Beim traditionellen Waldeigentümerempfang zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche hat sich die forstpolitische Debatte in Berlin in der vergangenen Woche eindrucksvoll verdichtet. Unter dem Dach des Verbandes AGDW – Die Waldeigentümer trafen sich im Palais am Funkturm mehr als 1.000 Akteure aus Bundes- und Landespolitik, Verbänden, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um zukünftige Wege für Wald und Forstwirtschaft in Deutschland zu erörtern. Zu den Gästen gehörten unter anderem Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sowie mehrere Landesminister und Parlamentarier aus Bund, Ländern und dem Europaparlament. Der Empfang gilt als zentraler Treffpunkt vor dem offiziellen Beginn der Grünen Woche und spiegelt die wachsende politische Relevanz der Waldbewirtschaftung wider.
Der Präsident des AGDW, der Forstökonom Prof. Andreas Bitter, nutzte die Veranstaltung, um die Interessen der rund zwei Millionen privaten, kommunalen und kirchlichen Waldeigentümer in Deutschland in den Mittelpunkt zu rücken. In seinen Ausführungen betonte Bitter die Bedeutung einer praxisorientierten Forstpolitik, die sowohl ökologische Herausforderungen des Klimawandels als auch ökonomische Rahmenbedingungen berücksichtigte. Der Verband sieht in den aktuellen politischen Rahmenbedingungen insbesondere bei europäischen Regulierungsvorhaben – etwa der EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Lieferketten (EUDR) oder der umstrittenen Wiederherstellungsverordnung – erhebliche Risiken für die Bewirtschaftungspraxis und die Eigentumsfreiheit der Waldbesitzer. Die EUDR, die vorschreibt, dass bestimmte Produkte, darunter Holz, nur in den EU-Markt gelangen dürfen, wenn sie nicht zur Entwaldung beigetragen haben, befindet sich derzeit in einem komplexen Abstimmungsprozess auf EU-Ebene; Europäische Institutionen haben jüngst Änderungen vereinbart, die unter anderem eine Verschiebung des Inkrafttretens und Vereinfachungen bei der Umsetzung vorsehen. Experten sehen darin ein Zeichen der Reaktion auf Kritik aus Wirtschaft und Politik, gleichzeitig bleibt die Umsetzung herausfordernd für viele Akteure.
In seiner Rede rückte der sächsische Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch die historische Kontinuität nachhaltiger Waldbewirtschaftung in den Fokus. Er verwies auf Pioniere der Forstwissenschaft und unterstrich die Verantwortung der Politik, Regulierung so zu gestalten, dass sie den realen Bedingungen in den Wäldern gerecht wird. Konkret forderte er eine Reform praxisferner Vorschriften und eine Stärkung der Handlungsspielräume der Waldbesitzer.
Bundeslandwirtschaftsminister Rainer hob in seinen Ausführungen die Erfolge beim Abbau bürokratischer Belastungen hervor, etwa durch Verschiebungen und Anpassungen bei der EUDR. Zugleich bekräftigte er die Unterstützung des Ziels globalen Waldschutzes, allerdings mit dem Zusatz, dass dessen Umsetzung „praxisgerecht und wirtschaftlich tragfähig“ sein müsse – ein Hinweis auf die in der Branche verbreitete Sorge, Regulierung könne ohne differenzierte Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten zu Belastungen für heimische Betriebe führen.
Die Debatten des Abends spiegelten die strukturellen Spannungen wider, die die deutsche Forstwirtschaft derzeit prägen: Auf der einen Seite stehen ambitionierte ökologische und klimapolitische Ziele, auf der anderen Seite erhebliche Anpassungsbedarfe der rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels, zunehmender Stürme, Trockenperioden und Schädlingsbefall wird deutlich, dass klassische forstwirtschaftliche Konzepte an ihre Grenzen stoßen und neue Strategien gefragt sind. Für Verbände wie die AGDW ist dabei zentral, dass politische Entscheidungen nicht an der Basis der Bewirtschaftung vorbei getroffen werden, sondern den Erfahrungsschatz derjenigen berücksichtigen, die tagtäglich für die Pflege und Entwicklung der Wälder verantwortlich sind.
Eine weitere Stoßrichtung der Verbandsarbeit ist die Betonung des öffentlichen Nutzens nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Gerade in einem Wahljahr, in dem politische Weichenstellungen für die kommende Legislaturperiode in Bund und Ländern verhandelt werden, zielt der Empfang darauf ab, die Sichtbarkeit und Gewichtung forstlicher Themen im politischen Wettbewerb zu erhöhen. Dass Maßnahmen wie die Vereinfachung von Regularien oder die Anpassung europäischer Vorgaben nicht nur technische Feinheiten bleiben, sondern konkrete Auswirkungen auf Bewirtschaftungspraxis und Standortentwicklung haben, wurde von den Diskussionsteilnehmern unisono hervorgehoben.
Bildquelle: AGDW/Sebastian Runge
