Am Rande der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale, 12.–22. Februar 2026) rückt das Programm European Shooting Stars erneut in den Blick der internationalen Branche. Die Initiative der European Film Promotion (EFP) wählt seit 1998 jährlich zehn Schauspielerinnen und Schauspieler aus ganz Europa aus, um ihnen während des Festivals eine Plattform für Vernetzung mit internationalen Casting-Direktoren, Produzenten und Journalistinnen zu bieten. Dabei gilt das Programm seit Jahrzehnten als einer der verlässlichsten Indikatoren dafür, welche Talente aus dem europäischen Film in den kommenden Jahren eine größere internationale Präsenz entwickeln könnten; zu den Alumni zählen unter anderem Daniel Craig, Franz Rogowski und Alicia Vikander.

Sie stehen nebeneinander, zehn Gesichter aus zehn Ländern, aufgenommen vor dem Beginn jener Tage, die über Sichtbarkeit entscheiden. Das Gruppenbild der European Shooting Stars 2026, fotografiert von der Internationalen Presse für die European Film Promotion, markiert den Auftakt eines Programms, das seit fast drei Jahrzehnten als Seismograph für kommende Karrieren gilt. Im Rahmen der Internationale Filmfestspiele Berlin versammelt die Initiative auch in diesem Jahr wieder Schauspielerinnen und Schauspieler, die in ihren Herkunftsländern längst wahrgenommen werden und nun auf ein internationales Parkett treten.

Nominiert wurden Fatlume Bunjaku aus Albanien, Lucas Englander aus Österreich, Violet Braeckman aus Belgien, Salif Cissé aus Frankreich, Enno Trebs aus Deutschland, Danielle Galligan aus Irland, Tecla Insolia aus Italien, Joes Brauers aus den Niederlanden, Sofia Tjelta Sydness aus Norwegen und Cleo Diára aus Portugal. Die Auswahl erfolgt durch eine internationale Jury auf Vorschlag der jeweiligen nationalen Filmförderinstitutionen. Entscheidend sind nicht Marktwerte, sondern künstlerische Eigenständigkeit, Präzision im Spiel und die Fähigkeit, unterschiedliche Register glaubwürdig zu bedienen.

Für Deutschland ist Enno Trebs vertreten, der 2009 in Michael Hanekes „Das weiße Band“ debütierte und seither wiederholt mit Christian Petzold gearbeitet hat. Seine Laufbahn steht exemplarisch für eine Generation deutscher Darsteller, die zwischen Autorenkino und internationalen Koproduktionen agiert. Der Franzose Salif Cissé wiederum hat nach einem späten Einstieg ins Schauspiel rasch Aufmerksamkeit erlangt, zuletzt mit einer Rolle in Hubert Charuels „Meteors“, der in Cannes in der Reihe Un Certain Regard lief. Beide stehen für unterschiedliche Traditionen des europäischen Kinos, die sich in Berlin kreuzen.

Der französische Schauspieler Salif Cissé, Jahrgang 1993, begann sein schauspielerisches Schaffen erst im Erwachsenenalter und wurde bereits für den César als „Most Promising Actor“ nominiert. Sein Spektrum reicht von der Komödie Filmlovers! (2024) über das Drama Meteors (2025), das in Cannes im „Un Certain Regard“-Programm vorgestellt wurde, bis zu Auftritten in populären Serien wie Lupin. Die Jury beschreibt Cissé als eine Figur von großer Empathie und natürlicher Präsenz, die komödiantische Leichtigkeit und dramatische Tiefenschärfe verbindet

Das Programm selbst ist kein Wettbewerb, sondern ein konzentriertes Arbeitsformat. Über vier Tage hinweg absolvieren die Teilnehmenden Pressetermine, Branchenrunden und Einzelgespräche mit Casting-Direktoren. Der International Press Day am 15. Februar bündelt die Medienaufmerksamkeit. Mit „European Shooting Stars Live“ im Berlinale Hub wurde zudem ein öffentliches Gesprächsformat etabliert, moderiert von Aminata Belli, das den Darstellerinnen und Darstellern Raum gibt, über Rollenbilder, Arbeitsweisen und künstlerische Prägungen zu sprechen. Den Abschluss bildet der gemeinsame Auftritt auf dem roten Teppich des Berlinale Palasts sowie die Verleihung der Shooting Stars Awards beim Gala-Dinner der EFP.

Seit seiner Gründung hat das Programm eine beachtliche Liste früherer Teilnehmer hervorgebracht, darunter Alicia Vikander, Carey Mulligan, Riz Ahmed oder Daniel Craig. Nicht jede Karriere verläuft geradlinig, doch die wiederkehrende Präsenz ehemaliger Shooting Stars in internationalen Produktionen unterstreicht die Funktion des Formats als Scharnier zwischen nationaler Förderung und globalem Markt.

Getragen wird die Initiative von einem Netzwerk aus 37 europäischen Filmförderinstitutionen, unterstützt unter anderem durch das MEDIA-Programm von Creative Europe sowie den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Organisatorisch koordiniert wird das Projekt von der in Hamburg ansässigen European Film Promotion. In einer Branche, die zunehmend von globalen Plattformen, Koproduktionen und internationalen Casting-Prozessen geprägt ist, fungiert das Programm als strukturierte Antwort auf die Frage, wie europäische Talente jenseits ihrer Herkunftsmärkte sichtbar werden können. Berlin bietet dafür nicht nur die Bühne, sondern auch das notwendige professionelle Umfeld.

Von admin