Als Linda Noskova am frühen Sonntagabend den entscheidenden Matchball verwandelte, endete in Berlin ein Finaltag, der lange Zeit gar keiner zu werden schien. Nach stundenlangen Wetterkapriolen mit Starkregen, Sturmböen und einer zwischenzeitlichen Räumung des Turniergeländes gewann die 21 Jahre alte Tschechin die VANDA Pharmaceuticals BERLIN TENNIS OPEN gegen die Amerikanerin Jessica Pegula mit 6:4, 4:6, 6:3 und feierte damit den größten Erfolg ihrer bisherigen Karriere auf Rasen. Zugleich setzte sie ein Ausrufezeichen wenige Tage vor Beginn von Wimbledon.
Der Weg zu diesem Finale hatte für beide Spielerinnen unterschiedliche Geschichten geschrieben. Pegula, die Berliner Siegerin von 2024 und derzeit eine der konstantesten Spielerinnen auf der WTA-Tour, war mit eindrucksvollen Siegen über Katerina Siniakova, Madison Keys und schließlich die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka ins Endspiel eingezogen. Besonders ihr Halbfinalerfolg gegen Sabalenka unterstrich ihre starke Form auf dem schnellen Berliner Rasen.
Noskova hingegen präsentierte sich während der gesamten Turnierwoche als Muster an Konsequenz. Die Weltranglisten-13. hatte bis zum Finale keinen Satz abgegeben und überzeugte mit einem druckvollen Grundlinienspiel, hoher Aufschlagqualität und bemerkenswerter taktischer Reife. Gegen Renata Zarazúa, Diane Parry, Paula Badosa und die Überraschungshalbfinalistin Alexandra Eala ließ sie kaum Schwächen erkennen. Im Finale bestätigte sie diesen Eindruck eindrucksvoll.
Die Partie begann nach stundenlanger Verzögerung erst am frühen Abend. Ursprünglich war der erste Aufschlag für Mittag vorgesehen gewesen. Doch ein außergewöhnlich heftiges Unwetter hatte große Teile der Anlage im Berliner Grunewald unter Wasser gesetzt. Aus Sicherheitsgründen mussten Zuschauerinnen und Zuschauer das Gelände verlassen, technische Einrichtungen wurden beschädigt und die Organisatoren standen vor der Frage, ob überhaupt noch gespielt werden könnte. Erst nach umfangreichen Reparatur- und Sicherungsmaßnahmen wurde das Steffi-Graf-Stadion wieder geöffnet.
Auf dem Platz zeigte Noskova zunächst die größere Entschlossenheit. Mit aggressiven Returns und präzisen ersten Aufschlägen erspielte sie sich früh eine Führung. Pegula kämpfte sich zwar zurück und gestaltete den ersten Satz ausgeglichen, musste ihn jedoch mit 4:6 abgeben. Im zweiten Durchgang gelang der Amerikanerin das entscheidende Break zum 6:4-Ausgleich. Das Match schien nun in Richtung der erfahreneren Spielerin zu kippen. Doch Noskova reagierte bemerkenswert souverän. Im entscheidenden Satz erspielte sie sich früh einen Vorsprung, servierte weiterhin konstant und ließ Pegula kaum Möglichkeiten, das Spiel noch einmal zu drehen. Nach knapp zwei Stunden Spielzeit war der Titelgewinn perfekt.
Der Erfolg besitzt für die Tschechin besondere Bedeutung. Mit dem Berliner Titel gewinnt sie erstmals ein großes Rasenturnier und etabliert sich endgültig in der erweiterten Weltspitze. Beobachter sehen in ihrem Spiel seit längerem das Potenzial für eine dauerhafte Präsenz in den Top Ten. Der Triumph in Berlin dürfte diese Entwicklung weiter beschleunigen.
Für Pegula bleibt trotz der Niederlage eine äußerst erfolgreiche Woche. Ihr Sieg über Sabalenka und der erneute Finaleinzug auf Berliner Rasen bestätigen ihre Qualitäten auf diesem Belag und machen sie zu einer ernstzunehmenden Kandidatin für Wimbledon.
Die Geschichte von Linda Noskova ist in Berlin zudem noch nicht zu Ende. Bereits am Montag kehrt sie auf den Platz zurück. Gemeinsam mit ihrer Doppelpartnerin Ekaterina Alexandrova kämpft sie zunächst um den Einzug ins Doppelfinale und hat anschließend die Möglichkeit, sich nach dem Einzel- auch den Doppeltitel zu sichern. Nach einem Sonntag, der zwischen Unwetterchaos und Spitzensport schwankte, könnte die Tschechin damit ein außergewöhnliches Kapitel der Berliner Turniergeschichte vollenden.
Für Linda Noskova geht es am Montag gemeinsam mit Doppelpartnerin Ekaterina Alexandrova im Halbfinale gegen Ulrikke Eikeri (NOR)/Quinn Gleason (USA) weiter. Das Spiel war am Samstag beim Stand von 6:3 und 3:3 wegen Dunkelheit abgebrochen worden. Es wird am Montag um 11:00 Uhr fortgesetzt. Im anschließenden Finale warten Sara Errani (ITA)/Nicole Melichar-Martinez (USA) auf ihre Gegnerinnen.
Tennisfans sind herzlich eingeladen, das Halbfinale und das anschließende Endspiel bei freiem Eintritt im Steffi-Graf-Stadion live zu erleben.
