsachsen. Sie prägen wirtschaftliche Strukturen ebenso wie kulturelle Identitäten. Die touristische Erschließung dieser Wasserwege versucht, genau diese Verbindung von Naturraum und Alltagskultur sichtbar zu machen. Ergänzt wird das Angebot durch kürzere Abendfahrten in Kuching und Sibu, die vor allem urbane Perspektiven auf die Flusslandschaften bieten.

Der zweite Schwerpunkt des ITB-Auftritts war der Niah-Nationalpark im Norden Sarawaks. Die dortigen Kalksteinhöhlen gehören zu den bedeutendsten archäologischen Fundstätten Südostasiens. Forschungen haben Spuren menschlicher Besiedlung nachgewiesen, die rund 65.000 Jahre zurückreichen. In den Höhlen wurden unter anderem prähistorische Bestattungen und Steinwerkzeuge entdeckt. Die Aufnahme des Parks in die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 2024 unterstreicht seine wissenschaftliche Bedeutung. Gleichzeitig steht das Gebiet exemplarisch für den Versuch, archäologisches Erbe und Biodiversität gemeinsam zu schützen. Der Park liegt in einem großflächigen Regenwaldgebiet, das eine hohe Artenvielfalt aufweist und zu den ökologisch wertvollsten Regionen Südostasiens zählt.

Dass Sarawak diese beiden Themen in Berlin hervorhob, ist kein Zufall. Der Bundesstaat verzeichnet seit einigen Jahren steigende Besucherzahlen, auch aus Europa. Insgesamt reisten 2025 rund 57.000 Gäste aus europäischen Ländern nach Sarawak, mehr als in den Jahren zuvor. Allein aus Deutschland kamen über 7.500 Besucher, ein Anstieg von mehr als einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wächst der gesamte Tourismussektor des Bundesstaates deutlich. 2025 wurden knapp fünf Millionen Besucher registriert, die Einnahmen aus dem Tourismus lagen bei rund 12,6 Milliarden Ringgit.

Die Zahlen zeigen, dass Sarawak seine internationale Sichtbarkeit in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut hat. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb im Fernreisemarkt intensiv. Viele Regionen Südostasiens setzen inzwischen auf ähnliche Narrative: nachhaltiger Tourismus, Begegnungen mit lokalen Gemeinschaften und Naturerlebnisse abseits großer Metropolen. Sarawak versucht, sich in diesem Feld über seine kulturelle Vielfalt zu profilieren. Im Bundesstaat leben mehr als 30 ethnische Gruppen mit eigenen Sprachen, Ritualen und kulinarischen Traditionen. Diese Vielfalt ist Teil eines touristischen Konzeptes, das unter dem Kürzel CANFF zusammengefasst wird: Culture, Adventure, Nature, Food und Festivals.

Vor diesem Hintergrund ist der Auftritt auf der ITB weniger als kurzfristige Werbeaktion zu verstehen, sondern als Baustein einer langfristigen internationalen Strategie. Für europäische Reisende, die zunehmend nach weniger erschlossenen Regionen suchen, könnte Sarawak damit zu einer Alternative innerhalb Südostasiens werden. Entscheidend wird jedoch sein, ob es gelingt, Wachstum und Schutz der sensiblen Regenwaldökosysteme dauerhaft miteinander zu verbinden. Gerade in einer Region wie Borneo, deren Natur zu den ältesten und artenreichsten der Erde gehört, wird sich daran messen lassen, wie glaubwürdig die Versprechen eines nachhaltigen Tourismus tatsächlich sind.

Von admin