FIRST STEPS Awards 2026: Die Stars von morgen erobern das Theater des Westens
Berlin feiert den Filmnachwuchs: Bei den FIRST STEPS Awards wurden am 5. Oktober herausragende Abschlussfilme und junge Filmschaffende ausgezeichnet. Zu den Preisträgern gehörten Hae-Sup Sin, Daniela Magnani Hüller, Georgia Rushton und Kilian Friedrich. Im Berliner Theater des Westens trafen Nachwuchstalente auf etablierte Namen der Filmbranche.
Ein Abend für neue Perspektiven, starke Geschichten und die nächste Generation des deutschen Films: Am Montag, dem 5. Oktober 2026, wurden im Berliner Theater des Westens die FIRST STEPS Awards verliehen. Die Auszeichnung gilt als einer der bedeutendsten Nachwuchspreise der deutschsprachigen Filmbranche. Insgesamt stehen 132.000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Ausgezeichnet werden junge Filmschaffende, deren Arbeiten während oder im Umfeld ihrer Ausbildung entstanden sind.
Die Preisverleihung brachte Nachwuchsregisseurinnen und -regisseure, Schauspielerinnen und Schauspieler, Produzenten, Drehbuchautoren sowie Vertreter der etablierten Filmwirtschaft zusammen. Rund 1200 Gäste waren im Vorfeld erwartet worden. Durch den Abend führten die Schauspieler Malaya Stern Takeda und Maximilian Mundt. Schauspielerin und Entertainerin Gisa Flake übernahm das Warm-up, während unter anderem die Filmemacher Eva Trobisch und Erik Schmitt sowie Moderatorin Hadnet Tesfai als Laudatoren mitwirkten.
Auch auf dem roten Teppich spiegelte sich die Verbindung zwischen etablierten Künstlern und der kommenden Generation wider. Zu den angekündigten Gästen gehörten FIRST-STEPS-Gründer Nico Hofmann, Florian Gallenberger, Präsident der Deutschen Filmakademie, sowie die Schauspielerinnen und Schauspieler Adriana Altaras, Bibiana Beglau, Fabian Busch, Yvonne Catterfeld, Anja Kling, Claudia Michelsen, Minh-Khai Phan-Thi und Lea van Acken. Die Verleihung wurde ab 19.30 Uhr in der ARD-Mediathek übertragen.
Im Mittelpunkt standen jedoch die Filme und ihre Urheber. In der Kategorie Kurzfilm überzeugte Hae-Sup Sin mit „BAN DAL“. Der 21-minütige Film erzählt von der Begegnung einer Adoptivmutter und ihres Sohnes mit dessen leiblicher Mutter in Korea. Eine Übersetzerin begleitet die Beteiligten bei ihrem Versuch, einander zu verstehen. Die Jury hob insbesondere die präzise Bildsprache und den sensiblen Umgang mit Fragen nach Zugehörigkeit, kulturellen Unterschieden und Identität hervor. Der Preis war mit 10.000 Euro dotiert.
Den Götz George Nachwuchspreis erhielt Georgia Rushton für ihre Darstellung in „EGGSHELLS“. Der 17-minütige Kurzfilm handelt von einer jungen Kellnerin, die an ihrem Geburtstag mit Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter konfrontiert wird. Die Jury würdigte Rushtons zurückhaltendes Spiel und ihre Fähigkeit, Gefühle durch kleine Gesten und Blicke sichtbar zu machen.
Eine besondere gesellschaftliche Relevanz brachte der ausgezeichnete Dokumentarfilm „WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT“ von Daniela Magnani Hüller in den Wettbewerb ein. Die Filmemacherin kehrt darin zu einer Gewalterfahrung aus ihrer Jugend zurück. Als 16-jährige Schülerin hatte sie einen versuchten Femizid durch einen Mitschüler überlebt. Vierzehn Jahre später untersucht sie in ihrem Film, wie Warnsignale übersehen werden, welche Verantwortung das Umfeld trägt und wie Menschen besser geschützt werden können. Die Jury lobte die persönliche und zugleich politische Perspektive sowie die filmische Form, die der Betroffenen Raum lässt, ohne sie auf ihre Erfahrung zu reduzieren. Der Dokumentarfilmpreis war mit 15.000 Euro dotiert.
Auch die erzählerische Vielfalt des Nachwuchsfilms wurde gewürdigt. Patricia Schütz gewann den Big Audience Award für das Drehbuch zum Serienpiloten „OPERATION OBERLAND“. Die Geschichte verbindet humorvolle Situationen mit Figuren, deren persönliche Konflikte und Verletzlichkeit hinter der komischen Oberfläche sichtbar werden. Der Preis war mit 7.000 Euro dotiert.
Der Michael Ballhaus Preis ging an Lea Dähne für ihre Kameraarbeit am abendfüllenden Spielfilm „RUN ME WILD“. Die Jury hob den bewussten Einsatz von Perspektiven, Nahaufnahmen, Bewegung, Licht und Farbe hervor. Dähnes Bildgestaltung forme eine eigenständige filmische Welt, die zugleich expressiv und zurückhaltend wirke. Die Auszeichnung war ebenfalls mit 7.000 Euro dotiert.
Produzent Justus Hagemann erhielt den No Fear – Bernd Eichinger Award für „VOM BÖSEN BLICK“. Im Mittelpunkt der Jurybegründung stand seine Fähigkeit, unter schwierigen finanziellen Bedingungen einen anspruchsvollen Film zu ermöglichen und zugleich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Gewerken sowie sichere Arbeitsbedingungen für alle Beteiligten zu schaffen. Der Preis war mit 7.000 Euro ausgestattet.
In der Kategorie Short Steps wurde Yerkezhan Sabitbekova für den dreiminütigen Film „QAMAJAI“ ausgezeichnet. Die Arbeit verbindet eine reduzierte Bildsprache mit Elementen traditioneller kasachischer Kunst und einer politischen Aussage. Der Preis für das kurze Format betrug 5.000 Euro.
Maximilian Conway gewann mit „HASENFUSS“ den Preis für den mittellangen Spielfilm. Das 30-minütige Drama beschäftigt sich mit dem Wunsch nach Anerkennung und Selbstverwirklichung und zeigt, wie persönliche Fehlentscheidungen das eigene Umfeld belasten können. Die Jury würdigte die differenzierte Darstellung widersprüchlicher Figuren und die bewusste Offenheit der moralischen Fragen. Die Auszeichnung war mit 12.000 Euro dotiert.
Für das Drehbuch zu „BLAUE STUNDE“ wurde Celina Rehr ausgezeichnet. Die Geschichte führt auf einen französischen Campingplatz, wo die elfjährige Luisa während eines Sommerurlaubs zunehmend mit der Alkoholkrankheit ihrer Mutter konfrontiert wird. Rehr erzählt von familiärer Nähe, Enttäuschung und dem schwierigen Weg zur eigenen Freiheit aus der Perspektive eines Kindes. Die Jury betonte die dramaturgische Präzision und die sensible Erzählweise. Der Drehbuchpreis war mit 7.000 Euro dotiert.
Der Preis für den abendfüllenden Spielfilm ging an Kilian Friedrich für „ICH VERSTEHE IHREN UNMUT“. Sein 93-minütiges Debüt begleitet eine Beschäftigte in einem Einkaufszentrum, die unter permanentem Zeitdruck Aufgaben koordinieren, Konflikte lösen und Ausfälle auffangen muss. Mit einer eng an der Hauptfigur bleibenden Kamera macht Friedrich die Belastung prekärer Arbeitsbedingungen unmittelbar erfahrbar. Die Jury würdigte den präzisen Blick auf Menschen, deren Arbeit den Alltag vieler anderer ermöglicht, aber häufig unsichtbar bleibt. Der Preis war mit 20.000 Euro die höchstdotierte Einzelauszeichnung des Abends.
Die FIRST STEPS Awards wurden 1999 von den Produzenten Bernd Eichinger und Nico Hofmann als private Nachwuchsinitiative der Filmwirtschaft gegründet. Seit dem Jahr 2000 bietet die Verleihung jungen Filmschaffenden eine öffentliche Bühne. Der Wettbewerb umfasst Abschlussfilme und vergleichbare Arbeiten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. In diesem Jahr hatten fünf Fachjurys aus insgesamt 159 Einreichungen die Nominierten in zehn Kategorien ausgewählt.
Dabei versteht sich FIRST STEPS nicht allein als Preisverleihung. Das Programm begleitet die Nominierten und ehemaligen Preisträger über das gesamte Jahr hinweg. Begegnungen mit erfahrenen Branchenvertretern, fachlicher Austausch und berufliche Vernetzung sollen den Übergang von der Ausbildung in die Filmwirtschaft erleichtern.
Veranstaltet werden die FIRST STEPS Awards von der Deutschen Filmakademie in Partnerschaft mit ARD, BetaBerlin Productions, Constantin Film, Netflix, Prime Video, Seven.One Entertainment Group, Studio Hamburg, UFA und Warner Bros. Discovery. Weitere Unterstützung kommt unter anderem vom Medienboard Berlin-Brandenburg, der GÖTZ GEORGE STIFTUNG, Katja und Nina Eichinger sowie der Michael Ballhaus Stiftung.
Der Abend im Theater des Westens machte deutlich, wie unterschiedlich die Themen und filmischen Handschriften des neuen Jahrgangs sind. Die ausgezeichneten Arbeiten erzählen von Identität und familiären Konflikten, von Gewalt und gesellschaftlicher Verantwortung, von Arbeitsbedingungen und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben. Gerade diese Bandbreite zeigt, dass der Filmnachwuchs nicht nur neue ästhetische Formen erprobt, sondern auch die gesellschaftlichen Fragen seiner Zeit aufgreift.
