Michael Souvignier mit Carl Laemmle Produzentenpreis ausgezeichnet
Michael Souvignier ist mit dem Carl Laemmle Produzentenpreis 2026 ausgezeichnet worden. Der Produzent erhielt die Auszeichnung am 18. September bei einer Gala im Schloss Großlaupheim für ein mehr als vier Jahrzehnte umfassendes Werk, das vom klassischen Fernsehfilm über gesellschaftlich umstrittene Stoffe bis zu internationalen Serienproduktionen reicht. Die Jury würdigte insbesondere eine Produzentenhaltung, die auf inhaltliche Überzeugung und Eigenverantwortung setzt. Der seit 2017 von der Produktionsallianz gemeinsam mit der Stadt Laupheim vergebene Preis zeichnet das Lebenswerk einer Produzentenpersönlichkeit aus und erinnert zugleich an Carl Laemmle, den 1867 in Laupheim geborenen Gründer der Universal Studios. Souvigniers Karriere begann nicht unmittelbar mit der Produktion. Nach ersten Arbeiten als Regisseur für nonfiktionale Fernsehformate und Werbespots gründete er 1985 Zeitsprung Pictures. Von dort aus entwickelte sich eine Laufbahn, in der Souvignier immer wieder Stoffe produzierte, die über das reine Unterhaltungsgeschäft hinausreichten. Zu seinen bekannten Arbeiten gehört „Das Wunder von Lengede“, das als zweiteiliger Fernsehfilm ein großes Publikum erreichte. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgte auch „Contergan“, der die Folgen des Medikaments thematisierte und vor seiner Ausstrahlung Gegenstand eines Rechtsstreits wurde. Später folgten unter anderem die Filmbiografie „Lieber Thomas“, für die Souvignier 2022 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, sowie die international ausgewertete Serie „Kleo“. Die Spannweite seines Schaffens ist damit zugleich ein Spiegel der Veränderungen, die die deutsche Filmproduktion seit den achtziger Jahren durchlaufen hat: Das Fernsehen verlor seine einstige Monopolstellung, internationale Streamingplattformen kamen hinzu und der Produzent wurde zunehmend zu einer Figur, die nicht nur Finanzierung und Organisation eines Projekts verantwortet, sondern bereits bei der Auswahl und Entwicklung eines Stoffes entscheidenden Einfluss nimmt. Die Jury des Carl Laemmle Produzentenpreises, der Birgit Schulz, Nurhan Şekerci-Porst, Knut Kremling und Helga Reichert angehörten, hob bei Souvignier deshalb nicht nur einzelne Produktionen hervor, sondern die Kontinuität seines produzentischen Arbeitens. Sein Gesamtwerk umfasst Spielfilme, Dokumentarfilme und Serien für Kino und Fernsehen. In seiner Dankesrede formulierte Souvignier seinen eigenen Anspruch mit den Begriffen Neugier, Wahrhaftigkeit und dem Kampf gegen Ungerechtigkeit. Der Gedanke passt zu einem Teil seiner Filmografie, in der gesellschaftliche Konflikte und historische Erfahrungen wiederholt eine Rolle spielen. Zugleich zeigt die Auszeichnung, wie sich die Wahrnehmung des Produzentenberufs verändert hat. Produzenten sind heute nicht mehr ausschließlich diejenigen, die hinter den Kulissen die Voraussetzungen für einen Film schaffen. Sie bestimmen mit, welche Geschichten finanziert werden, welche Regisseure und Autoren zusammenarbeiten und welche Perspektiven in den Produktionsprozess einfließen. Genau an diesem Punkt setzt auch der zweite Preis des Abends an. Der Carl Laemmle VFF Talentpreis 2026 ging an Paulina Lorenz, Jorgo Narjes und Faraz Shariat für den Spielfilm „Staatsschutz“. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung richtet sich an jüngere Produzentinnen und Produzenten und soll deren künstlerische und unternehmerische Arbeit sichtbar machen. „Staatsschutz“ ist dabei selbst ein Film, bei dem die Rolle der Produktion eng mit dem Inhalt verbunden ist. Faraz Shariat führte Regie und produzierte gemeinsam mit Paulina Lorenz und Jorgo Narjes. Der Film erzählt von der jungen Staatsanwältin Seyo Kim, die nach einem rassistischen Angriff beginnt, innerhalb der eigenen Institution nach den Hintergründen rechter Gewalt zu suchen. Der Stoff beschäftigt sich damit mit institutioneller Verantwortung, den Grenzen staatlicher Strukturen und der Frage, wie der Rechtsstaat mit rechtsextremer Gewalt umgeht. Seine Weltpremiere hatte „Staatsschutz“ im Februar 2026 im Panorama der Berlinale. Dort erhielt der Film den Panorama-Publikumspreis sowie weitere Auszeichnungen. Seit dem 27. August läuft er in den deutschen Kinos. Die Entscheidung für „Staatsschutz“ als Talentpreisträger verweist damit auf eine jüngere Vorstellung vom Produzieren. Die Produktionsarbeit wird nicht allein als wirtschaftliche oder organisatorische Aufgabe verstanden, sondern als Teil der inhaltlichen Entwicklung eines Films. Paulina Lorenz, Jorgo Narjes und Faraz Shariat stehen dabei für unterschiedliche Wege in die Produktion. Lorenz war unter anderem an „Futur Drei“ beteiligt, Shariats vielfach ausgezeichnetem Spielfilmdebüt. Narjes arbeitete bei X Filme und war unter anderem an der Anthologie-Serie „Zeit Verbrechen“ beteiligt. „Staatsschutz“ bringt diese Erfahrungen im Kino zusammen. Bei der Gala in Laupheim kamen rund 400 Gäste aus Film, Fernsehen, Politik und Wirtschaft zusammen. Unter ihnen waren der Laupheimer Oberbürgermeister Ingo Bergmann, Michelle Müntefering von der Produktionsallianz sowie die Schauspieler Anna Loos, Jan Josef Liefers, Alessija Lause, Amanda da Gloria und Isabella Schmid. Moderiert wurde der Abend von Andrea Grießmann. Für die Stadt Laupheim ist der Preis zugleich ein Stück Erinnerungskultur. Carl Laemmle wurde dort 1867 geboren, wanderte als junger Mann in die Vereinigten Staaten aus und wurde zu einer der prägenden Figuren der frühen amerikanischen Filmindustrie. Der nach ihm benannte Produzentenpreis verbindet diese historische Figur mit der Gegenwart der deutschen Filmproduktion. 2026 trifft dabei eine etablierte Produzentenpersönlichkeit auf eine jüngere Generation, deren Verständnis von Filmproduktion stärker von gesellschaftlicher Verantwortung und der Suche nach neuen Erzählformen geprägt ist. Souvigniers Auszeichnung und der Talentpreis für „Staatsschutz“ erzählen deshalb auch eine gemeinsame Geschichte: Film entsteht nicht erst dort, wo die Kamera läuft. Die entscheidenden Entscheidungen fallen oft lange vorher, bei der Auswahl eines Stoffes, bei seiner Finanzierung und bei der Frage, welche Haltung ein Projekt gegenüber der Wirklichkeit einnimmt.
