Kaufland und die Philipp Lahm Stiftung haben eine Kooperation zur Ernährungsbildung von Kindern und Jugendlichen angekündigt. Anlass war die Grüne Woche Anfang 2026. Hinter der Ankündigung steht eine gesellschaftliche Herausforderung: In Deutschland wie in vielen vergleichbaren Industrieländern ist Übergewicht bei jüngeren Generationen verbreitet und gilt als gesundheitliches Problem mit langfristigen Folgen. Laut dem UNICEF-Ernährungsbericht ist etwa jedes vierte Kind und Jugendlicher zwischen fünf und 19 Jahren übergewichtig, acht Prozent gelten als adipös – das heißt, sie tragen ein deutliches Gesundheitsrisiko aufgrund ihres Gewichts. Fettleibigkeit ist damit in dieser Altersgruppe in Deutschland bereits häufiger als Untergewicht und wird als wachsende Form der Fehlernährung eingeordnet.
Fachliche Stellen wie das Bundesgesundheitsministerium betonen, dass Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter nicht nur auf individuelle Lebensstilentscheidungen zurückzuführen sind, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel aus Ernährungs-, Bewegungsverhalten und Umfeldfaktoren entstehen. Der Nationale Aktionsplan IN FORM etwa verfolgt einen Ansatz, über gesunde Ernährungs- und Bewegungsangebote sowie über präventive Bildungsmaßnahmen frühe Lebenswelten zu erreichen.
Vor diesem Hintergrund hat Kaufland seine bisherigen schul- und vereinsbezogenen Ernährungsaktionstage weiterentwickelt und sie mit Kompetenzen der Philipp Lahm Stiftung verbunden. Kaufland führt seit 2019 bundesweit Veranstaltungen durch, bei denen Kinder mit Ernährungsexpertinnen und -experten praktische Anleitungen zur Zusammensetzung und Zubereitung ausgewogener Mahlzeiten erhalten. Die Stärkung von Ernährungswissen gehört zu den präventiven Bausteinen, die in der Präventionsforschung als notwendig gelten, um Ernährungsentscheidungen und damit verbundene gesundheitliche Risiken langfristig zu beeinflussen.
Die Philipp Lahm Stiftung ist seit längerem im Bildungs- und Sportbereich aktiv. Sie verfolgt das Ziel, bei jungen Menschen Kompetenzen in Ernährung, Bewegung und Persönlichkeitsentwicklung zu stärken. Im Rahmen der Kooperation soll die Stiftung pädagogische Konzepte, Rezepte und Inhalte für die Kaufland-Aktionstage liefern und diese inhaltlich untermauern. In ausgewählten Veranstaltungen ist zudem vorgesehen, dass Philipp Lahm persönlich teilnimmt, um die Themen „bewusste Ernährung“ und „körperliche Aktivität“ mit seiner öffentlichen Präsenz zu thematisieren.
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist die Kombination von Wissenstransfer und praktischer Anwendung bedeutsam. Ernährungsbildung gilt in Fachkreisen als ein zentraler Bestandteil jeder Strategie, die darauf abzielt, Übergewicht zu reduzieren oder seine Zunahme zu verhindern. Sie ergänzt politische Maßnahmen, wie die vorgeschlagene Einschränkung der Vermarktung ungesunder Lebensmittel an Kinder, sowie Initiativen zur Bewegungsförderung in Schulen und Vereinen, die das Bundesgesundheitsministerium vorantreibt.
Weitergehende Bewertungen der Kooperation hängen davon ab, wie wirkungsorientiert die Angebote aufgesetzt werden. Prävention von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter erfordert nach wissenschaftlicher Analyse eine nachhaltige und breit angelegte Strategie, die Ernährungs- und Bewegungsangebote miteinander verknüpft, in Lebenswelten der Kinder verankert und sozial benachteiligte Gruppen besonders berücksichtigt. Die Initiative von Kaufland und der Philipp Lahm Stiftung lässt sich in diesen größeren gesellschaftlichen Kontext einordnen; ihre konkrete Wirksamkeit wird sich aber erst durch Evaluierungen in der Praxis zeigen.
