601.778 Packungen Nudeln: Berlin knackt den Weltrekord
Berlin hatte am Samstag ordentlich Appetit. Am Holzmarkt an der Spree standen Menschen Schlange, überall stapelten sich Nudeln, Helfer schleppten Kisten und Lastwagen brachten Nachschub. Ausgerechnet Pasta wurde zum Star einer ungewöhnlichen Berliner Großaktion. SIRPLUS wollte einen Weltrekord im Lebensmittelretten aufstellen. Am Ende wurde das Ziel deutlich übertroffen: Nach Angaben des Veranstalters wurden 601.778 Packungen Nudeln gerettet. Insgesamt kamen 645.589 Lebensmittel zusammen. Mehr als 6.400 Menschen waren nach Angaben von SIRPLUS vor Ort, mehr als 300 Volunteers halfen bei der Aktion.
Die Dimension war schon am Nachmittag kaum zu übersehen. Fünf Lastwagen mit rund 300 Paletten Lebensmitteln waren nach Angaben des rbb zum Holzmarkt gebracht worden. Darunter befanden sich rund 500.000 Packungen Nudeln, die nicht mehr regulär verkauft werden konnten. Statt in der Vernichtung landeten sie in den Händen von Besuchern, bei sozialen Einrichtungen oder auf Tellern.
Vor dem Holzmarkt bildete sich zeitweise eine lange Schlange. Die Berliner kamen nicht nur zum Zuschauen. Sie wollten Lebensmittel mitnehmen, vor allem aber Teil einer Aktion sein, die aus einem ernsten Problem ein großes öffentliches Ereignis machte. Die B.Z. berichtete am Nachmittag von einer mindestens hundert Meter langen Schlange.
Am Ende stand eine Zahl, die sich fast wie ein Tippfehler liest: 601.778 gerettete Nudelpackungen. Damit lag das Ergebnis deutlich über dem ursprünglichen Ziel von 500.000 Packungen. Zusammen mit weiteren geretteten Lebensmitteln kamen 645.589 Produkte zusammen. Nach Angaben von SIRPLUS wurden außerdem 278.400 Nudelpackungen per Lastwagen an Tafeln, die Arche und weitere Vereine gespendet.
Für die Besucher wurde aus der Rekordaktion zugleich eine Pasta-Party mit politischem und gesellschaftlichem Programm. Am Holzmarkt wurde gekocht, gegessen und diskutiert. Auf der Bühne ging es um Foodsharing, Zero Waste und die Frage, wie Lebensmittelverschwendung reduziert werden kann. Dazu kamen Workshops, Musik, Comedy und ein Quiz. Maria Clara Groppler und Gina Beckman gehörten zu den angekündigten Künstlerinnen. Raphael Fellmer, Gründer von SIRPLUS, stand ebenfalls auf der Bühne.
Das Spektakel hatte allerdings einen ernsten Kern. Lebensmittelverschwendung ist in Deutschland kein Randproblem. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft fielen 2022 rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Davon entfielen etwa 6,3 Millionen Tonnen auf private Haushalte.
Gerade bei Nudeln zeigt sich zudem, wie schnell ein Datum auf der Verpackung mit einem Wegwerfgrund verwechselt wird. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist keine automatische Verfallsgrenze. Bei trockenen Lebensmitteln kann die Ware häufig auch nach Ablauf des Datums noch genießbar sein, sofern sie richtig gelagert wurde und keine Auffälligkeiten zeigt. Das Verbrauchsdatum für leicht verderbliche Lebensmittel ist davon klar zu unterscheiden.
SIRPLUS hat Lebensmittelrettung seit Jahren zum Geschäftsmodell gemacht. Das Berliner Unternehmen sammelt Lebensmittel ein, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr über den normalen Handel verkauft werden, und bringt sie über verschiedene Wege wieder in den Umlauf. Nach eigenen Angaben wurden seit 2017 bereits mehr als 15 Millionen Produkte gerettet. Diese Zahl ist eine Unternehmensangabe.
Der Weltrekordversuch am Holzmarkt war bereits die zweite große Rekordaktion von SIRPLUS. 2025 hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben 187.076 Lebensmittel gerettet, darunter 75.000 vegane Schnitzel. Nun folgte die Nudel in XXL-Dimension.
Auch die soziale Komponente wurde ausgebaut. Für jede Anmeldung zur diesjährigen Aktion wurde nach Angaben von SIRPLUS eine Schulmahlzeit über Mary’s Meals finanziert. 3.597 solcher Mahlzeiten kamen demnach zusammen.
Was am Samstag am Holzmarkt passierte, war deshalb mehr als eine kostenlose Nudelverteilung. Die Aktion zeigte ziemlich anschaulich, wie groß die Mengen sind, die aus dem normalen Wirtschaftskreislauf herausfallen können, obwohl sie noch verwendbar sind. Die Botschaft war simpel: Essen gehört auf den Teller und nicht in die Tonne.
Und Berlin machte daraus, wie so oft, ein Ereignis. Menschen standen Schlange, Nudeln wechselten kartonweise den Besitzer, auf der Bühne wurde diskutiert und gelacht. Am Ende war die Rekordzahl erreicht. 601.778 Packungen Pasta hatten in Berlin einen neuen Weg gefunden. Ausgerechnet die unscheinbare Nudel wurde damit zum Symbol für eine ziemlich große Frage: Warum wegwerfen, was noch gegessen werden kann?
Der nächste Weltrekord ist bereits angekündigt. SIRPLUS nennt dafür den 26. Mai 2027.
