Die neue Lust am Wasser
In Werder zeigt die BOOT & FUN INWATER mehr als 150 Boote. Zwischen Sportbooten, Elektromodellen und schwimmenden Häusern wird sichtbar, wie sich der Wassersport verändert.
Werder (Havel) liegt dort, wo die Havel sich in ein weit verzweigtes Netz aus Seen und Flussläufen verliert. Für drei Tage wird dieser Landschaftsraum nun zum Ausstellungsort für eine Branche, die lange vor allem von klassischen Motorbooten und großen Yachten geprägt war. Bei der BOOT & FUN INWATER, die vom 28. bis 30. August in der Marina Havelauen stattfindet, stehen mehr als 150 Boote auf dem Wasser und an den Stegen. Auf mehr als 15.000 Quadratmetern können Besucher die Modelle nicht nur ansehen, sondern ausgewählte Boote auch auf dem Großen Zernsee ausprobieren. Die Messe Berlin führt die Veranstaltung als Outdoor-Boatshow der BOOT & FUN.
Auffällig ist dabei weniger die schiere Zahl der Boote als die Bandbreite der Konzepte. Neben klassischen Sportbooten und Motoryachten sind elektrische Boote, Segelyachten, Hausboote und speziell für Freizeit und Outdoor-Aktivitäten entwickelte Modelle zu sehen. Die Entwicklung folgt damit einem Trend, der den Wassersport insgesamt erreicht: Boote werden nicht mehr ausschließlich nach Motorleistung und Länge beurteilt, sondern zunehmend nach Energieverbrauch, Reichweite, Nutzungsmöglichkeiten und Alltagstauglichkeit.
Eine der auffälligsten Premieren ist die „Prestige“ der Werft Mein Hausboot aus Teltow. Das 18 Meter lange und 5,7 Meter breite Hausboot ist für das ganzjährige Wohnen auf dem Wasser konzipiert. Solaranlage, Wärmepumpe, Kläranlage und Klimatisierung gehören zur technischen Ausstattung. Eine große Dachterrasse erweitert den Wohnbereich nach außen. Das Konzept steht für eine Entwicklung, bei der das Boot nicht mehr nur Transportmittel oder Wochenendunterkunft ist, sondern als eigenständiger Lebensraum verstanden wird.
Auch beim Antrieb verändert sich das Bild. Woterfitz aus Rechlin zeigt mit der Voyager 900e ein neun Meter langes Solar-Kajütboot mit vier Schlafplätzen. Das Boot fährt elektrisch und gewinnt Energie über Photovoltaik. Der Hersteller beschreibt das Konzept als weitgehend unabhängig von externer Ladeinfrastruktur während der Saison. Solche Konstruktionen sind besonders für die Binnengewässer interessant, wo es weniger auf hohe Geschwindigkeit als auf geräuscharmes und effizientes Fahren ankommt.
Gleichzeitig versucht die Branche, Elektromobilität nicht nur mit ruhigem Cruisen zu verbinden. Die Marian EVO 700 feiert in Werder ihre Deutschlandpremiere. Das vollelektrische Wakesurfboot soll mit bis zu 220 Kilowatt Motorleistung die für den Sport erforderliche Welle erzeugen. Auch die ESEA F800 setzt auf einen elektrischen Antrieb. Der acht Meter lange Daycruiser wird in Schweden gebaut und bietet Platz für bis zu zehn Personen. Damit zeigt sich eine zweite Seite des technologischen Wandels: Elektromotoren sollen nicht länger nur eine leise Alternative für gemütliche Ausflüge sein, sondern zunehmend auch dort funktionieren, wo Beschleunigung und Leistung gefragt sind.
Daneben bleibt der klassische Sportbootmarkt bemerkenswert vital. Die Ranieri Cayman 21 Sport ist mit einem 150-PS-Yamaha-Außenborder in Werder zu sehen. Quicksilver bringt eine umfangreiche Modellpalette mit, darunter mehrere Sundeck-, Cruiser- und Weekend-Modelle. Bei den größeren Booten reicht das Spektrum bis zur Marex 390, zur Viknes V10 und zu verschiedenen Prestige-Modellen. Für die Käufer bedeutet diese Vielfalt vor allem eines: Der Markt differenziert sich stärker nach Nutzungssituationen. Zwischen dem kleinen trailerbaren Boot für den Wochenendausflug und der mehr als zehn Meter langen Motoryacht liegen inzwischen zahlreiche Zwischenformen.
Das gilt auch für die Freizeitgestaltung. Die B1 Custom Trophy 22 CX Adventure verbindet Sportboot und Outdoor-Fahrzeug. T-Top, Dachzelt, Trolling-Motor, Kartenplotter und Soundsystem machen aus dem Boot eine Plattform für längere Aufenthalte am Wasser. Für Angler stehen Modelle mit moderner Echolot- und Livescope-Technik bereit. Andere Boote sind auf Familienausflüge, Wochenendfahrten oder längere Törns ausgelegt.
Selbst der Segelsport wird in Werder auf eine ungewöhnliche Weise vertreten. Die BEZ-2 aus Polen feiert Deutschlandpremiere. Die kompakte Mini-Segelyacht verfügt über eine Kabine, ist trailerbar und kann nach Angaben des Veranstalters sogar in einer Tiefgarage untergebracht werden. Für eine Region wie Berlin-Brandenburg, deren Wassersport nicht an einer Küste, sondern an Seen, Flüssen und Kanälen stattfindet, sind solche Eigenschaften durchaus relevant.
Die BOOT & FUN INWATER ist deshalb mehr als eine klassische Bootsmesse im Freien. Ihre Besonderheit liegt darin, dass die ausgestellten Produkte in ihrer eigentlichen Umgebung stehen. Wer ein Boot kauft, muss sich schließlich nicht nur für Form, Motorisierung oder Innenausstattung entscheiden. Fahrverhalten, Geräuschentwicklung, Manövrierbarkeit und Platzangebot zeigen sich erst auf dem Wasser. Genau hier setzt das Konzept der Veranstaltung an. Testfahrten auf dem Großen Zernsee gehören zu den zentralen Elementen der Messe. Die Messe Berlin bezeichnet Werder als wichtigen Standort für den Wassersport in der Region; die Veranstalter verweisen zugleich auf die Lage der Stadt im Havelland und ihre Nähe zu Potsdam und Berlin.
Für die Wassersportbranche ist Berlin-Brandenburg ein besonderer Markt. Die Region verfügt über ein dichtes Netz aus Seen, Flüssen und Kanälen und bietet damit andere Voraussetzungen als die klassischen Küstenmärkte. Kleine und trailerbare Boote können hier ebenso sinnvoll sein wie komfortable Hausboote oder elektrisch angetriebene Daycruiser. Die Nachfrage orientiert sich stärker an kurzen Auszeiten und regionalen Törns, während größere Modelle zugleich den Wunsch nach längeren Reisen auf dem Wasser bedienen.
Auch deshalb ist die Entwicklung der Hausboote interessant. Was früher vor allem als Ferienunterkunft galt, wird zunehmend als Teil einer breiteren Diskussion über alternative Formen des Reisens und Wohnens verstanden. Die Messegesellschaft will dieses Thema im November in Berlin unter der Dachmarke OutVenture weiterführen. Vom 26. bis 29. November 2026 werden dort BOOT & FUN, ANGELWELT, CARAVAN & CAMPING sowie OFFROAD & NATURE zusammengeführt.
Die sommerliche Veranstaltung in Werder setzt dagegen bewusst auf unmittelbare Erfahrung. Eintritt wird nicht verlangt, die Messe ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Entscheidend ist aber, dass die Boote nicht nur als Ausstellungsstücke präsentiert werden. Sie liegen im Wasser, werden gefahren und können miteinander verglichen werden. Das macht die BOOT & FUN INWATER zu einem interessanten Seismografen für einen Markt, in dem sich gerade mehrere Entwicklungen überlagern: Elektromobilität, kompaktere Bootskonzepte, mehr Komfort und die Suche nach neuen Formen des Reisens und Lebens auf dem Wasser.
Die eigentliche Veränderung lässt sich dabei vielleicht am besten an der Spannweite der Ausstellung ablesen. Auf der einen Seite stehen Boote mit mehreren hundert PS und Geschwindigkeiten weit jenseits dessen, was auf den meisten Berliner und Brandenburger Gewässern sinnvoll ist. Auf der anderen Seite entstehen elektrische Kajütboote, kompakte Segelyachten und schwimmende Häuser, die weniger nach Höchstleistung als nach Nachhaltigkeit, Komfort und Unabhängigkeit fragen. Dazwischen liegt der größte Teil des Marktes. Die BOOT & FUN INWATER zeigt ihn in Werder dort, wo Boote ihren Zweck erfüllen müssen: auf dem Wasser.
