Der deutsche Kreuzfahrtanbieter nicko cruises Schiffsreisen GmbH nutzt die anhaltende Erholung des internationalen Kreuzfahrtmarktes, um seine Flotte und sein Streckennetz in den kommenden Jahren auszubauen. Auf der ITB Berlin stellte das Stuttgarter Unternehmen seine Planungen für die Saison 2027/28 vor. Sie zeigen exemplarisch, wie sich mittelgroße Anbieter im Wettbewerb mit globalen Reedereikonzernen positionieren: mit kleineren Schiffen, spezialisierten Routen und einer Strategie, die stärker auf Destinationen als auf Bordattraktionen setzt.
Im Zentrum der Ankündigungen steht ein geplanter Neubau für die europäische Flussflotte. Das Schiff, dessen Indienststellung für 2028 vorgesehen ist, soll vor allem auf Rhein, Mosel sowie auf Wasserwegen in den Niederlanden und Belgien verkehren. Mit rund 135 Metern Länge und Platz für etwas mehr als 200 Passagiere folgt der Neubau einem in der Branche verbreiteten Konzept: kleinere Einheiten, großzügige öffentliche Bereiche und eine vergleichsweise überschaubare Gästezahl. Flusskreuzfahrten haben sich in den vergangenen Jahren zu einem stabilen Segment des europäischen Tourismus entwickelt, getragen vor allem von einer älteren, kaufkräftigen Kundschaft aus Deutschland, der Schweiz und den USA.
Parallel erweitert das Unternehmen sein geografisches Angebot. Nach mehreren Jahren Unterbrechung kehren Kreuzfahrten auf den chinesischen Yangtze ins Programm zurück. Die Route verbindet Flussreisen mit klassischen Kulturzielen des Landes, darunter historische Stätten wie die Terrakotta-Armee oder die Verbotene Stadt. China war lange Zeit ein bedeutender Markt für Flussreisen internationaler Anbieter, brach jedoch während der Pandemie nahezu vollständig ein. Dass Anbieter wie nicko cruises diese Destination wieder aufnehmen, gilt in der Branche als Signal für eine vorsichtige Normalisierung des Fernreisesegments.
Auch Europa bleibt für Flussreisen ein wichtiges Experimentierfeld. Eine neue Route führt künftig durch das Bordelais im Südwesten Frankreichs. Von Bordeaux aus befahren kleinere Flusskreuzfahrtschiffe die Garonne, Dordogne und Gironde. Das Gebiet gilt als eines der renommiertesten Weinbaugebiete Europas. Solche thematischen Reisen, die Kultur, Gastronomie und Landschaft verbinden, gehören seit einigen Jahren zu den wachstumsstärksten Nischen der Flusskreuzfahrt.
Ein zweiter Schwerpunkt der Unternehmensstrategie liegt weiterhin auf der Hochsee. Das Flaggschiff der Reederei, die VASCO DA GAMA, wird auch in der Saison 2027/28 eine Weltreise unternehmen. Die Route soll in rund sechs Monaten über mehrere Ozeane führen und Dutzende Länder verbinden. Mit maximal etwa tausend Passagieren gehört das Schiff zu den kleineren Hochseekreuzfahrern seiner Klasse und setzt bewusst auf eine intimere Atmosphäre als die großen Kreuzfahrtresorts internationaler Konzerne.
Weltreisen haben sich für mehrere europäische Anbieter zu einem stabilen Marktsegment entwickelt. Sie richten sich vor allem an Gäste, die mehrere Monate Zeit für eine Reise haben und bereit sind, hohe Preise für lange Aufenthalte in entfernten Regionen zu zahlen. Das Interesse an solchen Routen ist laut Branchenberichten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Für nicko cruises fügt sich das Programm in eine breitere strategische Entwicklung. Das Unternehmen, ursprünglich vor allem als Flusskreuzfahrtveranstalter bekannt, hat sich in den vergangenen Jahren schrittweise auch im Hochseesegment etabliert. Mit einer Flotte von Flussschiffen und einem Hochseeschiff bedient es heute zwei Märkte, die zwar unterschiedlich funktionieren, aber ein ähnliches Publikum ansprechen: Reisende, die längere Aufenthalte in Häfen, kleinere Schiffe und stärker destinationsorientierte Routen bevorzugen.
Der Ausbau der Flotte und die Rückkehr zu Fernzielen zeigen zugleich, wie sehr die Kreuzfahrtindustrie nach den pandemiebedingten Einbrüchen wieder auf Wachstum setzt. Während die großen Konzerne vor allem in immer größere Schiffe investieren, versuchen mittelgroße Anbieter ihre Nische über besondere Routen, kleinere Kapazitäten und längere Reiseformate zu behaupten. In einer Branche, die stark von globalen Trends und geopolitischen Entwicklungen abhängt, bleibt dieses Modell ein Balanceakt zwischen Expansion und Spezialisierung.
