Richtfest für erstes der neuen Hochhäuser am Berliner Alexanderplatz

Am Berliner Alexanderplatz ist ein Bauvorhaben sichtbar in eine neue Phase eingetreten. Am 14. Januar 2026 wurde Richtfest für den Büroturm des Gebäudekomplexes „The Berlinian“ gefeiert. Es ist das erste der derzeit entstehenden Hochhäuser rund um den Platz, das diesen Bauabschnitt erreicht. Damit nimmt ein Projekt Gestalt an, das seit Jahren als Gradmesser für Berlins Umgang mit Verdichtung, Höhe und städtebaulichem Anspruch gilt.

Der Rohbau des Turms war nach Angaben der Bauherrin Commerz Real bereits im Dezember 2025 abgeschlossen worden, der Innenausbau begann Anfang dieses Jahres. Die Fertigstellung ist für Mai 2027 vorgesehen. Mit 34 Etagen und einer Höhe von 146 Metern wird das Gebäude zu den markantesten Hochhäusern der Stadt zählen und die Silhouette der City Ost deutlich verändern. Entworfen wurde der Bau vom Berliner Architekturbüro Kleihues, das sich bewusst an der Tradition des Alexanderplatzes als Ort großmaßstäblicher Architektur orientiert, ohne die strengen Raster der Nachkriegsmoderne zu wiederholen.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sprach beim Richtfest von einer neuen, markanten Skyline für den östlichen Stadtkern. Zugleich verwies er auf die vergleichsweise zügige Umsetzung des Projekts, die er als Beleg für das politisch propagierte „Berlin-Tempo“ wertete. Tatsächlich gehört der Alexanderplatz zu jenen innerstädtischen Räumen, an denen sich seit den 1990er Jahren immer wieder die Diskrepanz zwischen ambitionierten Masterplänen und schleppender Realisierung gezeigt hat. Mehrere Hochhausprojekte blieben lange in der Planung stecken oder scheiterten an Eigentümerwechseln und Finanzierungsfragen.

Dass „The Berlinian“ nun vergleichsweise schnell vorankommt, hängt auch mit der jüngeren Projektgeschichte zusammen. Die Commerz Real, eine Tochter der Commerzbank, hatte die Entwicklung im Sommer 2023 von der Signa-Gruppe übernommen, nachdem deren Immobilienimperium in die Insolvenz geraten war. Kurz darauf entschied sich der neue Eigentümer, Planung und Umsetzung in eigener Verantwortung voranzutreiben. Der Turm ist Teil eines größeren Ensembles, das gemeinsam mit dem angrenzenden Galeria-Warenhaus mehr als 100.000 Quadratmeter Nutzfläche umfassen soll. Geplant ist eine Mischung aus Büroflächen, Einzelhandel, Gastronomie und kulturellen Angeboten, die den Alexanderplatz funktional erweitern und über den reinen Verkehrs- und Einkaufsort hinaus aufwerten soll.

Aus stadtentwicklungspolitischer Sicht fügt sich das Projekt in die seit Jahren verfolgte Strategie ein, den Alexanderplatz als Hochhausstandort zu etablieren. Kritiker verweisen dabei auf mögliche Verschattung, zusätzliche Verkehrsbelastung und die Frage, ob hochwertige Büroflächen tatsächlich zur Belebung des öffentlichen Raums beitragen. Befürworter sehen hingegen die Chance, einen der zentralsten Plätze Berlins architektonisch neu zu fassen und wirtschaftlich zu stärken. Der nun sichtbare Baufortschritt verleiht dieser Debatte neue Konkretheit.

„The Berlinian“ wird nach seiner Fertigstellung Teil des Immobilienfonds Hausinvest sein, der seit Jahrzehnten in großstädtische Standorte investiert und in Berlin bereits mehrere Büro- und Wohnimmobilien hält. Für den Alexanderplatz bedeutet das Projekt vor allem eines: Nach vielen Jahren der Ankündigungen und Verzögerungen wird der Umbau dieses symbolisch aufgeladenen Ortes erstmals in der Vertikalen sichtbar. Ob daraus tatsächlich eine neue urbane Qualität entsteht, wird sich allerdings erst zeigen, wenn der Turm bezogen ist und sich der Platz im Alltag bewähren muss.

Von admin