Am 11. Februar 2026 markierte der BLAUE BLUME Award in Berlin einen Wendepunkt im deutschsprachigen Kurzfilm-Kosmos: Zum 15. Mal wurde der seit 2011 bestehende Preis für romantische Kurzfilme verliehen. Der von Romance TV initiierte Wettbewerb gilt als konstante Plattform für junge Filmschaffende, deren Arbeiten in der Regel weder im Kino noch im klassischen Fernsehen zu sehen sind und die sich filmisch mit Facetten von Liebe, Nähe und zwischenmenschlicher Sehnsucht auseinandersetzen. Seit seinem ersten Durchlauf während der Berlinale hat sich der Preis in der deutschen Filmszene etabliert und spiegelt einen kontinuierlichen Wandel in der Darstellung romantischer Narrative wider.
Im Jubiläumsjahr wurde der Ablauf des Awards grundlegend überarbeitet: Die Preisverleihung fand erstmals als festliche Abendveranstaltung im Fredericks Berlin statt, ein Schritt, der dem Ereignis eine größere public dimension geben und der Arbeit der Nominierten eine angemessene Bühne bieten sollte. Zudem erweitert eine international zusammengesetzte Jury, bestehend aus Filmschaffenden, Produzenten und Medienexpertinnen, den Blick auf die thematische Bandbreite des Genres. Unter den Jurymitgliedern waren sowohl langjährige Begleiter des Awards als auch Neuzugänge aus Redaktion, Produktion und akademischer Lehre vertreten.
Insgesamt zehn Kurzfilme standen im Finale, darunter Beiträge wie Boy meets Girl, Eden und Paradiesvogel. Sie alle greifen unterschiedliche Aspekte zeitgenössischer Romantik auf, von klassischen Liebeskonstellationen bis zu subtileren, modernen Formulierungen emotionaler Nähe, und zeigen damit die Vielfalt zeitgenössischer filmischer Erzählweisen. Die Werke zeichnen sich jeweils durch eine eigenständige filmische Handschrift aus, die über simple Genreklischees hinausgeht und narrative wie gestalterische Komplexität sucht.
Ein besonderer Fokus der Veranstaltung galt der Auszeichnung herausragender Einzelpersonen: Der in diesem Jahr vergebene Ehrenpreis ging an die Regisseurin und Schauspielerin Karoline Herfurth. Herfurth, die bereits 2014 mit ihrem Kurzfilm Mittelkleiner Mensch beim BLAUE BLUME Award ausgezeichnet worden war, wurde für ihren Beitrag zur Weiterentwicklung des romantischen Films und ihre Vorbildfunktion für Nachwuchsfilmerinnen und -filmer gewürdigt. Im Laufe ihrer Karriere hat sie immer wieder einen Blick für die feinen Nuancen zwischenmenschlicher Beziehungen bewiesen, der sowohl gesellschaftliche Sensibilitäten wie Selbstbestimmung und Gleichberechtigung reflektiert als auch filmästhetisch eigenständig bleibt.
Der BLAUE BLUME Award nimmt damit weiterhin eine Sonderrolle im deutschsprachigen Filmpreis-Feld ein: Er verbindet Förderung junger Talente mit einem Genre, das in der großen Festivalszene oft ein Schattendasein führt, und setzt zugleich auf eine wachsende Internationalisierung – etwa durch die wiederholte Einbeziehung polnischer Kurzfilme mit eigener Preisvergabe vor Ort. Diese Ausrichtung unterstreicht, dass romantisches Erzählen im Film keineswegs eindimensional ist, sondern ein breites Spektrum an emotionaler, gesellschaftlicher und formaler Komplexität eröffnet.
