Als Emporio Armani Ende März seine „Cityframes“-Reihe nach Berlin brachte, verwandelte sich das Funkhaus Berlin, genauer das Kraftwerk, für eine Nacht in eine Bühne, auf der sich internationale Modeästhetik und lokale Clubkultur begegneten. Anders als bei klassischen Markenveranstaltungen stand nicht die Kollektion im Vordergrund, sondern ein musikalisch kuratierter Abend, der gezielt auf die Strahlkraft einzelner Acts setzte und damit das Publikum erreichte, das Berlin seit Jahrzehnten prägt.

Den Auftakt bildete ein Live-Set von Hercules & Love Affair, das sich deutlich von der sonst dominierenden DJ-Kultur des Abends abhob. Die Formation um Andrew Butler setzte auf eine Mischung aus House, Disco und Pop, getragen von Live-Gesang und einer bewusst emotionalen Dramaturgie. Gerade in der rohen, industriellen Architektur des Kraftwerks entstand dadurch ein Spannungsverhältnis: Wärme traf auf Beton, Intimität auf Größe. Das Publikum reagierte entsprechend offen, beinahe konzertartig, was in Berlin, wo Distanz auf dem Dancefloor oft Teil der Ästhetik ist, keineswegs selbstverständlich ist.

Im Anschluss übernahm Gerd Janson, dessen Set stilistisch flexibler angelegt war. Janson, Mitbetreiber des Labels Running Back, steht seit Jahren für eine kuratorische Haltung innerhalb der Clubszene, die sich weniger an Trends als an musikalischer Kohärenz orientiert. Sein Auftritt bewegte sich zwischen House, Disco und elektronischen Randbereichen, mit einem deutlichen Gespür für Dramaturgie. Dabei gelang es ihm, die zuvor durch das Live-Set aufgebaute Energie nicht zu brechen, sondern in einen kontinuierlichen Fluss zu überführen. Es war weniger ein Höhepunkt als ein verbindendes Element des Abends.

Den Abschluss gestaltete Marcel Dettmann, dessen Name eng mit der Geschichte des Berghain verknüpft ist. Dettmanns Set war erwartungsgemäß reduzierter, strenger, auf Rhythmus und Struktur konzentriert. Wo zuvor noch melodische Elemente dominierten, trat nun die physische Dimension von Techno in den Vordergrund. Der Raum des Kraftwerks kam diesem Ansatz entgegen: Der Klang wirkte präzise, fast architektonisch, und nutzte die Höhe und Weite der Halle konsequent aus. Dettmann verzichtete auf Effekte, setzte stattdessen auf Kontinuität und Verdichtung, ein Ansatz, der besonders in den frühen Morgenstunden seine Wirkung entfaltete.

In der Zusammenschau zeigte der Abend weniger ein lineares Line-up als eine bewusst komponierte Abfolge unterschiedlicher musikalischer Ansätze. Vom expressiven Live-Act über das kuratorische DJ-Set bis hin zur reduzierten Techno-Ästhetik entstand ein Spannungsbogen, der die Vielfalt der Berliner Clubkultur nicht nur abbildete, sondern in einen neuen Kontext stellte. Dass ein Modehaus diesen Rahmen schafft, ist dabei weniger überraschend als es zunächst scheint. Entscheidend ist, dass es gelingt, den beteiligten Künstlern genügend Raum zu lassen. In dieser Hinsicht war der Abend im Funkhaus weniger Inszenierung als vielmehr ein präzise gesetzter kultureller Eingriff.

Von admin