Christian Redl mit Götz-George-Preis geehrt: Ein Abend voller großer Namen und großer Gefühle
Berlin hatte an diesem Abend einen besonderen Schauspieler zu feiern: Christian Redl ist mit dem Götz-George-Preis 2026 ausgezeichnet worden. Am 14. September versammelten sich rund 160 Gäste im Kaiserin-Friedrich-Haus, um einen Mann zu ehren, der seit fast sechs Jahrzehnten zur ersten Reihe deutscher Schauspielkunst gehört. Zwischen Kollegen, Freunden und langjährigen Weggefährten wurde schnell deutlich, dass dieser Abend mehr war als eine gewöhnliche Preisverleihung. Es ging um ein Schauspielerleben, um Freundschaften und nicht zuletzt um die Erinnerung an einen großen Namen, der über dem Preis steht: Götz George.
Christian Redl nahm die Auszeichnung sichtbar bewegt entgegen. Seine Worte richtete er dabei nicht nur an die Gäste im Saal, sondern vor allem an den Namensgeber des Preises. „Meine Gedanken sind heute Abend bei Dir, lieber Götz, denn letztendlich bist Du es doch, dem ich all das, was mir hier geschieht, zu verdanken habe“, sagte Redl. Ein Satz, der dem Abend seinen persönlichsten Moment gab. Denn Götz George und Christian Redl verbindet nicht nur der Beruf. Beide gehören zu einer Schauspielergeneration, die ihre Kunst auf der Bühne gelernt und über Jahrzehnte für Kino und Fernsehen weiterentwickelt hat.
Redl wurde für seine unverwechselbare Präsenz und Ausdruckskraft geehrt. Seit nahezu 60 Jahren ist er auf deutschen Bühnen sowie in Film und Fernsehen zu sehen. Einem großen Publikum ist er unter anderem aus dem „Spreewaldkrimi“ bekannt, in dem er als Kommissar Krüger über viele Jahre eine der prägenden Figuren der Reihe spielte. Doch seine Karriere reicht weit über diese Rolle hinaus. Redl arbeitete mit bedeutenden Regisseuren des deutschen Theaters und Films und entwickelte über die Jahrzehnte ein Rollenprofil, das weniger vom Star-Glamour als von intensiver Präsenz und charakterstarken Figuren geprägt ist.
Für den Abend in Berlin hatten sich entsprechend viele bekannte Gesichter aus der deutschen Schauspiel- und Kulturszene angekündigt. Angela Winkler, Judy Winter, Ulrich Matthes, Claudia Geisler-Bading, Thorsten Merten, Burghart Klaußner, Alice Dwyer, Sabin Tambrea, Jasmin Tabatabai, Andreas Pietschmann, Wanja Mues, Götz Schubert, Petra Zieser, Julia Jäger, Sheri Hagen und Herbert Knaup gehörten zu den Gästen. Auch Produzent Nico Hofmann war dabei. Aus der Berliner Politik kam der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Damit wurde der Abend zugleich zu einem kleinen Treffen der deutschen Film- und Fernsehwelt.
Besonders persönlich war die Begegnung mit Tanja George und Marika George. Tanja George, die Tochter des verstorbenen Schauspielers, sowie Marika George, seine Ehefrau und Vorstandsvorsitzende der Götz George Stiftung, standen an diesem Abend für die Verbindung zwischen dem Preisträger und dem Mann, dessen Namen die Auszeichnung trägt. Auf einem der Bilder des Abends sind Tanja George, Adriana Altaras, Christian Redl und Marika George gemeinsam zu sehen. Es sind solche Momente, die einer Preisverleihung ihre besondere Atmosphäre geben: Menschen, die sich seit Jahren kennen, treffen aufeinander, erinnern sich und feiern einen Kollegen, dessen Arbeit sie begleitet hat.
Der Götz-George-Preis wird an Schauspielerinnen und Schauspieler für ihre Lebensleistung vergeben. Damit richtet sich die Auszeichnung bewusst auf eine Phase der Karriere, in der viele Künstler zwar auf jahrzehntelange Erfahrung zurückblicken können, im schnelllebigen Filmgeschäft aber zunehmend weniger im Mittelpunkt stehen. Der Preis setzt hier einen Kontrapunkt. Nicht der aktuelle Kinostart oder die nächste Serienpremiere entscheidet über die Aufmerksamkeit, sondern das, was über Jahrzehnte geblieben ist.
Bei Christian Redl ist einiges geblieben. Seine markante Stimme, sein intensives Spiel und seine Fähigkeit, Figuren auch mit kleinen Gesten zu charakterisieren, gehören zu den Merkmalen seiner Arbeit. Er war nie der Schauspieler, der eine Szene mit großen Gesten an sich reißen musste. Oft genügte ein Blick. Gerade diese Konzentration machte ihn für Regisseure und Zuschauer interessant.
Dass die Auszeichnung 2026 an Redl ging, fügte sich damit auch in die Geschichte des Preises ein. Seit seiner Einführung wurden Schauspielpersönlichkeiten wie Karin Baal, Margit Carstensen, Peter Striebeck, Gudrun Ritter, Matthias Habich, Angela Winkler, Michael Mendl und Judy Winter geehrt. Es ist eine Reihe von Namen, die für unterschiedliche Facetten deutscher Schauspielgeschichte stehen.
Am Ende blieb vor allem ein sehr persönlicher Moment. Christian Redl stand im Mittelpunkt, doch sein Blick ging an diesem Abend immer wieder zurück zu dem Mann, dessen Namen die Auszeichnung trägt. Götz George, der selbst zu den großen Schauspielern des deutschen Nachkriegsfilms gehörte, war nicht mehr im Saal. Und doch war er präsent. Vielleicht war genau das die schönste Pointe dieses Abends: Ein Preis, der seinen Namen trägt, wurde einem Schauspieler überreicht, der selbst auf eine lange, eigenständige Karriere zurückblicken kann. Berlin feierte Christian Redl. Und erinnerte zugleich an Götz George.
