Wolt Discover! Awards in Berlin: Zwischen Geheimtipps, Wachstum und Berliner Gastronomie
Berlin hat viele Restaurants. Was davon dauerhaft im Gedächtnis bleibt, entscheidet sich jedoch nicht allein an der Zahl der Tische oder an der Größe des Geschäfts. Bei den ersten Wolt Discover! Awards in Berlin standen deshalb nicht nur etablierte Namen im Mittelpunkt, sondern auch kleinere Betriebe, neue Konzepte und Händler, die sich in einem schwierigen Markt behaupten. Am Montagabend, 28. September 2026, wurden im MOKKA*MILCH insgesamt acht Auszeichnungen vergeben. Wolt hatte Restaurants und Einzelhandelspartner eingeladen, um deren Arbeit sichtbar zu machen und die Zusammenarbeit jenseits des täglichen Liefergeschäfts zu würdigen.
Der Abend war in drei Blöcke gegliedert. Durch die Veranstaltung führten der Berliner Food-YouTuber, Podcaster und Kochbuchautor Andong sowie die Fernsehköchin Felicitas Then. Zwischen den Preisverleihungen sorgten DJ VRTL und das ARTEMISS Tanzkollektiv für Musik und Bewegung, während die Gäste ein eigens zusammengestelltes Menü mit kleinen Gerichten erhielten. Auf dem Teller trafen unter anderem Entenpraline mit Ingwer-Mayonnaise und Kresse auf Lachstatar mit Pink Grapefruit, Chili und Shiso. Später folgten Ceviche vom Loup de Mer, Barbarie-Ente mit Linsendal und Ingwer sowie ein Bun Bao Burger. Zum Dessert gab es Choux à la crème und ein Mini-Aprikosen-Tiramisu.
In seiner Begrüßung stellte Wolt Deutschland die wirtschaftlichen Bedingungen heraus, unter denen Restaurants und Händler derzeit arbeiten. Inflation, knappe Margen, steigende Anforderungen der Kunden und hoher operativer Druck gehören für viele Betriebe zum Alltag. Die Awards sollten daher weniger als klassischer Gastronomiewettbewerb verstanden werden, sondern als Anerkennung für Partner, deren Geschäftsmodelle, Servicequalität oder Entwicklung innerhalb der Plattform besonders aufgefallen waren. Berlin wurde dabei bewusst als Austragungsort gewählt. Die Hauptstadt gilt mit ihrer großen gastronomischen Vielfalt und zahlreichen schnell wachsenden Konzepten als wichtiger Testmarkt für neue Ideen.
Der erste Preis des Abends ging an MRNOODLE CHEN. Das aus China stammende Konzept wurde als „Rising Star“ ausgezeichnet. Es folgte der Preis für den „Hidden Gem“, der besonders bemerkenswert war, weil er einen vergleichsweise kleinen Betrieb ins Rampenlicht rückte: Jones Ice Cream aus Schöneberg wurde als Geheimtipp des Jahres ausgezeichnet. Das Team um Gründerin und Pastry-Chef Gabrielle, die zuvor unter anderem im Ritz in Paris gearbeitet hatte, setzt auf frisch produzierte Eiscremes und kleine Chargen. Zu den genannten Sorten gehören etwa Cookie Dough und Brownie. Die Auszeichnung verweist damit auf eine Entwicklung, die für Berlin typisch ist: Aufmerksamkeit entsteht nicht ausschließlich dort, wo bereits große Namen und viele Filialen existieren, sondern auch in kleinen, spezialisierten Betrieben.
Beim dritten Preis des ersten Blocks ging es um gesellschaftliches Engagement. Chupenga erhielt den Award für „Community Impact“. Das Berliner Gastronomiekonzept verbindet mexikanische Küche mit kalifornischen Einflüssen und betreibt inzwischen mehrere Standorte in der Stadt. Auf der Speisekarte stehen Burritos, Bowls und Salate, die nach Angaben des Unternehmens täglich mit frischen Zutaten zubereitet werden.
Nach einer Pause mit Musik und Tanz rückte die operative Seite des Geschäfts in den Mittelpunkt. Zum „Customer Favourite“ wurde Umami gekürt. Die Kategorie orientierte sich an der Bindung der Kunden und deren wiederkehrenden Bewertungen.
Zum „Customer Favourite“ wurde Umami gekürt. Die Berliner Restaurantgruppe überzeugte vor allem durch die hohe Kundenzufriedenheit und die wiederkehrenden positiven Bewertungen. Umami ist seit vielen Jahren für seine asiatisch geprägte Küche bekannt und hat sein Konzept inzwischen auf mehrere Standorte ausgeweitet. Bemerkenswert ist dabei die Verbindung aus einem klar erkennbaren gastronomischen Profil und einer breiten Stammkundschaft. Der Award macht sichtbar, dass im Liefergeschäft nicht allein Reichweite oder Wachstum zählen, sondern auch die Frage, ob ein Restaurant seine Gäste dauerhaft erreicht und zur Wiederkehr bewegt. Die Auszeichnung gehört damit zu den Preisen des Abends, die unmittelbar aus dem Verhalten und Feedback der Kunden hervorgehen.
Bei der „Operational Excellence“ setzte sich Burgermeister durch. Entscheidend war dabei die Fähigkeit, auch bei stark steigenden Bestellzahlen die Abläufe stabil zu halten. Gerade im Liefergeschäft, in dem Geschwindigkeit, Qualität und Koordination gleichzeitig funktionieren müssen, ist diese Balance ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells. Burgermeister betreibt inzwischen zahlreiche Berliner Standorte und arbeitet neben der eigenen Abholung auch mit Lieferplattformen zusammen.
Der Preis „Growth Partner of the Year“ ging an Aleppo Supper Club. Das Unternehmen wurde für seine Entwicklung und das Wachstum gemeinsam mit Wolt ausgezeichnet. Aus einem einzelnen gastronomischen Konzept ist ein Netzwerk mehrerer Restaurants geworden. Auch auf der Wolt-Plattform ist Aleppo Supper Club inzwischen an mehreren Berliner Standorten vertreten.
Im letzten Teil des Abends standen schließlich Einzelhandel und Gastronomie im Mittelpunkt. Den Titel „Retail Partner of the Year“ erhielt Bio Company. Die Berliner Bio-Supermarktkette wurde für ihre Entwicklung im Rahmen der Zusammenarbeit mit Wolt ausgezeichnet. Besonders hervorgehoben wurde, dass die Partnerschaft innerhalb von etwas mehr als einem Jahr von einem Standort auf 18 Berliner Filialen gewachsen sei. Damit zeigte sich zugleich, wie stark sich Lieferplattformen inzwischen vom reinen Restaurantgeschäft in Richtung Einzelhandel bewegen.
Den Schlusspunkt bildete die wichtigste gastronomische Auszeichnung des Abends. „Berlin Restaurant of the Year“ wurde East Side Burrito. Das Konzept wurde vor allem für die Frische seiner Produkte und die konstante Qualität hervorgehoben. Die Auszeichnung bildet damit den Abschluss einer Preisstruktur, die bewusst unterschiedliche Seiten des Berliner Liefer- und Gastronomiemarktes abbildete: neue Anbieter, kleine Spezialisten, gesellschaftliches Engagement, Kundenzufriedenheit, effiziente Abläufe, Wachstum, Einzelhandel und schließlich das Restaurant des Jahres.
Die Wolt Discover! Awards sind damit weniger ein klassischer Restaurantführer als ein Blick auf die Gastronomie aus der Perspektive einer digitalen Lieferplattform. Bewertet wird nicht ausschließlich, was auf dem Teller liegt. Auch Wachstum, operative Zuverlässigkeit, Kundenbindung und die Zusammenarbeit mit dem Plattformbetreiber spielen eine Rolle. Gerade darin liegt die Aussagekraft des Abends: Die Berliner Gastronomie besteht längst nicht mehr nur aus Gasträumen und Küchen. Sie ist Teil eines komplexen urbanen Systems, in dem Restaurants, Einzelhandel, digitale Plattformen und ihre Kunden immer enger miteinander verbunden sind.
