Mit dem „Cup Handover“ im Roten Rathaus hat Berlin am Montag symbolisch die heiße Phase des DFB-Pokalfinales eingeläutet. Im Festsaal des historischen Amtssitzes nahm Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner die Trophäe des Deutscher Fußball-Bund entgegen, die bis zum 22. Mai öffentlich ausgestellt wird, ehe sie ins Olympiastadion gebracht und dort am 23. Mai dem Sieger des Endspiels zwischen VfB Stuttgart und FC Bayern München überreicht wird. Das Ritual ist längst mehr als ein Pressetermin. Es markiert den Moment, in dem Berlin für einige Wochen endgültig zur Fußballhauptstadt der Republik wird.
Die Inszenierung folgte dabei einem vertrauten Muster aus Tradition, Symbolik und politischer Botschaft. Wegner nutzte den Termin, um die enge Verbindung zwischen Stadt und Wettbewerb hervorzuheben. Tatsächlich gehört das Pokalfinale seit Jahrzehnten fest zum Berliner Veranstaltungskalender. Seit 1985 wird das Endspiel im Olympiastadion ausgetragen. Erst im Februar hatten das Land Berlin und der DFB ihre Zusammenarbeit bis einschließlich 2030 verlängert. Damit bleibt eines der identitätsstiftenden Rituale des deutschen Fußballs weiterhin an die Hauptstadt gebunden.
Beim „Cup Handover“ ging es deshalb auch um Kontinuität. Neben Wegner waren DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Ex-Bundestrainer Joachim Löw als Pokalbotschafter des VfB Stuttgart sowie Bayern-Legende Giovane Élber anwesend. Mit Atakan Karazor war zudem der aktuelle Kapitän des VfB Stuttgart vertreten. In ihren Wortmeldungen dominierten weniger sportliche Prognosen als vielmehr die besondere Atmosphäre des Berliner Finalwochenendes. Löw sprach von einer Entscheidung „vollkommen richtig“, das Finale weiterhin in Berlin auszutragen. Die Hauptstadt sei für Fans und neutrale Besucher gleichermaßen ein Anziehungspunkt geworden.
Tatsächlich hat sich das Pokalfinale in Berlin über die Jahre zu einem seltenen sportkulturellen Ereignis entwickelt, das weit über das Spiel hinausreicht. Der Satz „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ ist längst Teil der deutschen Fußballfolklore geworden. Gleichzeitig steht das Finale wirtschaftlich und organisatorisch unter wachsender Beobachtung. Die Vertragsverlängerung bis 2030 war nicht selbstverständlich. Nach teils chaotischen Einlasssituationen beim Finale 2025 hatte der DFB auf infrastrukturelle Verbesserungen gedrängt. Vor allem am Südtor des Olympiastadions sollen Zugänge erweitert und Wartezeiten reduziert werden.
Dass der Pokal nun wieder für mehrere Tage im Roten Rathaus präsentiert wird, ist daher auch ein Signal an die Öffentlichkeit: Das Finale soll als städtisches Ereignis sichtbar bleiben und nicht allein ein Fernsehprodukt des modernen Profifußballs sein. Besucher können die Trophäe bis zum 21. Mai täglich besichtigen, am 22. Mai allerdings nur noch für wenige Stunden, bevor sie ins Olympiastadion gebracht wird.
Sportlich verspricht das Endspiel eine besondere Konstellation. Titelverteidiger Stuttgart trifft auf den Rekordsieger aus München. Als Schiedsrichter wurde Sven Jablonski angesetzt, für den es das erste DFB-Pokalfinale seiner Karriere sein wird. Der 36-Jährige gehört inzwischen zu den prägenden deutschen Unparteiischen und leitete in dieser Saison unter anderem Spiele der Champions League.
Doch im Roten Rathaus war an diesem Montag weniger von Taktik oder Favoritenrollen die Rede. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Vorstellung eines Finales als nationales Gemeinschaftsereignis. Berlin präsentiert sich dabei erneut als Bühne für ein Fußballritual, das trotz Kommerzialisierung und wachsender Sicherheitsdebatten seinen symbolischen Kern bislang bewahrt hat: den Pokal als gemeinsames Ziel einer langen Saison und die Hauptstadt als Ort ihres letzten großen Moments.