Kilian Kerner liebt den großen Auftritt – und liefert ihn auch in dieser Saison. Zur Berlin Fashion Week im Januar 2026 verwandelte der Designer das NLND Berlin in eine Bühne zwischen Glamour, Popkultur und provokanter Pose. Rund 1.000 Gäste sahen die Premiere seiner neuen Kollektion „GANGSTAAA – A Game on Your Own Rules“, die weniger leise Modeübung als bewusst inszeniertes Spektakel war. In der Front Row saßen bekannte Gesichter aus Film und Fernsehen, darunter Simone Thomalla, Florence Kasumba, Riccardo Simonetti und Wilson Gonzales Ochsenknecht, während auf dem Laufsteg Models aus früheren Staffeln von „Germany’s Next Topmodel“ die Looks präsentierten.

Kilian Kerner gehört seit mehr als eineinhalb Dekaden zu den profiliertesten Stimmen der Berliner Modeszene. Er arbeitet seit 2003 als Designer, gründete 2004 sein eigenes Label und zählt zu den festen Größen der Berlin Fashion Week, wo er seit 2008 regelmäßig präsentiert. Seine Mode wurde international in Städten wie New York, Paris, London und Barcelona gezeigt. Die britische Modekritikerin Suzy Menkes bezeichnete ihn als einen der einfallsreichsten deutschen Entwerfer seiner Generation.

Kilian Kerner spielt in dieser Kollektion mit starken Bildern und klaren Gegensätzen. Streetstyle trifft auf Old-Hollywood-Glamour, urbane Coolness auf überzeichnete Eleganz. Fake-Fur-Mäntel, beschichtetes Kunstleder, Denim und Chiffon wechseln sich ab, dazu Pailletten, Stickereien und Glitzersteine. Die Farbwelt pendelt zwischen Schwarz, Creme, Braun und Grün, immer wieder durchbrochen von kräftigem Pink. Der Titel „GANGSTAAA“ ist dabei bewusst plakativ gewählt, weniger als Anspielung auf Kriminalität denn als Symbol für Rebellion, Eigenständigkeit und das Spiel mit gesellschaftlichen Erwartungen.

Auch dramaturgisch setzte Kilian Kerner auf große Gesten. Das Opening der Show war eine Hommage an die Neuverfilmung von „Wuthering Heights – Sturmhöhe“, die im Februar 2026 in die Kinos kommt. In Kooperation mit Warner Bros. Discovery übersetzte der Designer die düstere Romantik des Films in zwei dramatische All-Black-Looks mit skulpturalen Silhouetten. Mode wurde hier zur cineastischen Erzählung, der Laufsteg zum Filmset.

Neben der Hauptkollektion zeigte Kilian Kerner erstmals auch seine kommerzielle Zweitlinie „Kilian Kerner Senses“ auf dem Runway. Das Watch-&-Buy-Konzept brachte sofort verfügbare Looks ins Spiel, darunter feminine, alltagstaugliche Designs in hellen Farben mit klaren Schnitten. Boulevardtauglich war auch die Vielzahl an Kooperationen: von NUR DIE über Tamaris und mey bis hin zu Beauty-Partnern wie La Roche-Posay und TWEEZERMAN, deren Produkte sichtbar Teil der Inszenierung wurden.

Berlin markiert dabei nur den Anfang. Kilian Kerner denkt die Kollektion als Zweiteiler. Am 3. März 2026 folgt Episode zwei mit dem Titel „GANGSTAAA – in Wonderland“ in der Pariser Opéra Garnier. Für den Designer ist es das Debüt auf einer der prestigeträchtigsten Bühnen der Modewelt – und zugleich der Versuch, den Berliner Glamour und seine Lust am Spektakel in den internationalen Modezirkus zu tragen. „GANGSTAAA“ bleibt damit nicht nur eine Kollektion, sondern ein bewusst inszenierter Mode-Moment zwischen Boulevard, Bühne und großer Geste.

Inhaltlich wie formal repräsentiert die Kollektion eine Auseinandersetzung mit den Ambivalenzen zeitgenössischer Mode: Zwischen Geste und kritischer Reflexion, zwischen Kommerz und künstlerischem Anspruch, zwischen Street- und Couture-Referenzen. Ihre Wirkung speist sich aus einer performativen Spannung, die Mode als kulturelle Praxis und nicht allein als Konsumgut begreift.

Von admin