Berliner Forum Außenpolitik 2025

Das Berliner Forum Außenpolitik 2025 der Körber-Stiftung fand am 25. November in Berlin statt und versammelte zahlreiche prägende Stimmen der internationalen Politik, um die Bedingungen globaler Ordnung und die Rolle Europas in einer zunehmend fragmentierten Welt zu diskutieren. Die Konferenz stand im Zeichen der Frage, wie außenpolitische Handlungsfähigkeit und innenpolitische Stabilität miteinander verknüpft werden können – eine Herausforderung, die angesichts politischer Polarisierung, sicherheitspolitischer Konflikte und wirtschaftlicher Unsicherheit immer dringlicher erscheint.

Bundesaußenminister Johann Wadephul eröffnete die Veranstaltung mit einer Grundsatzrede, in der er die strategische Bedeutung internationaler Partnerschaften und die Notwendigkeit eines selbstbewussten europäischen Handelns betonte. Wadephul warnte vor einer Erosion multilateraler Strukturen und hob hervor, dass Deutschland nur dann gestaltungsfähig bleibe, wenn sicherheits-, wirtschafts- und gesellschaftspolitische Prioritäten kohärent zusammengeführt würden. In einem anschließenden Gespräch mit Anna Sauerbrey, Außenpolitik-Ressortleiterin der Zeit, unterstrich er, dass Europa in der aktuellen geopolitischen Lage nicht auf Impulse von außen warten könne, sondern Verantwortung übernehmen müsse.

Der jordanische Außenminister Ayman Safadi setzte einen Akzent zur Lage im Nahen Osten und erläuterte die Folgen regionaler Konflikte für globale Sicherheitsarchitekturen. Er machte deutlich, dass Stabilität im Nahen Osten nur durch diplomatische Bemühungen und langfristig angelegte politische und wirtschaftliche Strategien zu erreichen sei. Die Diskussion zeigte, wie eng internationale Krisen mit europäischen Sicherheitsinteressen verknüpft sind.

In einem Panel zur globalen Kooperation nahmen Wang Dong von der Peking-Universität, die UN-Diplomatin Cristina Duarte und Ingrid-Gabriela Hoven von der GIZ die zunehmende Konkurrenz der Großmächte in den Blick. Duarte warnte vor einem Rückfall in geopolitische Blocklogik, während Wang Dong betonte, dass China globale Zusammenarbeit nicht als ideologische Konfrontation, sondern als pragmatische Notwendigkeit begreife. Hoven lenkte die Aufmerksamkeit auf die politische Bedeutung internationaler Entwicklungsprojekte, insbesondere in Afrika, und forderte eine stärkere Verzahnung zwischen Entwicklungs- und Sicherheitspolitik.

Reem Alabali-Radovan, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, plädierte anschließend für eine Neubewertung deutscher Entwicklungspolitik. Sie betonte, dass internationale Entwicklungsarbeit nicht nur humanitäre Verantwortung bedeute, sondern strategische Relevanz zur Stabilisierung globaler Märkte und politischer Verhältnisse habe.

Ein Schwerpunkt der Konferenz lag auf der Frage europäischer Kohäsion. Anton Hofreiter, Vorsitzender des Europaausschusses des Bundestages, warnte, dass die Handlungsfähigkeit Europas gefährdet sei, solange nationale Interessen europäische Prioritäten überlagerten. Tristan Aureau aus Frankreich forderte eine europäische Sicherheitsarchitektur, die weniger abhängig von den Vereinigten Staaten ist. Nathalie Tocci aus Rom unterstrich, dass Europa seine geopolitische Rolle nur behaupten könne, wenn es wirtschaftlich und gesellschaftlich resilient bleibe. Halyna Yanchenko aus der Ukraine erinnerte daran, dass europäische Sicherheit nicht abstrakt, sondern jeden Tag Realität sei und Solidarität politische Glaubwürdigkeit voraussetze.

In einer späteren Analyse über Russland betonten Alexander Graf Lambsdorff und die Politikwissenschaftlerin Ekaterina Schulman, dass Russlands außenpolitisches Verhalten nur über seine innenpolitischen Dynamiken zu verstehen sei. Schulman beschrieb die politische Konsolidierung autoritärer Strukturen als Kernfaktor außenpolitischer Aggression, während Lambsdorff die Reformfähigkeit europäischer Sicherheitspolitik einforderte.

Im abschließenden Gespräch mit Volker Türk, dem UN-Hochkommissar für Menschenrechte, standen der globale Rückgang rechtsstaatlicher Normen und die Bedrohung internationaler Menschenrechtsstandards im Mittelpunkt. Türk warnte vor der weltweiten Normalisierung von Gewalt und Entrechtung und appellierte an demokratische Staaten, normative Führung zu übernehmen.

Die folgende abschließende Debatte zwischen Benedetta Berti von der NATO-Parlamentarierversammlung und Rebeccah Heinrichs vom Hudson Institute verdeutlichte die Unsicherheit über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen. Beide betonten, dass Europa angesichts politischer Instabilität in den USA gezwungen sei, mehr Verantwortung zu übernehmen – militärisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.

Das Berliner Forum Außenpolitik 2025 zeigte in seiner Breite und Schärfe, dass internationale Politik untrennbar mit innerer Stabilität verbunden ist. Die Beiträge der Redner machten deutlich, dass Außenpolitik heute nicht mehr allein die diplomatische Bühne betrifft, sondern grundlegende Fragen gesellschaftlicher Resilienz, wirtschaftlicher Stärke und politischer Legitimation. Eine klare Botschaft kristallisierte sich heraus: Wer in der Welt gestalten will, muss im Inneren gefestigt sein und im Äußeren verlässlich handeln.

Von admin