„Deutschland kann mehr“ – Forderungen nach Reformkurs auf dem Deutschen Arbeitgebertag 2025

Berlin. Auf dem Deutschen Arbeitgebertag in Berlin hat Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger einen nachdrücklichen Appell an die Bundesregierung gerichtet, die konjunkturelle Schwächephase mit entschlossenen Reformen zu überwinden. Vor rund 1.000 Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien forderte Dulger eine klare wirtschaftspolitische Wende sowie einen umfassenden Abbau von Bürokratie. Deutschland könne mehr leisten, betonte er, doch dafür brauche es politischen Mut und Ambition.

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) verwies in seiner Rede auf die Ergebnisse des erstmals vorgestellten Arbeitgeberbarometers, das die Stimmung in deutschen Unternehmen vierteljährlich erfasst. Die Umfrage, die in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa durchgeführt wird, verdeutlicht laut Dulger eine ausgeprägte Reformskepsis: 82 Prozent der Unternehmen sehen Bürokratie als schwerwiegendes Problem, 70 Prozent beklagen politische Unsicherheiten, ebenso viele den anhaltenden Arbeits- und Fachkräftemangel sowie zu hohe Arbeitskosten. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet eine Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage in den kommenden sechs Monaten.

Reformaufruf und Kritik an der Sozialpolitik

Dulger warnte vor einer „hausgemachten Krise“, die den Wirtschaftsstandort lähme. Überzogene Regulierung, energiepolitische Fehlsteuerungen und ein aufgeblähter Sozialstaat gefährdeten aus seiner Sicht die Wettbewerbsfähigkeit. „Ohne die starke Wirtschaft wird der Sozialstaat selbst zum Sozialfall“, mahnte er. Die mehr als 500 Sozialleistungen und umfangreiche Verwaltungsstrukturen seien weder effizient noch gerecht: „Häufig profitieren die Schlauen, nicht die Bedürftigen“, sagte Dulger.

Den von der Bundesregierung ausgerufenen „Herbst der Reformen“ bezeichnete er als unzureichend. Ansätze seien erkennbar, doch ein wirklicher Reformturbo bleibe aus. Besonders kritisch betrachtete er die Zunahme staatlicher Verwaltung: Allein in den vergangenen drei Jahren seien laut Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 325.000 Beschäftigte zusätzlich zur Bewältigung von Bürokratie eingestellt worden.

Bürokratieabbau und Modernisierung des Staates

Unterstützung äußerte der Arbeitgeberpräsident für Bundesminister Karsten Wildberger, der angekündigt hatte, Bürokratiekosten bis zum Ende der Legislaturperiode um 25 Prozent und damit um rund 16 Milliarden Euro zu senken. Gleichzeitig warnte Dulger vor zusätzlichen Belastungen durch geplante Gesetzesinitiativen wie das Tarif­treue­gesetz oder das Beschäftigtendatenschutzgesetz.

Debatte um Sozialstaats- und Rentenreformen

Mit Blick auf die Reform des Bürgergeldes forderte Dulger eine stärkere Orientierung an Eigenverantwortung und die Rückkehr zum Prinzip von Fördern und Fordern. Arbeit müsse Vorrang haben und Leistung sichtbare Anerkennung finden. Wer arbeiten könne, solle dies auch tun. Vermögende Bürger sollten staatliche Leistungen nicht in Anspruch nehmen, solange ihnen eigene Mittel zur Verfügung stünden.

 

Gegenüberstellung zentraler Panel-Positionen

Politik-Seite
Beim Deutscher Arbeitgebertag 2025 sprachen neben Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche sowie Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas.

  • Merz betonte in seiner Rede die Wachstumsbremse durch externe und interne Herausforderungen, nannte aber keine umfassende Reformagenda mit Zeitplan.
  • Reiche wurde von Seiten der Arbeitgeberseite für ihren Reformwille bei Sozialstaat und Arbeitsmarkt gelobt.
  • Bas sprach insbesondere die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik an, wies jedoch auf begrenzte Handlungsspielräume hin — ein Umstand, den Dulger kritisierte.

Wirtschafts- und Unternehmensseite
Vertreter der Arbeitgeber, unter ihnen Dulger selbst, formulierten klare Erwartungen:

  • Bürokratieabbau und Verwaltungsmodernisierung gelten als zentrale Standorthemmnisse – laut Arbeitgeberbarometer nennen 82 % der Unternehmen Bürokratie als Problem.
  • Fach- und Arbeitskräftemangel sowie hohe Arbeitskosten werden von jeweils 70 % der befragten Unternehmen als Belastung angesehen.
  • Mehrere Redner aus der Unternehmenspraxis betonten, dass Investitionsentscheidungen bei unsicheren politischen Rahmenbedingungen zurückgestellt werden.

Auswertung der Arbeitgeberbarometer-Daten

Die erstmals vorgestellte Umfrage des Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Kooperation mit forsa liefert folgende markante Befunde:

  • 66 % der Unternehmen erwarten im kommenden Quartal keine Verbesserung ihrer eigenen Lage, 20 % eine Verschlechterung.
  • 51 % rechnen damit, dass sich die gesamtwirtschaftliche Situation Deutschlands in den nächsten sechs Monaten verschlechtert.
  • 77 % sind mit der Arbeit der Bundesregierung weniger oder gar nicht zufrieden, 82 % sind mit deren Wirtschafts- und Sozialpolitik kritisch.
  • Demgegenüber steht das Potenzial: Dulger verwies auf technologische Stärke, Exporttradition und unternehmerische Leistungsbereitschaft. Doch diese würden derzeit durch politische und regulatorische Hemmnisse eingegrenzt.

Politische Reaktionen

  • Aus der Medienberichterstattung geht hervor, dass Dulgers Rede als Signaleingabe verstanden wird – mit Offenheit der Bundesregierung, aber bislang ohne Verpflichtung zu konkreten Zeitplänen.
  • Die Opposition sowie Gewerkschaften haben sich noch nicht umfassend öffentlich positioniert im Hinblick auf die im Arbeitgebertag formulierten Forderungen – dies lässt auf eine Phase vorbereitender Debatte schließen.
  • In der Koalition wird intern offenbar über Prioritäten gestritten: So wird etwa der angesprochene Bürokratieabbau einerseits als dringlich betrachtet, andererseits durch neue Gesetzesvorhaben wie das Tariftreuegesetz kritisch diskutiert.

Die Arbeitgeberseite stellt klare Forderungen nach Reformen, insbesondere bzgl. Bürokratie und Sozialstaats-Effizienz. Politikseite signalisiert grundsätzlich Bereitschaft – aber es fehlen bislang verbindliche Zeitpläne und Teilmaßnahmen. Vor dem Hintergrund der schwachen Unternehmensstimmung – wie das Arbeitgeberbarometer zeigt – wächst der Druck auf die Bundesregierung. Entscheidend wird sein, ob die Regierungskoalition ihre Absichten in eine handfeste Agenda überführt und in konkrete Gesetzes- und Verwaltungsänderungen umsetzt.

Wenn gewünscht, kann ich die einzelnen Forderungskataloge der Arbeitgeberseite detailliert auflisten und deren Umsetzungswahrscheinlichkeit nach politischem Fachgutachten bewerten.

Wirtschaftspolitische Lösungsagenda und politische Reaktionen

Auf dem Arbeitgebertag diskutierten führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in mehreren Panels über die Zukunft des Wirtschaftsstandortes: Über Reformen und Wettbewerbsfähigkeit sprachen unter anderem Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche und IG-Metall-Chefin Christiane Benner; Themen wie Digitalisierung und Bürokratieabbau, generationengerechte Rentenpolitik und Bildungsreformen standen ebenso im Fokus. Bundeskanzler Friedrich Merz nahm am Nachmittag Stellung zur wirtschaftspolitischen Agenda der Bundesregierung.

Dulgers Rede machte deutlich, dass die Erwartungen der Wirtschaft hoch sind. Der Arbeitgeberpräsident zeigte sich überzeugt, dass Deutschland über die notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten verfügt, um wieder zu wirtschaftlicher Stärke zurückzufinden. Voraussetzung dafür sei eine entschlossene politische Führung, die strukturelle Blockaden löse und Raum für Wachstum schaffe. „Wir Unternehmer wollen in Deutschland investieren. Wir wollen hier Arbeitsplätze schaffen“, betonte Dulger. „Doch dafür brauchen wir ein Umfeld, das Leistung ermöglicht und nicht verhindert.

Von admin